Panorama einer Zeitenwende,
Kirchen-Krimi und Comic-Strip

Triptychon mit der Madonna im Kreis von heiligen Frauen Köln, um 1420, Eichenholz
© Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Jörg P. Anders

In den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts entstand in Lüneburg ein herausragendes Kunstwerk: Schreiner, Bildschnitzer und Maler von internationalem Rang schufen die Goldene Tafel, einen Altaraufsatz für die Lüneburger Michaeliskirche. Dieses Werk zählt mit seinen Bildern und Skulpturen zum Schönsten, was sich aus der Zeit um 1400 in Norddeutschland erhalten hat.

Goldene Tafel, Außenseite des linken Innenflügels, Lüneburg, um 1420/1430, Eichenholz, Landesmuseum Hannover © Bildarchiv Foto Marburg, Thomas Scheidt

Nach einer mehrjährigen wissenschaftlichen Bearbeitung und umfassenden Restaurierung präsentiert das Landesmuseum Hannover die Goldene Tafel nun in einer eigenen Ausstellung zeitenwende 1400. die goldene tafel als europäisches meisterwerk vom 27. September 2019 bis zum 23. Februar 2020. Zusammen mit prominenten Leihgaben aus dem In- und Ausland zeigt die Schau das reiche Panorama auf, das die Kunst der Gotik in ihrer internationalen Breite abbildet.

„Die Goldene Tafel gehört zu den Meisterwerken unseres Hauses. Nach jahrelangen wissenschaftlichen Untersuchungen und einer umfangreichen Restaurierung wissen wir endlich mehr über ihre Entstehung und freuen uns, das bedeutende Kunstwerk wie neu präsentieren zu dürfen“, so Prof. Dr. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover.

Wahrhaffter Abriß des hohen Altars zu St. Michaelis, Johann Christoph Boecklin (Augsburg 1657 – 1709 Leipzig), 1700, Kupferstich © Landesmuseum Hannover

Für die neue Kirche der Benediktinerabtei St. Michaelis war sie als zweifach klappbarer Flügelaltar konzipiert. Zwei große Gemälde zieren die Außenflügel. Auf der ersten Wandlung werden 36 Szenen aus dem Leben von Christus und Maria in detailreichen, farbintensiven Malereien ausgebreitet. An besonderen Festtagen wurden die beiden inneren Flügelpaare aufgeschlagen, die dann die reich vergoldeten Skulpturen zu Seiten des Mittelschreins sichtbar werden ließen. In dessen Zentrum stand eine ältere Goldene Tafel, ein reich mit Edelsteinen verziertes und mit hochkarätigem Goldblech überzogenes hochmittelalterliches Altarbild, dem der Flügelaltar seinen Namen verdankt. Darum gruppierten sich in kostbare Gefäße gefasste Reliquien, liturgische Gerätschaften und prachtvoll eingebundene Handschriften. Viele der Einzelteile haben sich über Jahrhunderte erhalten – nun werden sie in der Ausstellung zum ersten Mal wieder zusammengeführt und gemeinsam mit den Altarflügeln gezeigt. 

Der Raub der Goldenen Tafel, Seite 1, Simon Schwartz, Comic © Simon Schwartz

Die Goldene Tafel hat ein Gesamtgewicht von etwa 650 Kilogramm. Ihre Spannweite beträgt insgesamt 7,32 Meter.

Der Schatz wurde durch zwei spektakuläre Diebstähle im 17. Jahrhundert erheblich reduziert: Besonders der Kirchenraub der deutschlandweit agierenden Bande um Nickel List machte damals Furore. Die historischen Zeugnisse liefern wichtige Erkenntnisse und ermöglichen eine nahezu vollständige Rekonstruktion des Ensembles. Auch dieses Material wird in der Ausstellung erstmals systematisch zusammengetragen.

Und die traditionellen Medien treffen auf neue Kunstformen: Der preisgekrönte Hamburger Comic-Künstler Simon Schwartz übersetzt die Geschichte des Raubes in eine moderne Bildsprache und erzählt sie gerade auch für eine junge und junggebliebene Zielgruppe nach.

Das Dom-Museum in Hildesheim zeigt die Partnerausstellung Zeitenwende 1400. Hildesheim als europäische Metropole vom 1. Oktober 2019 bis zum 2. Februar 2020. 

Text: Landesmuseum Hannover / repor-tal

Photos mit freundlicher Genehmigung des Landesmuseums Hannover

Informationen: www.landesmuseum-hannover.de

Adresse: Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover

Telefon: 0511 / 98 07-686

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 – 18 Uhr

Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 8 Euro

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