Die Pilger knipsen
wo Jesus weinte

Der Ölberg liegt im Osten der Altstadt, die bis zur Eroberung durch die Israelischen Truppen 1968 unter jordanischer Verwaltung stand. Von der Altstadt aus ereicht man den Ölberg am schnellsten durch das Sankt-Stephans-Tor, das auch Löwentor heißt.

Olivenbaum, gepflanzt von Papst Paul VI

Der ‚Garten Gethsemane‘ und die ‚Kirche der Nationen‘ sollen an die Ereignisse erinnern, die von den Evangelisten Matthäus (26,36ff) und Lukas (22,39ff) überliefert sind, und die sich an dem Tag abspielen, der heute als Gründonnerstag begangen wird: Jesus begibt sich mit seinen Gefährten zum Ölberg an einen Ort, der im griechischen Text als ‚Gethsemane‘ wiedergegeben wird. Der hebräische Name ‚Gat Shamma‘ bedeutet ‚Ölpresse‘. Jesus bittet die Jünger, mit ihm zu wachen und zu beten, doch sie schlafen ein. Jesus betet in seiner Todesangst: „Nimm diesen Kelch von mir … aber wie Du willst.“ Wenig später wird er gefangen genommen.

Die christlichen Byzantiner hatten nach ihrer Eroberung des Landes im 4. Jahrhundert über dem Felsen, auf dem nach der Legende Jesus geruht und geweint haben soll, eine Basilika errichtet, die später wieder zerstört wurde. Anfang der 1920er Jahre entstand dort ein Neubau mit Spenden aus der ganzen Welt, daher der Name ‚Kirche der Nationen‘. Man erkennt sie leicht an ihrem bunt bemalten Giebel über einer Vorhalle im Stil der Renaissance.

Das Innere ist für eine moderne katholische Kirche erstaunlich dämmrig, doch ihr offizieller Name lautet ‚Agonia Domini‘ – ‚Verzweiflung des Herrn‘. Der Felsen, auf dem Jesus geweint haben soll, ist im Fußboden ausgespart. Im Fußboden sind auch die Grundmauern der byzantinischen Vorgängerkirche markiert. Die rotbraunen Säulen, auf denen die zwölf Dachkuppeln ruhen, sollen die Ölbaume von Gethsemane symbolisieren.

 

Tafel mit Zitaten aus dem Matthäus-Evangelium

Die lebenden Ölbäume des heutigen ‚Gartens Gethsemane‘ nebenan sind zwar nicht aus biblischer Zeit. Einige haben aber erkennbar ein respektables Alter. Allein der Anblick der bizarren Gehölze ist einen Besuch des Gartens wert. Manche Bäume tragen Tafeln, die an ihre Stifter erinnern.

Beide ‚Wallfahrtsorte‘, die ‚Kirche der Nationen‘ und der ‚Garten Gethsemane‘, sind von Touristengruppen stark frequentiert, die oft wenig Zurückhaltung an den Tag legen. Aufsichtspersonen bemühen sich, nonchalante Besucher zumindest davon abzuhalten, in der Kirche zu rauchen oder Eis zu lutschen. Wer einen Ort der Andacht oder des Gebets sucht, muss sich also woanders umsehen.

Text: Jan-Peder Lödorfer (Text)

Photos & Video: © repor-tal

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