Dinge, die es gar nicht gibt

Typisch Miró: ‚Femme‘, 1981, 202x105x76cm, Bronze
Leihgabe Successió Miró

An der Kunst von Joan Miró scheiden sich mitunter die Geister. Doch wenn sein Enkel die Skulpturen seines Großvaters erklärt, geht das auch dem kritischen Betrachter nahe. Zu sehen sind aktuell Skulpturen des katalanischen Künstlers im Wuppertaler Skulpturenpark Waldfrieden.

Joan Miró lebte von 1893 bis 1983. Sein Enkel Joan Punyet Miró war erst 15 Jahre alt, als sein Großvater starb. Doch erinnert sich an viele bezeichnende Episoden, die er mit dem großen Künstler erlebt hat. Insbesondere die tiefe Versunkenheit Mirós in seiner und anderer Kunst ist ihm präsent. Zur Eröffnung der Schau im Wuppertaler Skulpturenpark schilderte er seine Erinnerungen:
Jeden Tag bevor der Großvater in sein Atelier ging, habe er auf den Stufen dorthin ein Gedicht gelesen. Erst dann ging er beseelt an seine Kunst. Dort arbeitete er von 9 bis 14 Uhr in absoluter Stille. – Und jeden Abend ging er von 19 bis 20 Uhr in seine Bibliothek. Eines Abends sei der Enkel ihm heimlich gefolgt und sah ihn verzückt in seinem Sessel wie er Bach lauschte. „Ich sah, dass seine Seele entrückt war.“
Jegliche Art von Musik sei sehr wichtig und inspirierend für ihn gewesen, nicht nur die klassische. Daraus schöpfte er unter anderem seine Kraft und Freiheit neue Gebiete zu entdecken, sehr wesentlich in seinen Skulpturen.

Die „Seifenschale“: Personnage, 1978, 220x100x75cm, Bronue, Leihgabe Successió Miró

Alles habe der Großvater als Inspiration für seine Kunst genommen. „Ich erinnere mich, dass meine Großmutter einmal Hühnchen gekocht hatte. Großvater nahm beim Essen eine Keule und steckte sie in seine Jackentasche. Später entdeckte ich genau diese Form in einer Skulptur wieder.“
Einfache Gegenstände waren es oft die Miró inspirierten: „Diese Skulptur formte er nach einer Serviette, die er bei einem Restaurant-Besuch in Barcelona gesehen hatte“, erläutert Joan Punyet. „Und dort war die Grundlage eine Seifenschale in seinem Haus auf Mallorca. – Daher der Spruch: Wenn du einen Stein aufhebst, ist es ein Stein. Wenn Miró einen stein aufhebt, ist es ein Miró.“
Joan Punyet Miró verwaltet die Successió Miró auf Mallorca, wo der Künstler lebte und auch starb.

Die zwölf Skulpturen, die jetzt bis zum 24. November 2019 in Tony Craggs Skulpturenpark Waldfrieden zu sehen sind, gehören zum Spätwerk von Joan Miró. Nach seinen farbenfrohen Bildern wandte er sich in den 1950er Jahren erst der Bildhauerei zu. „Es ist mir eine Freude und Ehre diesen großen klassischen Künstler hier zeigen zu dürfen“, erklärte Sir Tony bei der Präsentation. „Miró lehrte uns eine neue Sprache, zeigte uns neue Perspektiven: er zeigt Dinge, die es gar nicht gibt. Durch ihn kann man ganz neue Welten entdecken.“ 

Viele Leihgaben stammen aus dem Yorkshire Sculpture Park in Wakefield (England). Dessen Gründer und Leiter, Peter Murray, war ebenfalls zur Eröffnung der Wuppertaler Ausstellung angereist. Er betonte, dass Miró sein Werk teilen, mit der Öffentlichkeit interagieren wollte.

Begeistert von Miró: Tony Cragg, Peter Murray, Jaon Punyet Miró (v.l.n.r.)

Die Skulpturen Mirós sind jetzt neben den Werken Tony Craggs und Henry Moores zur sehen. Joan Punyet Miró ist überzeugt: „Meinem Großvater hätte es gefallen, zusammen mit Henry Moore und Tony Cragg gezeigt zu werden. Er wollte Menschen einander nahebringen. Seine Kunst kam aus seinem Herzen, seine Energie aus der Seele.“

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung vom Skulpturenpark Waldfrieden, © repor-tal

Informationen: www.skulpturenpark-waldfrieden.de, www.successiomiro.en, www.ysp.org.uk

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