Alles fließt im Tanz

© Compagnia Aterballetto / Rain Dogs, Photo Alfredo Anceschi
© Compagnia Aterballetto / Rain Dogs, Photo Alfredo Anceschi

Einen fulminanten Auftakt der ‚Internationalen Tanzwochen‘ brachte die italienische ‚Compagnia Aterballetto‘ aus Reggio Emilia auf die Bühne der Neusser Stadthalle. Das begeisterte Publikum feierte die Truppe mit ‚Standing Ovations‘. Die Compagnia ist auch weiterhin mit ihrem Programm in Deutschland unterwegs.

Schon in Ludwigsburg und Aschaffenburg begeisterten die Tänzer ihre Zuschauer durch die Perfektion ihres Tanzes. Mit ‚Lego‘ und ‚Rain Dogs‘ zeigte die Compagnie zwei grundsätzlich unterschiedliche Choreographien in Neuss. Und obwohl die Truppe hauptsächlich aus Solisten besteht, ist es der Florentinerin Cristina Bozzolini gelungen, eine Einheit zu schaffen, die das Ganze zum Leuchten bringt. Die künstlerische Leiterin war selbst früher Prima Ballerina des Maggio Musicale Fiorentino.

© Compagnia Aterballetto / Lego, Photo Nadir Bonazzi
© Compagnia Aterballetto / Lego, Photo Nadir Bonazzi

Giuseppe Spota choreographierte ‚Lego‘. Der Einstieg: eine futuristisch anmutende Computer-Animation in strengem schwarzweiß auf den Bühnen-Hintergrund projiziert. Die Musik-Kompositionen des Italieners Ezio Bosso, der Isländer Jóhann Jóhannsson und Ólafur Arnalds sowie des Deutschen Nils Frahm und der korsischen Vokalgruppe ‚A Filetta‘ unterstreichen die exotische Wirkung. Kinogänger fühlen sich leicht an ‚Matrix‘ erinnert. Verzerrte Lichtformen entwickeln sich zu einem Stadtbild. Kraftvoll und dennoch bis zur letzten Bewegung durch und durch geschmeidig zeigen die sechzehn Tänzer eine bunte Landkarte des Lebens.

Begegnungen, Abschiede, Überschneidungen und ein Sich-auch-wieder-Verlieren erinnern an das Zentrale Motiv des altgriechischen Philosphen Heraklit: ‚Panta rhei‘ (πάντα ῥεῖ – alles fließt). Jede Bewegung führt unmittelbar in die nächste. Es entsteht ein komplexes Bild, in dem es keinen Stillstand gibt. Einzelszenen treten kaum in den Vordergrund. Was zählt, ist der Gesamteindruck.

Ganz anders kommt ‚Rain Dogs‘ des Schweden Johan Ingers daher. Ein Tanz-Theaterstück. Menschen kommen sich selbst abhanden und finden sich in der Gemeinschaft wieder. Mit Witz zeigt die Choreographie vielschichtige Emotionen. Ein wichtige Rolle bei der Umsetzung spielt dabei das Licht-Design von Peter Lundin, der deutlich immer wieder den Goldenen Schnitt zum Tragen bringt. Die eigenwillig kratzige Stimme von Tom Waits, gegen die Joe Cocker nahezu sanft säuselt, unterstreicht insbesondere spannungsgeladene Tanz-Pausen.

Die Compagnia Aterballetto ist eine der bedeutendsten italienischen Tanzformationen und hat sich vor allem mit ihren klassisch-modernen Aufführungen einen Namen gemacht. Sie gehört zur ‚Fondazione Nazionale della Danza‘, die das professionelle Training junger Tänzer und Ballett-Aufführungen sowie verschiedene Projekte unterstützt.

Auf ihrer Deutschland-Tournee besucht Aterballetto als nächstes Ludwigshafen (29. Oktober). Die Tournee wird dann im März in Friedrichshafen, Lörrach, Schweinfurt, Esch-sur-Alzette (Luxemburg) und Mainz fortgesetzt. Im Juni gibt es einen weiteren Auftritt im Stadttheater Fürth.

Die ‚Internationalen Tanzwochen‘ in Neuss präsentieren am 13. November ‚Grupo Corpo‘ aus Bela Horizonte in Brasilien.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.tanzwochen.de

Youtube: LegoRain Dogs

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