30. Januar 2011
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Ein Topas im Kopfsteinpflaster

Der Laden ‘Topas’ wirkt wie eine kleine bunte Traumwelt aus farbigen Steinen und anderen schönen Dingen. Ute Weigel hat ihn liebevoll gestaltet und eingerichtet. Mit 53 Jahren hat sie diesen Traum realisiert und sich damit zugleich in ein wirtschaftliches Abenteuer gestürzt. Denn eine gesicherte Existenz als Leiterin eines Kindergartens gab sie dafür auf.

Schon während ihrer Zeit als Angestellte hatte sie nebenbei verschiedene Aus- und Fortbildungen absolviert, zum Beispiel die Qualifikation als Entspannungspädagogin oder die Ausbildung zur Edelsteinberaterin bei  Michael Gienger. „Die Ausbildungen waren immer sehr anstrengend und aufwändig an Zeit und Geld. Vieles konnte ich aber auch für meine Arbeit mit den Kindern nutzen.” Aber immer wieder fragte sie sich, ob sie das alles nicht weiter entwickeln solle.

„Meine Vorstellung, mit Kindern zu arbeiten, ließ sich auch bei Wegfall von Pausen und Mehrarbeitsstunden nicht mehr verwirklichen. Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren brauchen von uns Erwachsenen viel Aufmerksamkeit und viel Zeit. Ich merkte immer stärker, dass die Kinder wegen meiner vielen Aufgaben als Leiterin nicht das von mir bekamen, was sie brauchen.“

Vor drei Jahren fasste sie sich ein Herz und eröffnete ihren eigenen Steineladen ‘Topas’. Weniger Arbeit als vorher hat sie bestimmt nicht, aber sie ist glücklich. Umgeben von Edelsteinen, roh und geschliffen, schafft sie ihre eigenen Schmuck-Kreationen, auch ganz individuell. In Lennep ist sie schon bekannt und hat sich einen Stammkundenkreis geschaffen, der gerne wiederkommt und sich von ihr beraten lässt. Im ‘Topas’ kann man sich ganz in Ruhe umsehen und wird nicht bedrängt. Wer möchte, bekommt einen Kaffee oder Tee, und erst wenn Beratung gewünscht ist, bringt die Edelsteinkennerin ihr Wissen und ihre Empfehlungen ein. Dabei geht sie immer ganz individuell vor.

Ihre kaufmännische Neuorientierung schreckte sie nicht. Auch als Leiterin der Kindertagesstätte hatte sie die Aufsicht über die Finanzen. Zusätzlich hat sie sich bei der Industrie- und Handelskammer fortgebildet und ein Existenzgründungsseminar besucht.

Als Standort wählte sie das schnuckelige Lennep, weil sie dort „einfach das Gefühl hatte, dass ich hier hingehöre.” Die Mieten seien bezahlbar; die Altstadt habe ihren eigenen Charme. Die meisten der kleinen Läden werden von den Inhabern selbst geführt: “Die Menschen bekommen also eine gute Beratung und viel Aufmerksamkeit, die Qualität ist gut, der Umgang untereinander mit den anderen Inhabern ist sehr unterstützend und entspannt”, lobt Ute Weigel ihr Städtchen. Es gibt Vereine, die sich für die Altstadt und ihre Bewohner einsetzen. Der Ortskern ist überschaubar; dennoch gibt es einiges an Kultur, wie das Röntgenmuseum, die ehemalige Klosterkirche, heute ein Kulturzentrum mit vielfältigem Programm, das Rotationstheater und vieles mehr. “Außerdem sind die Menschen sehr nett – für mich gehen hier die Uhren noch anders und ich vermisse die Hektik der größeren Städte absolut nicht.“

Ute Weigel ist überzeugt, sie würde diesen Weg wieder einschlagen. Sie hat gerne mit den Kindern gearbeitet, aber nach 32 Jahren war etwas Neues fällig. „Heute kann ich arbeiten, wie ich es für richtig halte, ich kann mir die Zeit für die Kunden nehmen, die sie brauchen. Zu meiner Arbeit gehört ja auch die Beratung. In einer Zeit, in der es um schnelle Erfolge, um größer, höher, weiter geht, bleiben viele Menschen auf der Strecke. Ob es die Angst um den Arbeitsplatz ist oder zwischenmenschliche Probleme – viele Menschen sind mittlerweile so gehetzt, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse gar nicht mehr so wahrnehmen können. Sich mit Edelsteinen zu beschäftigen, ihre Farbe und Struktur wahrzunehmen, tut einfach gut. Dieser Aspekt, sich spielerisch mit etwas zu beschäftigen, kommt heute oft zu kurz. Auch ich bin früher eigentlich nur durch den Tag gehetzt, hatte für nichts so richtig Zeit, und je schneller ich alles erledigt hatte, desto mehr kam auf mich zu. Das ist heute anders. Ich habe abends nicht mehr das Gefühl, dies oder jenes ist mal wieder zu kurz gekommen.“

Die Edelsteinberaterin freut sich über positive Rückmeldungen, wenn sie hört, es hat gut getan, sich im Geschäft zu unterhalten, Ketten anzuprobieren oder in ein Buch zu schauen und darüber zu reden. „Ich hatte zum Beispiel einmal eine Kundin, die zu Besuch in der Nähe war und zufällig in meine Laden kam. Sie steckte gerade in einer Lebenskrise und hat durch unser Gespräch einen Weg gefunden, den sie vorher nicht gesehen hat. Sie rief mich ein paar Wochen später an, um mir davon zu berichten und bedankte sich. Das fand ich sehr berührend. Ich habe schon mehrmals erlebt, dass fremde Menschen herein kamen, um mir einfach nur zu sagen, dass sie meinen Laden wunderschön fänden und dass er ein Gewinn für die Altstadt sei. So kleine Dinge finde ich gerade in der heutigen Zeit klasse.“

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Fotos)

Anschrift: ’Topas’, Remscheid-Lennep, Kölner Straße 20

Informationen: www.topas-steineladen.de

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