Wahnsinn der Zerstörung

 

Archäologisches Museum Palmyra (Oktober 2016) © Amrai Coen / Die ZEIT

Palmyra war bis ins 21. Jahrhundert ein einzigartiges Monument vorchristlicher Kultur, das 1980 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde. Fanatische Dummheit zerstörte dieses Kulturgut der Menschheit. Das Museum August Kestner in Hannover geht seit dem 9. März der Frage nach: Palmyra. Was bleibt?

Schon der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (zweite Hälfte 1. Jh. n. Chr.) nennt in seiner Naturgeschichte (5,88) Palmyra eine wohlhabende, an Wassern reiche Oasenstadt in der syrischen Wüste, zwischen dem Reich der Römer und dem der Parther* gelegen. Zunächst konnte die Stadt durch eine geschickte Schaukelpolitik zwischen den beiden damaligen Großmächten profitieren und erlebte in der römischen Kaiserzeit ihre höchste Blüte, bis der römische Kaiser Aurelian 272 n. Chr. ihre Herrscherin Zenobia besiegte und als Gefangene nach Rom brachte. In spätantiker und byzantinischer Zeit behielt der Ort aber seine Bedeutung, wie zahlreiche christliche Basiliken und die byzantinischen Wandmalereien in der Cella des Bel-Tempels bezeugen – oder, wie man heute leider sagen muss: bezeugt haben.

Palmyra, Bel-Tempel, Zeichnung von Jean-Francois Cassas (1756–1827) © Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Courboud, Köln

Zur Zeit des französischen Mandates nach dem ersten Weltkrieg wurde die Bevölkerung umgesiedelt in eine neu angelegte Stadt außerhalb der antiken Ruinen. So blieb Palmyra bis heute die wohl eindrucksvollste antike Ruinenlandschaft des Vorderen Orients.

Dann kam der ‚Islamische Staat‘ und mit ihm die Zerstörung.

Nach der Zerstörung der originalen Architektur bekommen die 22 Zeichnungen und Aquarelle von Louis-Francois Cassas (1756-1827) eine ganz neue Bedeutung, die in der Ausstellung präsentiert werden. Der französische Künstler, Archäologe und Architekt beherrschte die archäologische Bauaufnahme und gilt heute als Pionier und Vorläufer der großen Bauforscher des 19. Jahrhunderts. Detailliert nahm er Bauwerke und ihre Ornamente auf und kopierte Skulpturen sowie griechische und palmyrenische Inschriften. Ausführliche handschriftliche Zusätze und Zustandsbeschreibungen ergänzen einige der Zeichnungen. Er unterschied als Erster zwischen gesehenen und rekonstruierten Architekturteilen, die er auf den Zeichnungen farblich voneinander absetzte.

Ankunft des reisenden Künstlers
Aus: Louis François Cassas, Voyage pittoresque de la Syrie (…) (Bd. 1), Taf. 27

Eine der charakteristischsten Kunstgattungen Palmyras sind Grabreliefs mit den Darstellungen der Verstorbenen. Fünf Leihgaben aus Wien stehen stellvertretend für die Bewohner Palmyras seit der Antike.
Im März 2016 besuchte der libanesische Pressephotograph Joseph Eid zum wiederholten Male die antike Ruinenstadt Palmyra. Im Gepäck hatte er Aufnahmen, die er dort selbst zwei Jahre zuvor im März 2014 aufgenommen hatte. Sieben seiner Photographien sind ausgestellt. Es handelt sich um simultane Vorher-Nachher-Aufnahmen verschiedener Orte in Palmyra – in ihrem historischen und zugleich ihrem heutigen Zustand.

Das antike palmyrenische Reich ist vertreten durch 18 Münzen, teilweise aus den Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, teilweise aus dem August Kestner Museum selbst.
Der Modellbauer Dieter Cöllen aus Wesseling wird ein Modell Palmyras aus Kork herstellen. Außerdem sind weitere Objekte mit der Fundorten oder Provenienzen Syrien aus dem Museum August Kestner zu sehen.

Text: repor-tal / Museum August Kestner

Photos mit freundlicher Genehmigung des Museums August Kestner, ©

Informationen: www.kestner-museum.de

Adresse: Museum August Kestner, Trammplatz 3, 30159 Hannover

Telefon: 0511 / 168-42 730

Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr, mittwochs 11 bis 20 Uhr

Eintritt: 5 Euro

* Volk im Großraum Persien und Mesopotamien ab dem 3. Jahrhundert vor Christus

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