Sonne, Sand und Spuren der Jahrhunderte

Wer die riesige Rennbahn vor sich sieht, denkt spontan an das legendäre Wagenrennen aus dem Film ‚Ben Hur’. Hier wurde es zwar nicht gedreht, aber hier spürt man die wahre Atmosphäre, nicht die des Films, sondern die historische. Caesarea Maritima ist eine größten Touristen-Attraktionen in Israel. Was mühselig für den Film 1959 aus Pappmaché gebaut und mit weißem Sand aufgeschüttet wurde, gibt es hier ‚in echt‘.

Restaurant auf Ruinen
Ein modernes Restaurant prangt auf den Ruinen der Kreuzfahrerstadt

Unter römischer Herrschaft gab es mehrere Orte des Namens Caesarea, ‚dem Kaiser gehörend‘. Unterschieden wurden sie durch die Beinamen. Der von Rom abhängige König der Provinz Palästina, Herodes der Große, gründete die ‚Maritima‘ im Jahr 20 v.Chr. an einer Stelle, wo schon 400 Jahre früher die Phönizier einen Hafen angelegt hatten. Herodes wollte mit der Namensgebung dem römischen Kaiser Augustus huldigen.

Säulen, Mosaikboden
Luxus vor Jahrtausenden: Palast des Herodes

Wie so viele historische Stätten in Israel hat auch Caesarea mehrere Epochen überstanden und sich von der römischen Residenz bis hin zur einer Bischofsstadt entwickelt. Hier bietet sich ein außergewöhnlicher Einblick in die einzelnen Zeitalter. Im Neuen Testament wird Caesarea mehrfach erwähnt. Hier soll als erster Nicht-Jude der römische Hauptmann Cornelius von Petrus selbst getauft worden sein. Nachdem die Römer Jerusalem im Jahr 70 zerstört hatten, wurde Caesarea Hauptstadt Palästinas. Im 2. Jahrhundert soll die Stadt 125.000 Einwohner gehabt haben.

Ruine
Die Paulus-Kathedrale

Im Jahr 135 wurden hier die Anführer des Bar-Kochba-Aufstandes**, unter anderen der geistige Führer Rabbi Ben Akiba, zu Tode gefoltert. Und der Apostel Philippus gründete hier schon im 1. Jahrhundert eine christliche Gemeinde. So wurde Caesarea am Ende des 2. Jahrhunderts Bischofssitz.

Amphitheater
Die Ränge des riesigen Amphitheaters

Das gesamte Areal ist vom Staat zum Nationalpark erklärt worden. Es liegt auf dem Weg zwischen Tel Aviv und Haifa. Ganz im Süden liegt das römische Theater, erbaut zur Zeit Herodes des Großen. Hier fanden einst 4.000 Besucher Platz. Und auch heute finden hier wieder Veranstaltungen statt. Kaum zu glauben ist, dass die Orchestra, die am tiefsten gelegene Zentralfläche des Amphitheaters, im 4. Jahrhundert in ein Bassin umgebaut wurde, in das sogar Schiffe einlaufen konnten. Welch ein Spektakel!

Marmor-Becken
Das Bad des Statthalters

Südlich vom römischen Theater finden sich unmittelbar am Meer Ruinen, die als Palast des Herodes vermutet werden – ein königlicher Ausblick auf das Meer.

Richtung Norden schließt sich am weißen Sandstrand die Arena für Wagenrennen und andere sportliche oder kämpferische Veranstaltungen an das Amphitheater an, deren Tribüne 10.000 fasst.

Strand antike Pferderennbahn
Direkt am Strand: die antike Pferderennbahn

Gleich dahinter, Richtung Osten , wurde ein byzantinisches Straßensystem freigelegt. Hier lagen Wohn- und Geschäftshäuser, in der ersten Reihe mit Ausblick auf das Mittelmeer. Lagerräume mit hohen Gewölben wurden ausgegraben. In einem davon war ein Mithras-Heiligtum*** angelegt. Es ist das einzige in Israel bisher bekannte seiner Art. Und großzügige Bäder zeugen ebenfalls vom Reichtum der Stadt.

In der Zeit zwischen 640 und dem 9. Jh. War die Stadt im Besitz der Araber. Ihre Bedeutung nahm in dieser Zeit rasant ab. Der Hafen Caesareas, der größte Palästinas in der herodianischen Zeit und der zweitgrößte im Mittelmeerraum, verlandete nach und nach.

Ruinen eines Palastes
Der vermutete Palast des Herodes

Während der Kreuzzüge im 13. Jh. von den christlichen Truppen erobert und als Bastion befestigt wurde. Einen schönen Blick auf die Kreuzfahrerstadt hat man von einem Plateau aus, wo schon Herodes einen Augustus-Tempel zu Ehren des römischen Herrschers hatte bauen lassen. Gleich daneben stehen die Überreste einer byzantinischen Kirche und der St. Paulus-Kathedrale der Kreuzfahrer. Der Heilige soll zwei Jahre in Caesarea gefangen gehalten worden sein.

Blick auf Moschee
Im Hintergrund die Moschee aus Osmanischer Zeit

Richtung Westen mit Blick auf das Meer sieht man eine Moschee. Sie wurde hier Ende des 19. Jahrhunderts von bosnischen Flüchtlingen gebaut, die von den osmanischen Herrschern der Zeit hier angesiedelt wurden. Hinter ihr erstrecken sich alte Lagerhäuser und die Zitadelle der Kreuzfahrer auf der Mole. Bizarr wirkt der moderne Restaurant-Bau, der auf die Ruinen der Zitadelle gesetzt wurde. In den Lagerhäusern sind heute Geschäfte und Restaurants.

Spitzbögen
Spitzbögen einer Ladenstadt

Durch die gut erhaltene byzantinische Spitzbogenpassage verlässt man wieder die Kreuzfahrerstadt. In der byzantinischen Geschäftsstraße sind zwei Fußbodenmosaike mit griechischen Inschriften erhalten. Außerhalb der Stadt steht im Norden ein Rest des Aquädukts. Er wurde schon zu herodianischer Zeit gebaut und leitete Wasser aus sechs Kilometern Entfernung nach Caesarea.

Die besten Reisezeiten und klimatisch angenehmsten Monate sind der Mai und der Oktober. Dann ist es nicht zu heiß für Besichtigungen. Die riesigen Parkplätze sind dann noch leer, vermitteln aber einen Eindruck von dem Rummel, der zur Hochsaison hier herrscht. Wer allerdings gerne im Meer badet, sollte im Herbst reisen. Im Frühjahr ist das Wasser noch kühl.

Ruth Hoffmann (Text)
repor-tal (© Photos)

*Die Phönizier waren eine Seemacht mit vielen Handelsniederlassungen rund um das Mittelmeer. Ihre Blütezeit reichte von etwa 1000 bis 146 v. Chr., dem Untergang Karthagos im 3. Punischen Krieg.

**Der Bar-Kochba-Aufstand war die jüdische Auflehnung gegen das Römische Reich von 132 bis 135 n. Chr. unter Führung von Simon bar Kochba.

***Der Mithras-Kult war in der Antike sehr verbreitet. Er wurde in Höhlen oder fensterlosen Gebäuden zelebriert. Das Christentum hat später vieles von ihm übernommen. So nennt man die Kopfbedeckung der Bischöfe heute noch ‚Mitra‘.

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