Von Heiligen, Seelen, Geistern und Kürbissen

Halloween  FDie einen schimpfen Halloween als kommerziell, die anderen feiern gern eine ‘gruselige’ Party, was gut passt, weil am nächsten Tag frei ist aufgrund des Feiertags. Doch was wirklich hinter ‘Allerheiligen’ und Co. und der Tradition von Halloween steckt, ist oft unbekannt.

Halloween, Allerheiligen und Allerseelen finden an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Das allein legt doch die Vermutung nahe, dass diese Feste in Zusammenhang stehen.

Halloween

Halloween
Nicht nur Kinder lieben es, sich zu verkleiden. Auch die Erwachsenen haben dafür ein Faible, das ist spätestens am 11.11. erkennbar. Aber warum ziehen Kinder in Kostümen umher und fordern ‘Süßes oder Saures’, und was läßt Erwachsene in Horror-Kostümen ‘schaurige’ Parties feiern?
Traditionell kommt Halloween nicht aus den USA, wie oft geglaubt wird, sondern aus dem katholischen Irland. Auswanderer brachten dieses Brauchtum mit in ihre neue Heimat.
Halloween wird am 31. Oktober gefeiert, am Abend vor Allerheiligen. Und nichts anderes bedeutet es. Das Wort hat sich aus der ursprünglichen Bezeichnung All Hallows Eve(-ning) (Allerheiligen-Abend) entwickelt, wurde im Sprachgebrauch einfach zusammengezogen.
Aber Halloween hat auch Bezug zu Allerseelen. Das deuten auch Kostümierungen an wie Gerippe, Geister, Zombies. An Allerseelen gedenken nämlich die Katholiken ihrer Toten.
HalloweenDie Wissenschaft ist sich uneinig, aber es könnte sein, dass Halloween auf dem keltischen Samhain-Fest beruht, das aber auch schon in seiner Bedeutung umstritten ist. Sicher ist, dass Samhain ebenfalls am 31. Oktober gefeiert wurde. Und da an diesem Tag, die Tore zur Elfenwelt geöffnet sein sollten, war es nicht ratsam, das Haus zu verlassen. Wie bei einigen heidnischen Festen, könnte es sein, dass auch dieses von christlichen Riten überlagert wurde.
Halloween ist ein Unruheabend, an dem viel Schabernack getrieben wird. Unruhe gestiftet hat aber auch einer vor 458 Jahren: Martin Luther nagelte damals seine berühmten Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg. Deshalb feiern die Lutheraner an diesem Datum ihren Reformationstag.
Doch was sollen die Kürbisse an Halloween? Diese Sitte geht auf eine irische Sage zurück: Jack Oldfield, gewiefter Betrüger und Trunkenbold, fing den Teufel ein und ließ ihn erst frei, als der versprach, dass Jack nach seinem Tod nicht in die Hölle käme. Als er starb, fand er aber auch keinen Einlass in den Himmel. Doch der Teufel zeigte Erbarmen und schenkte dem Bösewicht eine leuchtende Rübe. Die ‚Jack O’Lantern‘ war geboren. In Amerika tauschten die eingewanderten Iren dann die Rübe gegen einen Kürbis aus.
Halloween rechtfertigt seinen Ruf als Unruhenacht allein dadurch, dass sich Menschen aller Nationen und Glaubensrichtungen über die Berechtigung dieses Brauches streiten.

HalloweenAllerheiligen

Die Katholiken gedenken an diesem Tag aller Heiligen, derjenigen die heilig gesprochen wurden, aber auch derjenigen, denen diese Ehre nicht zuteil wurde. Die Zahl der Heiligen wuchs in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten so schnell, dass es unmöglich war, jedem seinen eigenen Feiertag zu geben. Seit dem 9. Jahrhundert feiert die katholische Kirche dieses Fest am 1. November, auf den Papst Gregor IV. das Fest verbindlich festlegte. Zuvor wurde das Fest am 1. Sonntag nach Pfingsten begangen, an dem es bei den orthodoxen Christen noch heute gefeiert wird.
Allerheiligen ist in katholisch geprägten Bundesländern Deutschlands und der Schweiz, sowie in Österreich, Liechtenstein, Luxemburg und anderen hauptsächlich katholischen Ländern ein gesetzlicher Feiertag. In Deutschland ist es ein stiller Feiertag. An diesem Tag sind öffentliche Tanzveranstaltungen und laute Musik verboten. Darüber beschweren sich einige Andersgläubige. Aber der gegenseitige Respekt und der freie Tag sollten lautstarke Proteste ausklammern.
Im Süddeutschen Raum und in Österreich gibt es ein spezielles Gebäck: den Allerheiligen-Striezel, die Taufpaten an ihre Schützlinge verteilen.

HalloweenAllerseelen

Odilo von Cluny, Abt des gleichnamigen Klosters, führte im 10. Jahrhundert den Allerseelen-Tag ein. An diesem Fest wird der armen Seelen im Fegefeuer gedacht. Sie erhalten von ihren Angehörigen durch Fasten und Gebet Unterstützung, um das Paradies zu erreichen.
Seit dem Mittelalter sind Allerheiligen und Allerseelen eng miteinander verwoben; das Gedenken aller Heiligen wird mit dem Totengedenken verbunden.
Daraus entwickelte sich in Süddeutschland und Österreich der Brauch, den Toten ein Allerseelenbrot auf das Grab zu legen. Zu diesem Tag werden die Gräber auf katholischen Friedhöfen mit Lichtern und Kränzen geschmückt. In Mainz ist es üblich, eine besondere Kerze auf das Grab zu stellen, den Newweling. Diese Kerzen sind aus farbigem Wachs gedreht, und es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen.
Außerdem wird eine feierliche Prozession über die Friedhöfe mit Segnung der Gräber vorgenommen. In Österreich haben die Kinder an öffentlichen Schulen frei. In evangelischen Gemeinden entspricht das Allerseelen-Fest dem Totensonntag, der auf den letzten Sonntag vor dem ersten Advent fällt.

Text: Ruth Hoffmann

Photos: © repor-tal

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