Kein Abschluss – ein Versprechen!

 

Die Richard Alston Dance Company hat für einen grandiosen Abschluss der Internationalen Tanzwochen 2016/2017 gegeben. Gleichzeitig war die Vorstellung der Londoner aber auch ein Wegweiser in die kommende Saison, die ein großartiges Programm verspricht.

Das erste Gastspiel der Richard Alston Dance Company nach 18 Jahren in Neuss war ein Vergnügen pur. Die zehn Tänzer brachten mit ihrer Professionalität die Choreographien von Richard Alston zum Strahlen. Vier sehr unterschiedliche Choreographien zeigten eine Bandbreite von Möglichkeiten des Modern Dance.

In An Italian in Madrid bilden die Arrangements Alstons fließende Übergänge von klassischen Elementen zu modernen tänzerischen Ausdrucksweisen. Gewollte choreographische Dissonanzen lösen sich in klassischer Perfektion wieder auf. Kurze Sequenzen der aufgelösten Gemeinschaft finden sich sofort wieder in balletteuser Harmonie.
Ein besonderes Stilelement ist das Arrangement mit dem Flügel auf der Bühne. Pianist Jason Rigdway spielt die Musik von Domenico Scarletti live zur Choreographie – außergewöhnlich und stilprägend.

 

Witz und Phantasie bringt das kurze Stück Isthmus. Eng, teilweise wie verschmolzen bewegen sich die Tänzer. Kurze Soli vereinen sich wieder mit kleinen Gruppen. Wie bei einer Landenge driften die Tänzer auseinander und schnell wieder zusammen, niemals entfernen sie sich weit voneinander.

Humoresk kommt das Solo Dutiful Ducks daher. Der Tänzer Liam Riddick versteht, die ergeben ‚pflichtbewusste‘ Ente in Szene zu setzen, eifrig, sich selbst aufopfernd, hektisch, von einer Seite der Bühne auf die andere springend, hüpfend, tanzend. Außergewöhnlich der gesprochene Text von Charles Amirkhanian. Seine Text-Sound-Collage fordert die tänzerische Interpretation heraus.

Die Choreographie Nomadic spiegelt die Konflikte des modernen Lebens im tänzerischen Ausdruck. Stress bei Tag und in der Nacht, durch Beleuchtungs-Effekte von Zeynep Kepekli perfekt illuminiert. Menschen in Isolation, Kampf einer gegen den anderen, dann wieder eine roboterhafte Gemeinschaft, die sich im nächsten Moment wieder auflöst in ein Gegeneinander, eine schwimmende Gesellschaft, dem Mainstream folgend, um dazuzugehören, sich neuen Gruppen wieder zu assimilieren. Sehr spannend und eindringlich!

Dieser wundervolle Abend macht Lust auf mehr. Mehr Tanzwochen in Neuss. Und das begeisterte Publikum, das aus ganz Nordrhein-Westfalen in die kleine ‚Kultur-Hauptstadt‘ am Rhein strömt, darf sich auf eine spannende neue Saison 2017/2018 freuen. Angekündigt sind die Compagnie Hervé Koubi und die Martha Graham Dance Company, beide bei früheren Darbietungen bejubelt. Außerdem kommen Acosta Danza, das Ballet Hispanico, das National Dance Theatre of Wales und das Hongkong Ballet.
Am 3. Oktober 2017 startet die neue Saison. Aber Achtung, die Vorstellungen der Internationalen Tanzwochen in Neuss sind immer schnell ausverkauft.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, @ Richard Alston Dance Company, Photos Tony Nandi

Informationen: www.tanzwochen.de

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