Rrrumms! – ein Scherenbeck!

Haben Sie sich jemals überlegt, wie eine Schere hergestellt wird? Ich meine nicht die Sorte, die man heute in jedem Supermarkt findet, aus zwei flachen Stahlstreifen mit Plastikgriff. Ich rede von richtigen Scheren, wie sie auch von Handwerkern benutzt werden.

Friseure zum Beispiel, die jeden Tag stundenlang mit einer Schere in der Hand arbeiten, die so exakt gebaut sein muss, dass sie die dünnsten und die dicksten Haare glatt durchschneidet, ohne je zu ziepen. Solche Scheren sind nicht billig – können es nicht sein. Ebensowenig wie Scheren für Chirurgen, Rosenzüchter, Bonsai-Experten und viele Berufszweige mehr. Es gibt Hautscheren, Fingernagelscheren, Nasenhaar- und Bartscheren. Auch Scheren für Kinder, die schneiden, ohne zu verletzten. Und dann das Ganze nochmal – für Linkshänder. Denn – haben Sie mal versucht, Ihre Schere mit Links zu benutzen? Sie werden sich wundern: Sie tut’s nicht!

Gesenkschmied an Esse und Fallhammer
Gesenkschmied an Esse und Fallhammer

Scheren aller Art und Größe werden und wurden traditionell in Solingen produziert, und zwar schon seit Jahrhunderten. Die Technik, mit der seit dem 19. Jahrhundert gearbeitet wurde, ist das Gesenkschmieden. Dabei wird ein Stück rot glühender Stahl in eine Hohlform eingelegt. Von oben schlägt mit großer Wucht ein Gegenstück dieser Hohlform darauf. Der Schmied, der diese Arbeit am Fallhammer im Akkord verrichtet, braucht großes Geschick und viel Erfahrung, um sowohl zügig zu arbeiten als auch keinen Schrott zu produzieren. Die Arbeit ist extrem laut und äußerst anstrengend.

Für Publikum zu beobachten ist sie noch in einer Zweigstelle des Rheinischen Industriemuseums (RIM), der Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen. Das Unternehmen wurde 1886 gegründet. Genau 100 Jahre später wurde es wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aufgegeben. Sofort griff der Landschaftsverband Rheinland zu und konnte 1999 das Museum eröffnen.

Nach dem Schmieden muss der Grat weggestanzt werden.
Nach dem Schmieden muss der Grat weggestanzt werden.

Außer Scheren schmiedete Hendrichs auch andere Artikel, etwa Messerklingen und Schlüssel. In den Räumen der Fabrik haben zusätzlich weitere Werkstätten Platz gefunden, die in Zusammenhang mit der Produktion von Stahlwaren stehen, zum Beispiel die Werkstatt des Scherenmonteurs. Seine Aufgabe ist es, die beiden Teile der Schere – in der Fachsprache ‚Unter- und Oberbeck‘ genannt – exakt auszurichten, mit einer Schraube zu verbinden und den ‚Gang‘ zu prüfen: Bei einer guten Schere berühren sich die beiden Schneidekanten immer nur an einem Punkt, der beim Schließen der Schere glatt und gleichmäßig bis zur Spitze wandert.

Verschiedene Scheren bester Qualität bietet übrigens der Museumsshop, darunter eine klassische Haushaltsschere, aber auch kleine Handarbeitsscheren, die früher von der Firma Hendrichs in der ganzen Welt vertrieben wurden.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal

Informationen: www.industriemuseum.lvr.de

Adresse: LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs, Merscheider Straße 289 – 297, 42699 Solingen

Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag: 10 – 17 Uhr, Samstag und Sonntag: 11 – 18 Uhr, Montag geschlossen

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