Gekrönte
Greise

„Der König ist tot – es lebe der König!“ Dieses geflügelte Wort hat man lange nicht mehr gehört. Der Fortschritt von Zivilisation und Medizin macht selbst vor Thronen und Kronen nicht halt. Die zunehmende Lebenserwartung betrifft auch gekrönte Häupter. Auch war es früher weitaus üblicher als heute, Monarchen bei Bedarf einen Kopf kürzer zu machen und damit ihre Regierung vorzeitig zu beenden. Nicht immer, um dann gleich eine Republik auszurufen. Heute haben Könige und erst recht Königinnen eine Lebenserwartung, welche die ihrer republikanischen Staats- und Regierungschef-Kollegen weit übertrifft.

Für die designierten Nachfolger ist das nicht immer leicht. His Royal Highness, Charles, Prince of Wales, ist bereits 64. Seine Nummer Zwei, Prinz William, wird nach Ansicht von Buckingham-Astrologen frühestens mit über 50 drankommen. Baby George Alexander Louis muss wahrscheinlich bis in die 2070er auf die Krone warten, wenn England bis dahin nicht überhaupt via Facebook regiert wird.

Doch noch ist jeder vierte Staat in der EU eine Monarchie! Aber auch Monarchen müssen den Job nicht immer bis zum natürlichen Ende machen. Es ist genau wie bei anderen Familien-Unternehmen: Besser, man arbeitet rechtzeitig einen Nachfolger ein. Nicht zuletzt Papst Benedikt XVI hat es vorgeführt. Belgiens Albert II hat zugunsten seines Sohnes Philippe abgedankt. Und das will was heißen; denn der König ist praktisch das einzige, was Flamen und Wallonen in Belgien gemeinsam haben. Der frühere Premier Wilfried Martens hat es mal es auf den Punkt gebracht mit dem Bonmot: Er selbst sei ein entschiedener Republikaner – außer in Belgien.

Schorsch Bonks

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