Fünf Welten hinter
flämischen Gardinen

62 Meter hoch ist der an gestapelte Container erinnernde Museumsturm, den das niederländische Architekturbüro Riedijk-Architects im Rahmen eines 1999 ausgelobten internationalen Wettbewerbs entworfen hat. 2011 war die Eröffnung. Die Sammlungen von insgesamt fünf Museen sind hier übereinander geschichtet.

Der Museumsturm liegt unmittelbar am Hafen / Photo: AK

Erste Überraschung bei der Anfahrt: Der Turm liegt mitten in einer Marina in der Innenstadt. Dieser Hafenkontext wird bei den meisten Architekturfotos gar nicht deutlich. Die Stadt hat sich rund um das Museum herausgeputzt: Nette Promenaden am Kai mit unterschiedlichsten Gastronomieangeboten ziehen die Besucher in die Stadt, die dahinter eher ’normal‘ wird. Und damit wird deutlich, was das Museum für die Stadt leisten sollte: Wie das Guggenheim-Museum in Bilbao soll es ein wenig Strukturwandel in die Hafenstadt bringen. Das scheint zumindest für das einst heruntergekommene Innenhafenareal ‚Eilandje‘ gelungen zu sein.

Blick durch Glaswellen auf Wasser und Altstadt / Photo: AK

Zweite Überraschung: die innere Architektur des Gebäudes. Der mit rotem indischen Sandstein verkleidete Turm zeigt zu jeder seiner vier Seiten zwei Fensterbänder. Die Assoziation: Es gibt zwei hallenartige Stockwerke und ein Dachgeschoss. Dass sich aber insgesamt 10 Ebenen in dem Gebäude verbergen, entdeckt der Besucher erst beim Betreten. Er schraubt sich über Rolltreppen an den Gebäudeaußenwänden hoch und erreicht jedes Mal eine Erschließungsfläche, die über bodentiefes Wellenglas – die Architekten sprechen von ‚Gardinen – immer andere Blickwinkel auf Stadt und Hafenanlagen ermöglicht.

Maritime Historie: Altes Feuerschiff West-Hinder / Photo: AK

Jede Wand passiert man zweimal, so ergeben sich acht Ebenen plus Ebene 0 und Dachterrasse. Die Ecken der Stockwerksebenen sind jeweils gläsern. Der Besuch dieses Treppenboulevards kostet übrigens nichts. Hier wird derzeit ‚Sport‘ thematisiert u.a. in so großformatiger Fotografie, das sie auch außen zu sehen ist. Antwerpen ist 2013 Europäische Sporthauptstadt.

Innen: Das MAS vereint die Sammlungen unter anderem des Ethnografischen Museums, des Völkerkunde- und des Nationalen Schifffahrtsmuseums mit Dauerausstellungen auf fünf Ebenen. ‚Lernen Sie Antwerpen in der Welt kennen und die Welt in Antwerpen‘, so das Motto des Museums. 470.000 Objekte werden auf den angenehm wenig verschachtelten, übersichtlichen Ebenen präsentiert. Eine Ebene ist für Wechselausstellungen reserviert, auf Ebene zwei kann man Blicke ins Schaudepot werfen. Jedes Stockwerk ist eine nicht zu anstrengende Portion Museum. Übrigens hat der Hauskomponist Eric Sleichim für jede Ebene eine eigene Klangskulptur komponiert.

Text: AK

Informationen: www.mas.be

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