Raum – Kunst – Geschichte

Spektakulär war im April 2015 die Wieder-Öffnung des renovierten Doms in Hildesheim. Auch das dazu gehörende Dom-Museum feierte eine Neueröffnung. Es liegt im selben Baukomplex und ist jetzt über den zweistöckigen Kreuzgang zugänglich. Es bietet sich also an, nach dem Dom und dem tausendjährigen Rosenstock im Kreuzgang das Museum zu besichtigen.

Evengeliar um 1015
Evangeliar um 1015

Die Stadt Hildesheim feiert im Jahr 2015 ihr 1200jähriges Bestehen. Die Stadt ist nicht denkbar ohne das Bistum, das 815 gestiftet wurde, also ein Jahr nach dem Tod Karls des Großen. Damals hatte dessen Erbe Ludwig (genannt ‚der Fromme‘) mit der Organisation seines Teil-Reiches zu tun und gründete das Bistum mit dem strategischen Ziel, die Lücke zwischen den umliegenden Diözesen Halberstadt, Verden, Minden, Paderborn und Mainz zu schließen. Knapp 200 Jahre später war der Ort zu einem wichtigen Zentrum entwickelt und wurde unter dem 13. Bischof Bernward befestigt.

Reliquiar mit Bergkristall, 12. Jahrhundert
Reliquiar mit Bergkristall, 12. Jahrhundert

Wie der Dom selbst, haben auch viele Stücke des Domschatzes den Status ‚UNESCO-Weltkulturerbe‘. Man kann die Ausstellung des Dom-Museums unter ganz verschiedenen Aspekten betrachten, einfach wegen ihrer Kostbarkeiten oder aus frommem Respekt oder mit dem Auge des Kunsthistorikers. Sie bietet aber auch einen Einblick in mittelalterliche Denk- und Vorstellungsweisen durch fünf Jahrhunderte.

Madonna aus Paris ca. 1390
Madonna aus Paris ca. 1390

Zum Beispiel kann man sich aber auch ganz naiv über die Bandbreite der Behältnisse wundern, in denen Reliquien verwahrt wurden, also Überbleibsel von Heiligen, angefangen von der hölzernen ‚Sammelbox‘ für Zähne bis zur kostbarsten Monstranz aus Gold, Silber und Edelsteinen. Aus der Neuzeit, dem 17. und 18. Jahrhundert, stammen Goldschmiedearbeiten und liturgische Textilien. Die Reihe der Kunstwerke reicht nahtlos bis in die Gegenwart: Gleich am Eingang wartet eine kleine Bronce-Skulptur des Münchner Bildhausers Thomas Lehnerer.

Eine gotische Rosette gibt den Blick frei auf das Kruzifix aus Ringelheim.
Eine gotische Rosette gibt den Blick frei auf das Kruzifix aus Ringelheim.

Faszinierend an dem neuen Dom-Museum ist aber sicher die gelungene Wechselwirkung von Architektur und Exponaten. Mittelalterliche wie moderne Kust ist gekonnt inszeniert, etwa das große Kruzifix aus Ringelheim, ursprünglich eine der ersten farbig gestalteten Skulpturen. Das gilt auch für das größte Schaustück, den vor lebensgroßen Figuren strotzenden Renaissance-Lettner. Er steht in einem eigens errichteten Anbau und kann sowohl von unten ringsum begangen als auch von oben, von einem Balkon aus, betrachtet werden. Im Keller schließlich sind die ausgegrabenen Reste der unter Bischof Bernward errichteten Kirche zu sehen.

Großer Renaissance-Lettner
Großer Renaissance-Lettner

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal, mit freundlicher Genehmigung des Diözesan-Museums Hildesheim

Informationen: www.dommuseum-hildesheim.de

Adresse: Dommuseum, Domhof 18-21, 31134 Hildesheim

Telefon: 05121/307760

Öffnungszeiten: Di-So 10 – 17 Uhr

Eintritt: 6 Euro

Einkaufen bei Amazon.de

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *