Lekker fietsen in Limburg!
Teil 1

In vielen kleinen Orten kann man gut an der Kirche parken und von dort die Radtour beginnen.
In vielen kleinen Orten kann man gut an der Kirche parken und von dort die Radtour beginnen.

Bekannte und beliebte Ausflugsziele sind auch in den Niederlanden schnell überfüllt, erst recht wenn in Deutschland Ferien sind. Bewegt man sich aber außerhalb der familien-orientierten Plätze, dann findet man eine andere, ganz eigene Welt. In der Provinz Limburg (sprich: Limbürch) im äußersten Süden der Niederlande gibt es in der Umgebung der Maas wundervolle Wege durch eine erstaunlich abwechslungsreiche Landschaft aus Wald und Heide, Äckern und Weiden, Wiesen und Auen. Kommen Sie mit uns durch den ‚Heldense Bos‘ und entlang der Maas von Neer bis Baarlo.

Im Hinterland sind die Ortschaften am Wochenende oft fast ausgestorben.
Im Hinterland sind die Ortschaften am Wochenende oft fast ausgestorben.

Wir starten in Helden, knapp 20 Kilometer südwestlich der Großstadt Venlo. Das Städtchen Helden ist umgeben von Kiefernwäldern. In der Nähe der St. Lambertuskirche findet sich ein großer Parkplatz. Eine Tafel am Rand informiert, dass es sich hier um einen ‚knooppunt‘ handelt, einen Knotenpunkt im landesweiten Radwege-Netz. Mit Hilfe dieser numerierten Punkte kann man sowohl vorgegebenen Tourenvorschlägen folgen als auch anhand einer Karte oder Smartphone-App eigene Touren planen und fahren.

Unvermeidlich in den Niederlanden: irgendwo trifft man immer auf einen Kanal.
Unvermeidlich in den Niederlanden: irgendwo kommt immer ein Kanal.

Unsere Tour führt in Richtung Neer. Wir durchqueren einen lichten Kiefernwald, und anschließend öffnet sich eine Ackerlandschaft von Wiesen und Weiden. Nach kurzer Strecke erreicht man den heute malerisch von einer Allee gesäumten ‚Afwateringskanaal‘.

Zwischen Feldern und Äckern führt der Weg an einigen Bauernhöfen vorbei. Die meisten bieten ihre Produkte je nach Saison frisch am wegesrand an, manchmal in einem professionellen Verkaufshäuschen und manchmal ganz einfach auf einem Tisch. Je nach Jahreszeit gibt es hier frische pralle Blaubeeren oder Erdbeeren, Äpfel oder Kartoffeln, Kirschen oder auch selbst gemachte Marmeladen. Da lohnt es sich, ein wenig Kleingeld in der Tasche zu haben. Denn die Niederländer setzen auf Ehrlichkeit. Das Geld wird einfach in einen Kasten gelegt.

Kreuz und quer scheint der Weg durch Neer zu gehen. Ein kleiner Ort mit hübschen Plätzen. Allerdings müssen Radler einen guten Blick für die Wegweiser entwickeln. Mal sind die oben an einem Laternenpfahl, mal an einer Hausecke und dann wieder unten auf einem kurzen Pfosten. Gerät man aber dennoch auf Abwege, bemerkt man dies meist schnell, und der Weg lässt sich immer gut wiederfinden.

Die Ortschaften sind oft prächtig mit Blumen ausgestattet.
Die Ortschaften sind oft prächtig mit Blumen ausgestattet.

Kurz hinter Neer führt ein Bach zur Maas. Eine kleine Fähre verbindet die beiden Ufer. Von hier geht es durch malerische Auen am Fluss entlang. Aussichtspunkte und Bänke laden zu einer Rast mit Blick über den Wasserlauf ein. Große Frachtkähne und kleine Sportboote gleiten durch die Biegungen des Flusses. Hin und wieder streicht ein kleines Segelboot vorbei. Der Blick über die Maas ist frei, nicht verbaut.

