Säuerliches aus Brooklyn

Ein New Yorker ‚Trendkoch‘ schreibt locker und ermutigend seine Rezepte zum Selbermachen diverser Essig-Spezialitäten. „Wer qualitativ hochwertigen Essig möchte, muss ihn selbst herstellen“, lautet seine These.

Ich gebe es zu: Ich habe es nicht ausprobiert. Ich bin auch nicht sicher, ob die Kernaussagen des New Yorker Autors ohne weiteres auf unsere Verhältnisse übertragbar sind. Wenn Rosenblum zum Beispiel schreibt:

…die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in Ihrem normalen Supermarkt Essig erstklassiger Qualität finden, ist eher gering. Denn seit Jahren wird uns beim Kauf von Industrieessig vorgespielt, wir würden Malz- oder Rotweinessig kaufen. Die Flüssigkeit ist braun oder rot, schmeckt aber kein bisschen nach Bier oder Wein.

Da bin ich skeptisch. Ich mag nicht glauben, dass unsere strengen Vorschriften für die Deklaration von Lebensmitteln eine solche Täuschung erlauben würden, ohne dass dies etwa der Stiftung Warentest irgendwann mal auffallen würde.

Wahrscheinlich käme bei uns auch so leicht keiner auf die Idee, in seiner Studentenbude Bier zu brauen. Doch genau so ist Rosenblum an die Essig-Produktion geraten:

Mit dem Fermentationsvirus wurde ich erstmalig Mitte der 1990er als Student (…) angesteckt. Da ich legal kein Bier kaufen durfte (…) lernte ich, mein eigenes Bier zu brauen…

Man muss schon ein begeisterter Küchen-Experimentierer sein, um sich an die Essig-Produktion zu machen – von der Bierbrauerei ganz zu schweigen. Der Spaß des Autors an der Chemie zeigt sich auch an Vorschlägen wie diesem:

Beeindrucken Sie Ihre Kinder mit einem Vulkan: Stellen Sie im Freien ein Glas auf den Boden und geben Sie 4 EL Natron und 10 Tropfen rote Lebensmittelfarbe hinein. Gießen Sie 250 ml Essig hinzu und schon spuckt der Vulkan Lava!

Abgesehen von solchen Laboratoriums-Vorschlägen bietet das Buch aber auch viele Anregungen, mit Essig etwas Gescheites anzufangen. Man kann ihn mit Gewürzen ansetzen, zu erfrischenden Getränken mischen, Gemüse, Eier, Obst, Fleisch und sogar Muscheln einmachen, Saucen, Dips und auch Süße Desserts mit Essig aufpeppen.

Was die Verwendungsmöglichkeiten anlangt, hat Rosenblum eine Menge origineller Rezepte versammelt, bis hin zu echten Kuriositäten: Eingelegte geräucherte Schweinefüße, gerösteter Rotkohl, Essigbonbons…

Das Bändchen ist ausgezeichnet illustriert, bestimmt also eine anregende Lektüre auch für weniger ambitionierte Lebensmittel-Experimentierer; und wer Wert darauf legt, sich bei seinen Gästen als Trendsetter zu profilieren, wird bei Rosenblum bestimmt fündig. Denn er ist, ausweislich des Klappentextes Inhaber der Trend-Kochschule The Brooklyn Kitchen.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Buchtitel mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Informationen: www.narayana-verlag.de

Harry Rosenblum: Die Essigbibel
Unimedica im Narayana Verlag, 160 Seiten, 17x24cm, Flexcover
19,80 Euro
ISBN 978-3-96257-035-4

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *