Die ewig junge Liebe

Juliet (Aruhan Galieva) ist entsetzt, den toten Romeo (Stuart Wilde) neben sich zu finden.

Kenner des Shakespeare-Festivals in Neuss liebten die Auftritte der Propeller Company, die eng an das Watermill Theatre aus dem süd-englischen Newbury gebunden war. Jetzt ist eine Truppe junger Schauspieler unter der Leitung von Paul Hart nach Neuss zurückgekehrt und hat bewiesen, dass sie einer Propeller-Nachfolge würdig ist.

Mit einem der meistgespielten Shakespeare-Stücke gab die junge Company ihr Debüt in Neuss: Romeo und Julia. Regisseur Paul Hart hält sich dicht am Text des Originals. Aber wieder – wie früher bei Propeller – fasziniert die Inszenierung durch seine phantasievollen Ideen und nicht zuletzt das Talent und die Spielfreude des jungen Ensembles.

Coole Szenerie im ‚Capulets‘. Benvolio (Victoria Blunt), Mercutio (Offue Okegbe) und Romeo (Stuart Wilde) schmieden Pläne.

Noch ehe die ersten Zuschauer das Globe in Neuss betreten, tönt laute Rock-Pop-Musik nach draußen und lockt das Publikum neugierig hinein. Die Truppe spielt live! Lauryn Redding steht am Mikrophon und röhrt ausgesprochen talentiert ihren Song. Die anderen Schauspieler begleiten sie auf Gitarren, Bass und Schlagzeug. Wer gerade kein Instrument spielt, singt mit oder tanzt auf der Bühne und zwischen dem Publikum. – Sollten die Zuschauer mittanzen? Ein wenig verdutzt und verunsichert gehen Blicke umher, aber die Mehrheit klatscht und wippt mit.

Juliet (Aruhan Galieva, M.) weigert sich Paris zu heiraten,
trotz Zuredens von Lady Capuelt (Emma McDonald, r.) und der Amme (Lauryn Redding, l.).

Die Szene spielt buchstäblich in einem Szenelokal. Die Jugend der Stadt trifft sich im Capulets. Und hier werden auch die Fehden ausgetragen, hier zwischen Capulets und Montagues. Die Geschichte ist bekannt.

„Für meine erste Produktion als neuer Künstlerischer Leiter des Watermill Theatres, wollte ich eine neue Annäherung an Shakespeare im Sinn der Watermills wagen, etwas machen, was sich wirklich original anfühlt“, sagt Regisseur Paul Hart. „In Zusammenarbeit mit dem national Youth Theatre und führenden Schauspielschulen haben wir eine neue Besetzung aus dem ganzen Land zusammengestellt.“

Nicht nur engagierte Schauspieler, auch noch talentierte Musiker

Die jungen Leute dürfen ihre breit gefächerten Talente ausspielen: Schauspiel, Tanz fast bis zur Akrobatik, Gesang, Musikinstrumente. Mal untermalen leise Töne Dialoge und Monologe, dann wird eine Kampfszene effektvoll dramatisiert. Faszinierend die Stimmen von Lauryn Redding (Amme, Polizist), ond Aruhan Galieva (Juliet).

Wer unter Paul Hart spielt, muss musizieren können. Das war auch schon bei Propeller so. Romeo und Julia spielt im Jugend-Milieu. Wer könnte es also besser auf die Bühne bringen? Im modernen Outfit und mit viel Kraft und Energie ist die Tragödie zeitlos und aktuell zugleich.

 

Es gibt Bilder, die an Propeller erinnern. Denn auch bei dieser Produktion tragen die Bewegungs-Szenen die Handschrift von Tom Jackson Greaved, und die Kampfszenen hat Ian McCracken choreographiert.

Diese junge Truppe macht Lust auf mehr Shakespeare – und mehr Watermill!

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © Christoph Krey

Informationen: www.shakespeare-festival.de

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