Im Dörfchen Kessel stehen hübsch aufgereiht alte Bauernhäuser am Rand der Straße, und hinter einem prächtigen schmiedeeisernen Tor erblickt man die schlossartige Villa Oeverberg. Sie ist leider nicht zu besichtigen.

Die Ruinen der Raubritterburg
Die Ruinen der Raubritterburg

Gleich neben dem VVV, der niederländischen Tourist-Information, stehen die Reste des Schlosses Keverberg, einer Ritterburg mit Ursprüngen aus dem 11. Jahrhundert. die bis ins 19. Jahrhundert immer weiter ausgebaut wurde. 1944 wurde sie weitestgehend zerstört. Heute dient die Ruine im Sommer als Kulisse für Kulturveranstaltungen. Im Winter gehört sie den Fledermäusen.

Hofcafés laden zur Rast ein.
Hofcafés laden zur Rast ein.

Weiter geht es an der Maas bis zum Wehr westlich von Baarlo. Auf dem Weg lohnt es sich, in einem Hofcafé Rast zu machen. Sogenanntes boerderij-ijs (Eis vom Bauernhof) und selbst gebackener Kuchen sind eine leckere Unterbrechung.

Die Marien-Kapelle aus dem 17. Jahrhundert
Die Marien-Kapelle aus dem 17. Jahrhundert

Eine kleine Marien-Kapelle aus dem 17. Jahrhundert markiert die Stelle, die zu ‚Huis Oyen‘ führt.Das Wohnhaus eines Adeligen ist in sogenannten ’speklagen‘ gebaut. Rote Backsteine und gelbe Mergel-Blöcke wechseln sich in Lagen ab.

Auf Höhe des Wehrs geht es Richtung Osten in das Örtchen Baarlo. Hier steht das beeindruckende Kasteel de Erp. Es wurde etwa um 1200 erbaut. Das Schloss selbst ist nicht zugänglich, aber den Garten kann man besichtigen. Hier steht auch eine Knotenskulptur aus dem Jahr 1996 von Shinkichi (George) Tajiri, einem amerikanisch-niederländischen Künstler japanischer Abstammung.

Die alte Wassermühle von Baarlo
Die alte Wassermühle von Baarlo …

Gleich hinter dem Kastell liegt die Wassermühle von Baarlo. Sie stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Das heute erhaltene Gebäude ist aber aus dem 17. Jahrhundert. Bis 1960 war sie noch in Betrieb.

... und gleich dahinter der Waschplatz
… und gleich dahinter der Waschplatz

An die Wassermühle schließt sich gleich ein alter Waschplatz an. Hier war eine natürliche Quelle. Schon im Mittelalter wurde das Wasser in einem Überlaufbecken aufgefangen, das dann weiter in einen Bach floss. Hier wurde das Vieh getränkt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Becken zum Dorf-Waschplatz. Daher stammt der Name ‚Wasplaats des Sprunk‘ (Quellen-Waschplatz).

Kasteel de Erp im 'Kasteeldorp' Baarlo
Kasteel de Erp im ‚Kasteeldorp‘ Baarlo

Doch nicht nur wegen des Kasteel de Erp nennt sich Baarlo auch das ‚Kasteeldorp‘. Es hat noch zwei weitere Schlösschen zu bieten. Das Kasteel de Berckt stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und bietet heute Gruppenunterkünfte an, während das Kasteel de Raay, ebenfalls Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, heute ein modernes Hotel ist.

Ein Knoten vom Künstler Shinkichi Tajiri
Ein Knoten vom Künstler Shinkichi Tajiri

Von Baarlo führt der Weg zurück nach Helden entlang von Wäldern auf der einen Seite und Wiesen und Äckern auf der anderen Seite. Wer nach den knapp 35 Kilometern Radtour noch neugierig auf Limburgische Heimatkunde ist, kann auf dem Weg noch im ‚Streekmuseum ‚t Land van Peel & Maas‘ die Geschichte des ‚Auen-Landes‘ an der Maas kennenlernen.

Text: Ruth Hoffmann

Photos © repor-tal

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