Semester für Ältere: Uni Erlangen

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, gehört zu den Traditions-Hochschulen in Deutschland. Rund 33.500 Studenten besuchen die Uni heute. Dazu zählen auch etwa 350 ältere Gasthörer. „Nach dem Alter unterscheiden wir eigentlich nicht“, erklärt Dr. Wolfgang Henning, Leiter der Abteilung Lehre & Studium. „Entweder schreibt man sich als Gasthörer ein, oder man absolviert ein regelrechtes Vollstudium.“

Viele Ältere möchten sich aber einfach ihren langgehegten oder auch lange unterdrückten Interessen widmen. „Besonders beliebt sind die kulturwissenschaftlichen Studiengänge, Kunstgeschichte, Geschichte, Buchwissenschaften, Sprachen oder auch Archäologie.“ In einem besonderen Vorlesungsverzeichnis hat die Uni diejenigen Lehrveranstaltungen zusammengefasst, die für ein Seniorenstudium als besonders geeignet eingeschätzt werden.

Uni Erlangen verbindet Tradition und Moderne.

Wer unsicher ist, was er auswählen soll oder welcher Studiengang das richtige für ihn ist, kann sich mit diesen und allen weiteren Fragen an das Informations- und Beratungszentrum für Studiengestaltung & Career Service, kurz IBZ, wenden. Für kurze Informationen steht die Offene Sprechstunde* des IBZ zur Verfügung. Wer allerdings eine ausführliches Gespräch benötigt, sollte vorher telefonisch* einen Termin vereinbaren.

Gasthörer

Wer sich als Gasthörer in Erlangen einträgt, muss in der Regel einen mittleren Schulabschluss nachweisen. Bei der Immatrikulation als Gasthörer muss er dann die Lehrveranstaltungen angeben, die er besuchen möchte. Einschränkungen gibt es nur bei Seminaren zulassungsbeschränkter Studiengänge. Laborplätze wie etwa in den Naturwissenschaften oder Computerarbeitsplätze sind den regulären Studierenden vorbehalten. Ganz ausgeschlossen sind lediglich die Lehrveranstaltungen der Medizin und Zahnmedizin, soweit diese nicht ausdrücklich dem Studium Generale oder dem Seniorenstudium zugeordnet sind. „Auch sicherheitsrelevante Veranstaltungen sind nicht für Gasthörer zugelassen“, so Henning. „Wo die Verletzungsgefahr größer ist, haben wir schon allein aus rechtlichen Gesichtspunkten die Gasthörer ausgeschlossen. Die sollen nur ‚harmlose’ und ‚unblutige’ Seminare besuchen.“ Eng kann es außerdem bei teilnehmerbegrenzten Lehrveranstaltungen geben. „Da sind die Plätze natürlich auch vorrangig den regulär Studierenden vorbehalten.“

Für eine Gasthörerschaft müssen sich die Interessierten jedes Semester neu immatrikulieren, wenn sie möchten. Es handelt sich nicht um ein durchgängiges Studium, sondern um ein interessengesteuertes Selektieren nach den persönlichen Bedürfnissen. Denn Prüfungen werden innerhalb des Gasthörer-Studiums nicht abgelegt.

Die Gebühr beträgt pro Semester bei bis zu vier Semester-Wochenstunden 100 Euro, bei fünf bis acht 200 Euro und bei mehr als acht Semester-Wochenstunden 300 Euro.

Vollstudium

„Grundsätzlich können auch Senioren bei uns ein Vollstudium absolvieren“, erläutert Wolfgang Henning. „Aber diese Möglichkeit wird doch relativ wenig genutzt. Da haben wir schon eher ältere Studierende, die gerne noch ihren Master machen oder promovieren möchten. Da haben wir momentan bestimmt zwischen 20 und 30 Promovierende.“ Hierzu muss man nicht neu mit dem Studium beginnen. Es reicht, wenn man einen Abschluss in dem entsprechenden Gebiet vorlegen kann. Allerdings kann die Uni eine Vorprüfung verlangen. Henning: „Wenn jemand zum Beispiel ein Fachhochschul-Diplom vorlegt und sich zum Masterstudiengang anmelden möchte. Ähnlich ist es auch bei Anmeldungen für Musik, Kunst oder Sport-Studiengänge. Dort müssen die Bewerber eine Eignungsprüfung ablegen.“

Entspanntes Miteinander im Schlossgarten

Aber um in Bayern ein Studium zu beginnen, braucht man nicht grundsätzlich das Abitur, sondern kann auch studieren, wenn man eine abgeschlossene Berufsausbildung und mindestens drei Jahre Berufserfahrung nachweisen kann. Es gibt auch keine Sonderprüfungen, wenn das Abitur schon länger her ist. „Das Abitur hat doch kein Verfallsdatum“, lacht Dr. Henning. „Das ist kein Problem. Was schon einmal zum Problem wird für Dozenten, sind die Zeitzeugen. Da kann es dann schon einmal Diskussionen geben, wenn Erinnerung gegen wissenschaftliche Forschung antritt.“

Doch eine wichtige Zulassungsbeschränkung gibt es doch: für alle Numerus-Clausus-Fächer gilt die Altersgrenze 55. Und wer schon früher ein Studium abgeschlossen hat, fällt unter die Zweitstudienbewerber, was bedeutet, dass diejenigen Vorrang haben, die noch keinen Studienabschluss gemacht haben.

Generell haben hier die älteren Studenten die gleichen Leistungsnachweise wie junge Studierende zu erbringen. Auch die Studiengebühr ist gleich: sie beträgt 500 Euro pro Semester.

Ruth Hoffmann (Text)

Universität Erlangen-Nürnberg (Photos)
Illustration ‚Einstein‘: © s.gatterwe – Fotolia

Informationen: www.uni-erlangen.de

* IBZ Erlangen, Schlossplatz 3/Halbmondstraße 6, Zimmer 0.021, Offene Sprechstunde montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr

* Telefonische Terminabsprache unter 09131 / 85-23 333 oder -24 444

E-Mail: ibz@zuv.uni-erlangen.de

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