27. Mai 2011
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Angst-Faktor EHEC-Bazillus

52go: Was ist der EHEC-Bazillus?

Dr. Vesper: EHEC-Erreger sind Bakterien, die bestimmte Gifte bilden können. Diese Gifte können schwere Erkrankungen des Darmes bis hin zu blutenden Darmentzündungen hervorrufen. In der Folge kann dies auch zum Zerfall der Blutzellen führen und zu Nierenversagen – dem sogenannten hämorrhagisch-urämischen Syndrom, kurz HUS. Es gibt eine Vielzahl von Gift bildenden Escherichia-Coli-Stämmen, zu denen der EHEC-Bazillus zählt. Aber nicht alle sind für den Menschen krankheitserregend oder gar gefährlich.

52go: Wie infiziert man sich?

Dr. Vesper: Es handelt sich immer um die orale Aufnahme von mit EHEC kontaminierten Lebensmitteln oder Wasser. Allerdings kann man sich auch infizieren, wenn man die Finger in den Mund steckt, an dem die Erreger sind. Und auch Übertragungen von Mensch zu Mensch finden statt. Kinder unter drei Jahren sind besonders infektionsgefährdet, vor allem wenn sie Kontakt zu einem Wiederkäuer – Kuh, Schaf, Ziege, haben. Weitere Risikofaktoren sind der Konsum von Rohmilchprodukten und rohem Gemüse und Obst. Außerdem wird der Verzehr von Lammfleisch oder Rohwürsten für besonders gefährdend gehalten. Vorsicht ist überdies bei der Pflege von durchfallerkrankten Familienangehörigen zu achten.

52go: Wie kann ich mich schützen?

Dr. Vesper: Kurzgefasst: Vermeiden von Tierkontakten, Handhygiene, sicherer Umgang mit Lebensmitteln inklusive Händewaschen und Händedesinfektion, Lagerung der Lebensmittel im Kühlschrank, Fleisch gut durchgaren (mindestens 70 Grad für 10 Minuten). Fleisch auf keinen Fall gleichzeitig mit anderen Lebensmitteln unter Verwendung derselben Arbeitsgeräte und Arbeitsflächen zubereiten, Rohmilch und Rohmilchkäse meiden. In den USA war Rinderhackfleisch das am häufigsten kontaminierte Lebensmittel, aber auch pasteurisierter Apfelsaft und rohes Blattgemüse (Spinat, Sprossen) waren für Ausbrüche verantwortlich. Wiederkäuer, eben Rinder, Schafe und Ziegen, gelten als wichtiges Reservoir und Hauptinfektionsquelle für EHEC beim Menschen.

Doch der sicherste Schutz ist immer noch die Desinfektion von Handkontaktflächen wie zum Beispiel Sanitärobjekten, Türklinken und Küchenarbeitsplatten. Wo dies nicht möglich ist, sollten immer die Hände gründlich gewaschen werden. Allein über Geldscheine und Münzen werden viele Infektionskeime und Bazillen weitergeben. Sie wandern eben von Hand zu Hand.

52go: Hilft eine Impfung oder die prophylaktische Einnahme von Medikamenten?

Dr. Vesper: Eine Impfung gegen EHEC-Bakterien gibt es nicht. Und Medikamente sollten nur im Krankheitsfall und nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Eine Therapie ist nur symptomatisch möglich mit Flüssigkeitsersatz und Medikamenten gegen Schmerzen und Übelkeit. Bei Nierenversagen ist eine Dialyse-Behandlung notwendig.

52go: Was sind die ersten Anzeichen:

Dr. Vesper: EHEC-Infektionen können sehr leicht, nahezu unbemerkt verlaufen. Wässriger Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, seltener Fieber können auf eine EHEC-Infektion hinweisen. Bei etwa zwanzig Prozent kommt es zusätzlich zu blutigem Durchfall und Fieber. Bei Kleinkindern, alten oder immungeschwächten Menschen kann es zu einer hämolytischer Anämie führen. Das ist eine Blutarmut aufgrund des Zerfalls der roten Blutkörperchen. Durch den Zerfall der Blutzellen und einen Abfall der Thrombozyten, die für die Gerinnung sorgen, kann ein Nierenversagen eintreten. Der Fachmann spricht von einem hämolytisch-urämischen Syndrom kurz HUS. Die Sterblichkeitsrate von HUS im Akutfall liegt etwa bei zwei Prozent.

52go: Wann sollte der Arzt aufgesucht werden?

Dr. Vesper: Bei wässrigen Durchfällen in Verbindung mit Bauchschmerzen sollte man sofort zum Arzt gehen oder, wenn das nicht mehr geht, den Notdienst rufen. Auch außerhalb der Sprechstunden muss bei schwerem Krankheitsverlauf ärztliche Hilfe, zum Beispiel der KV-Notdienst, in Anspruch genommen werden. Man sollte dann nicht zögern und warten. Bei schwerem Krankheitsgefühl muss schnell Hilfe gesucht werden.

52go: Wie lange dauert es nach Infektion bis die Krankheit ausbricht?

Dr. Vesper: Die Inkubationszeit beträgt zwei bis zehn Tage, durchschnittlich drei bis vier Tage. HUS entwickelt sich etwas sieben Tage nach Beginn des Durchfalls. – Der normale Verlauf einer unkomplizierten EHEC-Erkrankung dauert in der Regel mehrere Tage. Die Infektionskette konnte bei Ausbrüchen in Deutschland bisher nur selten aufgeklärt werden. Die Diagnostik erfolgt über eine Stuhlkultur, das heißt über das Anzüchten von EHEC aus infiziertem Stuhl und der anschließende Nachweis von typischen Toxinen, Giften.
Für die Erkrankung, beziehungsweise bereits für den Verdacht besteht namentliche Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz.

Das Interview führte Ruth Hoffmann

repor-tal (Foto)

Dr. med. Johannes Vesper ist Facharzt für Innere Medizin in Wuppertal

Informationen: www.dr-vesper.de

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