Das Fenster zur Bremer Seele

Focke Museum - 1 (12)„Wenn der Bremer“, schrieb Hans Meyer vor rund einem halben Jahrhundert in seinem Buch ‚Das Bremer Gesicht‘, „…Fernweh hat, geht er schnell ins Übersee-Museum, aber wenn er ganz bei sich zu Hause sein will, zieht es ihn ins Focke-Museum.“ Johannes Focke war ein Bremer Honoratior, der seit dem Jahr 1890 angefangen hatte, Bremensia zu sammeln. Er sammelte alles, was er kriegen konnte: Dokumente, Bilder, Kunst, Möbel, Hausrat, Spielsachen, einen Tabakladen, ein Kaufmannskontor.

Köpfe im Foyer
Bremer Köpfe im Foyer

Welcher Ort könnte also besser geeignet sein, einen Blick in die spezielle Bremer Bürgerseele zu tun? Das Museum liegt in einem ehemaligen Gutshof, der zu einem Park verwandelt wurde. Im Foyer empfangen den Besucher steinerne Köpfe, die von der Fassade des Rathauses stammen und dort inzwischen durch Nachahmungen ersetzt wurden: der Kaiser und seine Kurfürsten. Hier steht auch der Original-Kopf des berühmten Roland. Seit 1404 stand er auf dem Marktplatz. In den 1960erJahren drohte er, durch Luftverschmutzung und sauren Regen zerstört zu werden. Darum hat man ihn hier in Sicherheit gebracht und im ‚Außendienst‘ durch einen Vertreter ersetzt.

Bremer Barock in Blech: die schöne 'Isabella'
Bremer Barock in Blech: die schöne ‚Isabella‘

Das Focke- ist Bremens Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte. Beim Rundgang begegnet man allen Epochen seit der Urgeschichte. Eine große Rolle spielt in Bremen natürlich die Seefahrt, die Hanse und der Handel. Für Besucher im Alter ab 50 sind alte Bekannte unter den Exponaten, zum Beispiel die Borgward-Autos ‚Isabella-Coupé‘ und der ‚Leukoplastbomber‘, der in den 1950er Jahren in Westdeutschland vielen ermöglichte, sich auf vier Rädern zu motorisieren.

Lloyd LP400 von 1953: 13 PS, Spitze 75 km/h
Lloyd LP400 von 1953: 13 PS, Spitze 75 km/h

Geben Sie sich aber nicht mit einem Gang durch die großzügig angelegte systematische Schau zufrieden. Seinen wahren Charakter zeigt das ‚Focke‘ erst im Magazin. Im Gegensatz zu den meisten anderen Museen kann man es nämlich besichtigen. Man steigt in den Keller hinab. Hier herrscht ziemliche Enge zwischen den bis unter die Decke gefüllten Vitrinen, die sich ineinander spiegeln und einen labyrinthischen Irrgarten bilden. Das Magazin ist ein Sammelsurium, an dem sich Sammler-Naturen wahrscheinlich kaum satt sehen können. Haufenweise Puppen, Plüschtiere, Spielzeugautos, Elektrogeräte aller Art vom Telex bis zur Kaffeemühle, ein kompletter Tabakladen, jede Menge Schiffsmodelle und mehr Musikinstrumente als sämtliche Stadtmusikanten bedienen könnten.

Im Magazin: Auch Milchbüchsen sind ein Sammel-Objekt
Im Magazin: Auch Milchbüchsen sind ein Sammel-Objekt

Regelmäßig zeigt das Focke-Museum Sonderausstellungen. Vom 17. Oktober 2015 bis zum 28. März 2016 öffnet eine interaktive Schau zum Thema ‚Fußball‘.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal, mit freundlicher Genehmigung des Focke-Museums

Informationen: www.focke-museum.de

Adresse: Schwachhauser Heerstraße 240, 28213 Bremen

Telefon: 0421 6996000

Öffnungszeiten: Di 10-21 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr

Eintritt: 6 Euro

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