Die Hüter des ‚Wäp-Wäp‘ – ein Verein!

Sie wollen die alte Tradition erhalten: Josef  (l.) und Sebastian Schürmann
Sie wollen die alte Tradition erhalten: Josef (l.) und Sebastian Schürmann

Auf der Suche nach dem norddeutschen Brauch mit dem kuriosen Namen ‚Wäp-Wäp‘ ist fifty2go-Autorin Ruth Hoffmann auf einen Verein gestoßen, der seit 1977 existiert und sich anscheinend als Einziger überhaupt dieser Tradition verpflichtet hat. Rückgrat des Vereins ist Familie Schürmann in Kamperfehn in der Nähe von Oldenburg in Niedersachsen.

Als Hermann-Josef Schürmann (Jg. 1949) seine Maria (Jg. 1952) 1976 heiratete, brachte die junge Frau einen Brauch mit aus ihrem Heimatdorf Thüle in Südoldenburg, den ‚Wäp-Wäp‘. “Ich fand das einfach so toll”, erinnert sie sich heute. Doch im rund 20 Kilometer nördlich gelegenen Kamperfehn (auch Südoldenburg) konnte niemand etwas damit anfangen, als Maria Schürmann Freunden zu Silvester dieses ‘merkwürdige’ Gebilde (siehe Teil 1) brachte. Was sollte das?
Ältere im Dorf erinnerten sich aber, dass junge Männer früher ihrer Angebeteten am Silvesterabend einen ‚Wäp-Wäp‘ brachten, um festzustellen, ob sie Chancen hätten. es kam nämlich darauf an, ob am Dreikönigs-Abend (5. Januar) das geschmückte Holzbrettchen zurückgebracht wurde oder nicht. Je nachdem konnten sie sich Chancen ausrechnen oder aufgeben.

Selbstgebaute Kuriositäten ziegren auch den Garten.
Selbstgebaute Kuriositäten ziegren auch den Garten.

Der kuriose Brauch gefiel drei jungen Kamperfehnern so gut, dass sie ihren damaligen Freundinnen einen ‚Wäp-Wäp‘ brachten, natürlich in der Hoffnung erhört zu werden. Sie wurden – und heute sind alle drei Paare noch glücklich verheiratet.

Aus dem gelungen Versuch wurde in Kamperfehn eine feste Tradition, die sogar zu einer Vereinsgründung führte. Rund dreißig Mitglieder zählt er heute. Natürlich gehören auch Maria und Hermann-Josef Schürmann noch dazu. Und ihr Sohn Sebastian (Jg. 1985) hat inzwischen den Vorsitz.

“Jedes Jahr haben wir ein kleines Chaos”, erzählt Hermann-Josef Schürmann. “Jeder macht etwas anderes, aber es bleibt ein Geheimnis, wer wem einen ‚Wäp-Wäp‘ bringt.” Natürlich lassen sich die Überbringer gerne fangen, denn dann gibt es ein kleines gemütliches Beisammensein, bevor es zum nächsten ‚Wäp-Wäp‘-Empfänger weitergeht. “Es wird dabei auch schon mal getrickst”, so Schürmann Senior. “Wenn man sich nicht erwischen lassen will, klemmt man vielleicht mal einen Stock oder Besen unter die Türklinke.”
Heute wird der ‚Wäp-Wäp‘ guten Freunden gebracht, aber auch Menschen, mit denen man im Jahr Probleme hatte, um sich wieder zu versöhnen – oder aber auch als Dankeschön oder kleine Anerkennung.

Zu silbernen Hochzeit haben Maria und Josef dann auch einen Riesen-‚Wäp-Wäp‘ bekommen. Der Verein hatte ihn so groß gebaut, dass das Ehepaar darin sitzen konnte. Dann wurden sie mit „Wäp-Wäp!“ Geschrei auf ein Boot verladen und auf dem Kanal von der Dorfkirche bis vors Haus gefahren. Ein unvergessliches Erlebnis für die beiden.

Wohl einmalig: Die Ziel-Übungs-Anlage mit Mini-Wäp-Wäps
Wohl einmalig: Die Ziel-Übungs-Anlage mit Mini-Wäp-Wäps

Für die Aufnahme in den Verein müssen die Anwärter vor allem gut zielen lernen. Denn der ‚Wäp-Wäp‘ muss ja auf Anhieb durch die eilig aufgerissene Haustür in den Flur geschossen werden. Für das Training haben Schürmanns in ihrer Diele Mini-‚Wäp-Wäps‘ und an der Wand kleine Häuser zum Zielen. “Wer nicht trifft, kriegt erstmal Zielwasser verabreicht”, lacht Sebastian Schürmann. “Damit geht es dann meistens besser.”

Den Kamperfehnern mach der ‚Wäp-Wäp‘ offenbar viel Spaß. Doch wo gibt es ihn sonst noch und wo kommt er eigentlich her? Da sind wohl die Volkskunde-Forscher gefragt! Mehr dazu in Teil 3 dieser Spurensuche morgen (30. Dezember).

Text: Ruth Hoffmann

Photos: © repor-tal

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