Endlich das Ruder selbst
in die Hand nehmen!

Edmund Löw hatte 30 Jahre lang eine Segelschule in Timmendorfer Strand und fungiert heute, in seinem Ruhestand, als ehrenamtlicher Vorsitzender des Verbandes Deutscher Sportbootschulen e.V. Nach seiner Erfahrung kommt es relativ oft vor, dass Menschen erst dann wirklich zum Hobby Segeln oder Motorbootfahren kommen, „wenn sie gesettelt sind“.

Edmund Löw

Dabei scheitert der Zugang oft nur an einem Vorurteil, nämlich das dieser Wassersport besonders exklusiv sei. „Segeln ist nicht nur ein Sport für Betuchte“, so Löw. Denn es gibt viele Eigner von Yachten, die immer auf der Suche nach Mitseglern sind, einerseits weil sie selbst auch nicht reich sind, andererseits weil man zum Manövrieren auf zupackende Hände angewiesen ist. Und je mehr man als Mitsegler an Erfahrung und Kenntnissen mitbringt, desto erfreuter wird der Skipper sein.

Anders als beim Auto braucht man, um das Ruder einer Yacht zu führen, sei es unter Segeln oder Motor, keinen Führerschein. Den braucht nur derjenige, der das Boot verantwortlich führt, und das muss nicht heißen, dass er konkret das Ruder in der Hand hat. Man braucht also zum Üben keinen Fahrlehrer.

Wer sich dann entschließt, selbständig ein Boot zu führen, dessen Motor mehr als 3,86 kW (5 PS) leistet, macht einen amtlichen Sportboot-Führerschein. Davon gibt es zwei verschiedene: einen für See und einen für Binnengewässer. Dabei gibt es keine Rang- oder Reihenfolge. Ersterer gilt nur auf deutschen Seeschiffahrtstraßen, der andere nur auf deutschen Binnengewässern. (Außerhalb des deutschen Hoheitsgebietes gilt ohnehin kein deutsches Recht.) Wer beide Reviere befahren will, braucht also beide Scheine! Pärchen oder Lebenspartner können das Projekt als Team in Angriff nehmen und sich den Lernstoff sowie die Prüfungen teilen.

Die theoretische Prüfung umfasst unter anderem viel Gesetzeskunde, Signale und Regeln, die für See und Binnengewässer leider zum Teil unterschiedlich sind. Beim Sportboot-Führerschein See kommen Grundkenntnisse in Navigation hinzu. Die praktische Prüfung fordert eine Reihe von Manövern wie An- und Ablegen, Fahren nach Kompass und das ‚Mann über Bord‘-Manöver.

Zwar kann man sich – anders als beim Auto-Führerschein – auch ohne Schule oder Nachweis von Unterricht zur Prüfung anmelden, aber die meisten werden den Weg über eine Segel- oder Yachtschule wählen. In größeren Städten bieten auch manche Volkshochschulen Kurse an. An den Gewässern und an der Küste, aber auch an Mittelmeer-Urlaubsorten  gibt es auch Angebote für Ferienkurse.

Segeln reicht von Tradition bis High Tech

Diese beiden amtlichen Führerscheine sind die einzigen, die von deutschen Behörden tatsächlich gefordert werden. Was darüber hinausgeht, der Sportküsten-, -see- und -hochseeschifferschein, ist für Amateure freiwillig – also solange man den Job als Skipper nicht gewerblich ausübt. Es kann natürlich nicht schaden, sich mehr theoretische Kenntnisse einzuprägen. Doch was wirkich zählt, ist praktisches Können und Erfahrung.

Statt sich mit weiteren ‚Scheinen‘ und Prüfungen abzugeben, sucht man sich besser so oft es geht Mitsegelgelegenheiten. Dazu bietet das Internet heute eine ideale Plattform. Edmund Löw empfiehlt: „Wer danach sucht, findet immer Gleichaltrige und Gleichgesinnte.“

repor-tal (Text & Photos)

Informationen: www.wsv.de

 

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