Du und ich und ein Drama

Eine junge Frau auf einem Dach: Sie schimpft, sie lamentiert. Will sie in den Tod springen? Simone Lappert eröffnet ihren Lesern eine bizarre Welt von Vorurteilen, Missverständnissen und Experimenten zur ‚Selbstfindung‘.

Zehn Schicksale ranken sich um den ‚Sprung‘. Aus verschiedenen Perspektiven schildert Simone Lappert das Geschehen um Manu, die auf einem Dach steht und – ja was geschieht eigentlich? Die Menschen der Stadt erleben die Stunden auf sehr unterschiedliche Art. Finn, der Manu liebt, fragt sich, wieso geschieht, was geschieht. Maren, die nicht in ihre Wohnung zurück kann und die Gelegenheit nutzt, um aus ihrer festgefahrenen Ehe auszubrechen. Und Theres und Werner, die in ihrem bankrotten Laden einen wahren Boom erleben wegen der vielen Schaulustigen. Insgesamt zehn Personen sind verwickelt in der Tragödie, die sich dort auf dem Dach abspielt.

Simone Lappert
Foto: Ayse Yavas / © Diogenes Verlag

Der Autorin ist es gelungen, eine Situation einzufangen, die überall geschehen und jeden von uns betreffen könnte. Vorurteile stellt sie in Frage. Unser tägliches Handeln führt sie uns vor Augen. Da sind zum Beispiel die geistlosen Jugendlichen, die gespannt auf den Sprung warten, um alles mit ihren Smartphones aufzunehmen und dann ganz vorne in den digitalen Netzwerken mit zu spielen – geschmacklos bis zum Äußersten fordern sie Manu auf, doch endlich zu springen und nicht weiter ihre Zeit zu stehlen.

Ein wenig Geduld muss der Leser mitbringen für diesen äußerst fein gesponnenen Roman. Man muss sich zunächst sozusagen auf die Charaktere einlassen ohne den großen Zusammenhang zu sehen. Den stellt Simone Lappert dann nach und nach her. Der Sprung ist ein Spaziergang durch das Leben in seiner ganzen Vielschichtigkeit. Ein Weg auf dem der Leser sich selbst und sein Umfeld wiederfinden kann. Ein Versprechen auf das sich jeder mal einlassen sollte.

Text: Ruth Hoffmann

Cover und Photo mit freundlicher Genehmigung von Diogenes

Informationen: www.diogenes.ch

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