Der Lostag mit der magischen 7

Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Beginn der Passio septem dormientium (Sieben Schläfer von Ephesos); aus dem Weißenauer Passionale
(Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.)

Wir alle kennen seit Kindertage die Geschichte vom Siebenschläfer-Tag. Voll Aufregung standen wir morgens auf und lugten vorsichtig zum Himmel. Sonne oder Regen? Dieser Tag entschied, wie das Wetter der nächsten sieben Wochen sein würde. – Was steckt dahinter?

Zunächst einmal: wer heute zum Himmel schaut und dann das Wetter der nächsten sieben Wochen prognostiziert, liegt auf jeden Fall vollkommen falsch. Der wahre Siebenschläfer-Tag ist nicht der 27. Juni. Denn die Bauernregel geht zurück auf die Zeit vor der Umstellung auf den gregorianischen Kalender, der 1587 von Papst Gregor VIII. eingeführt wurde. Er korrigierte einen Fehler des Julianischen Kalenders, der im 16. Jahrhundert schon zehn Tage ’nachging‘.

Heute würde der ‚entscheidende‘ Tag theoretisch also auf den 7. Juli fallen. Davon einmal abgesehen stellen sich aber gleich mehrere Fragen: Woher kommt dieser merkwürdige Name? Warum wurde dieser Tag überhaupt auf den 27. Juni gelegt? Und was hat das Ganze denn mit dem Wetter zu tun?

Dieses Werk ist nach den  Wikimedia Commons Richtlinien gemeinfrei.
Dieses Werk ist nach den Wikimedia Commons Richtlinien gemeinfrei.

Benannt wurde dieser Tag nicht nach dem possierlichen Siebenschläfer. Der ist ein nachtaktives Nagetier, das seinen Winterschlaf lange ausdehnt. Es schläft sogar über die vermeintlichen sieben Monate hinaus oft von September bis Mai.
Der Name bezieht sich vielmehr auf eine christliche Legende, der Geschichte von den ‚Sieben Schläfern‘. Unter dem römischen Kaiser Decius im 3. Jahrhundert wurden die Christen verfolgt, unter ihnen sieben Brüder. Sie flohen und versteckten sich in einer Höhle bei Ephesus, in der heutigen Türkei. Dort wurden sie entdeckt und eingemauert. Nach rund 200 Jahren erwachten sie aus ihrem Schlaf und bezeugten ihren Glauben. Der Legende nach war das am 27. Juni.
Die Geschichte der Sieben wird in vielen Varianten überliefert und findet sich auch im Koran. Und in der deutschen Literatur wird die Sage von den Brüdern Grimm und sogar von Goethe in seinem West-östlichen Divan erzählt.

Aber was hat das alles zu tun mit Bauernregeln wie ‚Ist der Siebenschläfer nass, regnet es ohn‘ Unterlass‘ oder ‚Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s ganze sieben Wochen‘?

Das Wetter spielt eine große Rolle in der Landwirtschaft. Wenn ein Bauer entscheiden muss, ob er zum Beispiel Heu ernten oder Feldfrüchte aussäen soll, wäre eine Voraussage eine große Hilfe. Da es jedoch kaum zuverlässige Vorzeichen in unseren Breiten gibt, entstanden viele ‚Bauernregeln‘, die mehr oder weniger auf Erfahrung beruhten, manchmal auch auf Aberglauben.

Der fränkische Abt Mauritius Knauer zum Beispiel wertete im 17. Jahrhundert mehrjährige Aufzeichnungen aus und glaubte, einen Sieben-Jahre-Zyklus beim Wetter festzustellen. Aus seinem ersten Kalender entwickelte sich der noch heute erhältliche ‚Hundertjährige Kalender‘.

Etliche Bauernregeln beziehen sich auf sogenannte ‚Lostage‘, an denen nach diesen alten Regeln Wettervorhersagen gemacht werden konnten. Neben dem Siebenschläfer-Tag zählen zum Beispiel Mariä Lichtmess am 2. Februar und die Eisheiligen im Mai dazu.

Siebenschlaefer - 2 von 3
Beginn der Passio septem dormientium (Sieben Schläfer von Ephesos); aus dem Weißenauer Passionale
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Tatsächlich kommt es um die Daten der Lostage herum oft zu meteorologischen Ausnahme-Bedingungen. Solche sogenannten Singularitäten weichen dann von einem durchgängigen Verlauf ab und fallen in ein Extrem. Wir kennen zum Beispiel alle die Begriffe ‚Schafskälte‘, einen Temperatursturz im Frühsommer,  oder den ‚Altweibersommer‘, eine besonders warme Phase im Herbst.
Tatsächlich, so die Meteorologen, kommt es bei uns gegen Ende Juni oft zu einer stabilen Periode, die entweder relativ kühl und feucht oder aber warm und trocken wird. Welche von beiden, hängt vor allem davon ab, welchen Weg der sogenannte Jetstream nimmt, eine Luftströmung in der oberen Atmosphäre. Dessen Lage ist nämlich entscheidend dafür, ob sich das Island-Tief mit seiner feucht-kühlen Luft bis zu uns ausbreitet oder das Azoren-Hoch sich warm und trocken durchsetzt.

Die Statistik der exakten Meteorologen hat immerhin ergeben, dass die alte Bauernregel vom Siebenschläfer in deutlich mehr als der Hälfte der Jahre richtig lag – was man beileibe nicht von vielen Bauernregeln sagen kann.

Text: Ruth Hoffmann

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