Luther an allen Ecken und Enden

Kultstätte Nummer 1 auf den Spuren des Lebens von Martin Luther ist sein Geburtshaus.
Kultstätte Nummer 1 auf den Spuren des Lebens von Martin Luther ist sein Geburtshaus.

Die Stadt Eisleben in Sachsen-Anhalt hat eine bewegte Geschichte, die bis ins Mittelalter zurück reicht. Sie ist voller Baudenkmäler und historischer Häuser. Doch überall begegnet man den Spuren ihres berühmtesten Sprösslings: Der Reformator Martin Luther ist hier geboren und gestorben. 

In Eisleben dreht sich (fast) alles um ihn.
In Eisleben dreht sich (fast) alles um ihn.

Es dürfte ziemlich selten vorkommen, dass auf dem Marktplatz von Eisleben ein Kind fragt: „Wer ist denn der Typ mit der Baskenmütze?“ Denn der Bronzemann ist Martin Luther, und er ist nicht bloß Kult in Eisleben, sondern bei Mitgliedern protestantischer Kirchen in der ganzen Welt, und auch bei Katholiken heute nicht mehr verpönt. Schließlich war er ja selbst nicht bloß katholisch, sondern sogar Mönch und Priester. Im Jahr 2017 feiern Protestanten in aller Welt 500 Jahre Reformation.

Mit dem Titel ‚Lutherstadt‘ schmücken sich neben Eisleben auch Wittenberg und Mansfeld. Die Tourismus-Verwaltung der Region hat einen ‚Lutherweg‚ ausgearbeitet, der nicht nur an Luther-Orte, sondern auch zu anderen Sehenswürdigkeiten führt. Eine Broschüre ist bei den Tourist-Informationen zu haben.

Der 'Taufbrunnen' dominiert heite die Kirche Peter und Paul.
Der ‚Taufbrunnen‘ dominiert heute die Kirche Peter und Paul.

In Eisleben ist Luther geboren und auch gestorben. Beide Häuser haben heute den Status ‚Weltkulturerbe‘ der UNESCO. Getauft wurde er in der St. Petri und Pauli-Kirche. Sein Taufstein steht neben dem geräumigen, in den Boden eingelassenen Taufbrunnen. Die Kirche firmiert heute als ‚Zentrum Taufe‘.  Ihre architektonische Überarbeitung ist preisgekrönt. Anders als die meisten evangelischen Kirchen ist diese auch außerhalb der Gottesdienst-Zeiten offen für Besucher. Ihr spätgotischer Flügel-Altar ist der Heiligen Anna geweiht, der Großmutter von Jesus.

Zentraler Kirchbau der Altstadt ist St. Andreas, wo Luther seine letzten Predigten hielt, bevor er 1546 starb. Beerdigt ist er in Wittenberg, sein Grab kann Eisleben also nicht vorweisen. Dafür gibt es unter anderem sein Geburtshaus und sein Sterbehaus, heute beide ein Museum.

Lutherrose im Pflaster
Lutherrose im Pflaster

In Eisleben sind so viele Orte mit Luther verknüpft, dass die Stadt einen eigenen ‚Lutherweg‘ markiert hat. Ma kann ihm anhand der ins Straßenpflaster eingelassenen ‚Lutherrosen‘ folgen. Es gibt aber auch andere Kulturspuren, die man in Eisleben aufspüren kann. Der ‚Knappenbrunnen‘ zum Beispiel zeigt acht Broncefiguren als typische Gestalten aus der Tradition des Bergbaus und verweist damit auf den Betrieb in Mansfeld, der in der DDR-Zeit als ‚VEB Wilhelm Pieck‘ noch aktiv war. Luthers Vater hatte hier eine Kupfer-Hütte betrieben, und Klein-Martin ging hier zur Schule.

Eine Büste auf einem Marmorsockel erinnert an Friedrich Koenig, der den Zeitungs- und Buchdruck revolutionierte mit seiner Erfindung der Schnellpresse, bei der das Papier nicht mehr blattweise, sondern mit einer rotierenden Walze auf den Satz gedrückt wird. Er ist 1774 in Eisleben geboren. Seine Erfindung machte Koenig aber als Drucker in England.

Der heute größte Stadtteil von Eisleben, Helfta, hat auch einen großen Ruf in der katholischen Welt. In dem dortigen Kloster lebten im 13. Jahrhundert drei Nonnen, die für ihre theologischen und mystischen Schriften berühmt waren: Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud von Helfta, die auch den Ehrentitel ‚die Große‘ trägt.  450 Jahre lang war das Kloster verwaist. Seit 1999 leben dort wieder Zisterzienserinnen. Helfta ist deshalb auch Station auf dem Jakobsweg und der Straße der Romanik.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos mit freundlicher Genehmigung der jeweiligen Verwaltungen © repor-tal

Informationen: www.eisleben-tourist.de

Öffnungszeiten: Siehe Webseiten der verschiedenen Museen und Orte

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *