Warum der Tag keine 24 Stunden hat

Es klingt verlockend: Viele Anbieter sogenannter 24-Stunden-Pflege versprechen eine ‚Rund-um-die-Uhr-Betreuung‘ im Haushalt zu einem erschwinglichen Preis. Doch eine Betreuung rund um die Uhr gibt es nicht.

In vielen Haushalten älterer, pflegebedürftiger Personen leben inzwischen ausländische Betreuungskräfte, die vermeintlich rund um die Uhr für Hilfeleistungen zur Verfügung stehen. Jedoch gilt auch für diese Arbeitnehmer das Arbeitszeitgesetz nach deutschem Recht. Somit ist in der Regel nach einem acht- bis maximal zehnstündigen Arbeitstag zuzüglich vorgeschriebener Pausenzeiten die Arbeit beendet. Auch hier gilt: die Betreuungskraft darf maximal 48 Wochenstunden im Einsatz sein; Sonn- und Feiertage sind arbeitsfreie Tage.

Sofern Sie für die Betreuung einer pflegebedürftigen Person die Variante der ’24-Stunden-Betreuung‘ in Erwägung ziehen, sollten Sie daher Betreuungsoptionen für die Ruhe- und Pausenzeiten der Betreuungskraft einplanen. 

Im Rahmen der ’24-Stunden- Betreuung‘ sind drei Beschäftigungsmodelle möglich:
Neben der Beauftragung einer Vermittlungsagentur und einer Entsendefirma können Sie auch einen Vertrag mit einer selbständigen Betreuungskraft abschließen. Zudem haben Sie die Option, selbst als Arbeitgeber aufzutreten. 

Je nach Beschäftigungsmodell müssen Sie mit unterschiedlichen Kosten rechnen, wenn Sie eine Betreuungskraft entlohnen. Sind Sie Arbeitgeber, müssen Sie den Mindestlohn garantieren und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Zudem können je nach Beschäftigungsmodell zusätzliche Kosten anfallen für die An- und Abreise der Betreuungskraft, Vermittlungsgebühren, Einmalzahlungen, Unterkunft und Verpflegung. 

Wenn die Betreuungskraft keinen Nachweis über eine Ausbildung in einem anerkannten Pflegeberuf besitzt, darf sie keine medizinischen Dienste auszuführen. Die zumeist osteuropäischen Betreuungskräfte können in der Regel nur hauswirtschaftliche Tätigkeiten anbieten: zum Beispiel Kochen, Waschen, Putzen, Einkaufen, leichte Gartenarbeit. Die professionelle Pflege, wie die Gabe von Medikamenten oder Wundversorgung, ist Fachkräften mit anerkannter pflegefachlicher Ausbildung vorbehalten. 

Die Aufgabenbereiche der Betreuungskraft sollten Sie unbedingt im Vertrag schriftlich festhalten und vor dem Beginn der Arbeitstätigkeit genau festlegen. 

Das Projekt Verbraucherschutz im ‚Grauen Pflegemarkt‘ untersucht den Pflegemarkt im Bereich der häuslichen ’24-Stunden-Betreuung‘. Neben der rechtlichen Lage sollen tatsächliche Herausforderungen für Verbraucher erfasst werden. Es wird von der Bundesregierung gefördert. 

Text: VZ Berlin / repor-tal

Logo mit freundlicher Genehmigung der Verbraucherzentrale Berlin

Informationen: www.24h-pflegevertraege.de

Pflegebedürftige und Angehörige können sich über ihre Rechte informieren, Erfahrungen mitteilen oder konkrete Handlungsempfehlungen erhalten.
Info-Telefon 030 / 54 44 59 68 (Ortstarif)
montags und dienstags 10 – 14 Uhr, mittwochs von 14 – 18 Uhr

Sie können auch dem Projektteam Ihre Verträge übermitteln: mail@pflegevertraege.de

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