Die Sensation: Ein Ferkel!

Klein-Palu erkundet seine neue Welt!

Ein kleines Schweinchen ist einer der größten zoologischen Nachzucht-Erfolge Europas. Mehr als 21 Jahre hat es gedauert, bis der Wuppertaler Zoo einen Zuchterfolg bei seinen Hirschebern erzielen konnte. Im indonesischen Sulawesi ist die Art von der Ausrottung bedroht.

Zoo-Direktor und Zoo-Tierarzt Dr. Arne Lawrenz hat strahlende Augen, als wäre er selbst gerade Vater geworden: „Zuerst hielten wir es fast nicht für möglich, als der Verdacht aufkam unsere Yala könnte trächtig sein.“Yala ist eine der Hirscheber-Bachen im Wuppertaler Zoo. „Seit 21 Jahren bin ich hier im Zoo, und schon lange vor meiner Zeit hat es auch keine Zuchterfolge gegeben.“

Gib Küsschen!

In ihrer Heimat, dem indonesischen Sulawesi, gehören die Hirscheber zu den gefährdeten Tierarten, was einerseits am bedrohten Lebensraum, der Rodung der Regenwälder, zum anderen daran liegt, dass die Wildschweine eine besondere Delikatesse sind. Und im Gegensatz zu unseren heimischen Haus- und Wildschweinen bekommen die Hirscheber nicht einen ganzen Wurf Ferkelchen, sondern nur eins, bestenfalls zwei. Auf Sulawesi werden sie Babirusa genannt. ‚Babi‘ bedeutet ‚Schwein‘ und ‚Rusa‘ ‚Hirsch‘.

Warum gerade jetzt der Zuchterfolg gelungen ist, erklärt Arne Lawrenz so: „Früher wurden in Zoos meistens ein Keiler und eine Bache gehalten. Aber diese ‚Zwangsehen‘ haben nicht funktioniert. Da geht es bei den Tieren ebenso wie bei uns Menschen auch nach Sympathie. Deshalb versuchen wir heute, die Tiere so naturnah wie möglich zu halten. Wir haben das Gehege entschieden vergrößert und eine kleine Rotte zusammengestellt: einen Keiler und vier Bachen. Nachdem sich zwei der weiblichen Tiere gemeinsam von der Rotte abgesondert haben, sind sie in den Berliner Zoo gegangen. Yala und Manni, unser Keiler, haben sich wohl besonders zueinander hingezogen gefühlt. Es hat gefunkt und eines Tages bemerkten unsere Pfleger, dass Yala wohl trächtig sein musste. Wir schätzen die Tragezeit bei den Hirschebern auf etwa fünf Monate. Und eines Tages war ein leises Quieken aus dem Verschlag zu hören.“

Der Zoo-Direktor und sein Team sich glücklich: Dr. Arne Lawrenz, Gustav Röckener, Yannis Gangwisch und Claus Kühn (v.l.n.r.).

Das war ein großes Ereignis für Tierpfleger Gustav Röckener und seine Kollegen. „Wir haben uns etwas fern gehalten, um Yala und ihr Kleines nicht zu stören. Das hätte sie uns wahrscheinlich übel genommen“, lacht Röckener, der auf gutem Fuß mit den Hirschebern steht. Er darf sie streicheln und Keiler Manni sogar seine beeindruckenden Hauer stutzen.

Gustav Röckener und Manni sind gute Freunde.

Rund zwei Wochen ist die Phase noch kritisch, ob die Jungtiere überleben. Das liege an verschiedenen Faktoren, erklärt Arne Lawrenz. Zum einen könne das Muttertier sich aus Versehen auf das Ferkelchen legen und es erdrücken, aber auch das Klima spiele eine Rolle und die Umstellung der Ernährung.

Doch Palu – benannt nach einer Stadt und einrm Fluss in der Nähe des Nationalparks auf Sulawesi – folgt Mutter Yala auf Schritt und Tritt und probiert hier und da auch schon am Gemüsefutter zu knabbern.

Das Ferkelchen im Wuppertaler Zoo ist vermutlich ein Weibchen. „Darüber freuen sich die Kollegen des EEZ (Europäischen Erhaltungszuchtprogramms)“, lacht Dr. Lawrenz. „Die anderen wenigen Geburten waren hauptsächlich männliche Tiere. Aber noch können wir das Geschlecht von Palu nicht genau bestimmen.“

Der Zoo plant eine neue Anlage, in der die Hirscheber zusammen mit asiatischen Kurzkrallenottern und Gibbons leben sollen – nicht isoliert, jeder für sich, sondern integriert. Dann finden die Tiere auch wie in ihrer natürlichen Umgebung ein Auskommen miteinander. Die Stallungen werden auch nicht wie früher üblich abgeschlossen, sondern sind 24 Stunden an allen Tagen geöffnet, so dass die Tiere selbst entscheiden, wann sie raus möchten oder sich lieber verkriechen. Bis dahin können die Zoo-Besucher Palu mit ihrer Familie im Außengehege bewundern.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung vom Zoo Wuppertal, © repor-tal

Informationen: www.zoo-wuppertal.de

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