Banken, Bembel
und Berühmte (1)

Die Frankfurter nennen ihren Stadtteil Westend gerne ‚Mainhattan‘ – mit ebenso viel Stolz wie Selbstironie. Denn kaum eine andere deutsche Stadt ist so sehr geprägt von dem Gegensatz zwischen Hochfinanz und bodenständiger Arbeiterklasse wie Frankfurt am Main. Banken und internationaler Handel haben ihr eine ausgezeichnete Infrastruktur beschert und ein herausragendes Kulturangebot.

Am Römerberg, Frankfurt, © repor-tal
Am liebsten trinkt der Frankfurter sein ‚Stöffche‘ in Geselligkeit.

Nicht zuletzt einer von Deutschlands wichtigsten Langstrecken-Flughäfen bringt einen kontinuierlichen Strom von internationalem Publikum in die Stadt, die in der zivilisierten Welt außer mit Banken vor allem mit zweierlei assoziiert wird: Goethe und Würstchen. In Deutschland hat das Fernsehen vor allem den Apfelwein bekannt gemacht. Den die Frankfurter liebevoll als ‚Stöffche‘ bezeichnen und zünftig aus ‚Bembeln’* in ‚Geribbde’* ausschenken.

Am Römerberg Frankfurt © repor-tal
Rund um den Römerberg fanden die Krönungszeremonien im Mittelalter statt.

Dabei haben wir es hier doch mit einer ehrwürdigen Freien Reichsstadt zu tun, in der sich nicht nur schon vor Jahrhunderten mehrere Handelswege kreuzten, sondern in der die Kurfürsten des ‚Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation‘ auch mit großem Bahnhof aus allen Himmelsrichtungen zusammenkamen, um ihren König und Kaiser zu küren.

Schauplatz dieser pompösen Staatsakte des Mittelalters und der frühen Neuzeit war der Römerberg, das historische Zentrum der Stadt. Die feierlichen Zeremonien der Kur und der Krönung fanden statt im Kaiserdom Sankt Bartholomäus.

St. Bartholomäus-Dom, Frankfurt, © repor-tal
St. Bartholomäus – Schauplatz der Kaiserkrönungen

Kaiser-Dom

St. Bartholomäus in seiner heutigen Form entstand zwischen 1250 und 1514, der Westturm wurde sogar erst im 19. Jahrhundert nach den Plänen des Mittelalters vollendet. Diese Pläne sind bis heute erhalten. Der Dom ist der größte Sakralbau Frankfurts.
Vor dem heutigen Gebäude gab es aber bereits drei Kirchenbauten an derselben Stelle. Die erste Kirche stand hier vermutlich schon im 7. Jahrhundert.
Seine heutige Form als Zentralbau erhielt der Dom durch seine ungünstige Lage. Wegen des begrenzten Platzes waren die Baumeister des Mittelalters gezwungen, das wohl längste Querschiff und das kürzeste Langschiff des Mittelalters zu konstruieren. Der Westturm konnte erst gebaut werden, als das Rathaus in die Bürgerhäuser ‚Haus zum Römer‘ und ‚Goldener Schwan‘ verlegt wurde. Auch die Steilkuppel der Turmspitze ist für die mittelalterliche Baukunst ungewöhnlich.
Noch heute liegt der Dom eingeengt zwischen anderen Gebäuden, zum Beispiel unmittelbar neben der Schirn, einer der bekannten Kunsthallen Europas.

Die Schirn, Am Römerberg, Bartholomäus-Dom, Frankfurt © repor-tal
Die Schirn liegt zwischen Römerberg und Dom.

Schirn

Die Kunsthalle verdankt ihren Namen der Tatsache, dass an ihrer Stelle bis zu den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs 1944 die Marktstände der Frankfurter Metzgerzunft dicht aneinanderdrängten. Denn ‚Schirn‘ bezeichnet in der lokalen Mundart einen Marktstand. Der Urahn dieses Wortes lautet althochdeutsch ’scranna‘ und bedeutet ‚Tisch‘ oder – sehr passend für Frankfurt nach wie vor: ‚Bank‘.

'Haus zum Römer' Frankfurt © repor-tal
‚Haus zum Römer‘

Römer

Der ‚Römer‘ ist seit Anfang des 15. Jahrhunderts das Rathaus von Frankfurt. Vorher tagte der Rat der Stadt in der Nähe des Doms. Doch der Amtssitz war zu klein geworden, also zogen die Honoratioren ein Stückchen weiter. Hier kauften sie zwei Bürgerhäuser, das ‚Haus zum Römer‘ und den ‚Goldenen Schwan‘. Durch Umbauten wurden die beiden Häuser miteinander verbunden.
Das ehemalige ‚Haus zum Römer‘ ist das mittlere des dreigliedrigen Ensembles, das den meisten Besuchern als ‚Römer‘ bekannt ist. Im Lauf der folgenden Jahrhunderte dehnte sich der Komplex aber auf insgesamt elf Häuser aus, die alle ebenfalls miteinander verbunden wurden.

Seufzerbrücke Frankfurt © repor-tal
Wer über diese Brücke musste, seufzte oft schwer.

Eine einzige äußere Verbindung gibt es. Das ist die sogenannte Seufzerbrücke, die Nord- und Südbauten über die Bethmannstraße verbindet. Weil die Frankfurter im Nordbau ihre Steuern zu zahlen hatten, gaben sie der Brücke den Namen in Anlehnung an das venezianische Original.
Mit den Spitznamen geizen die Frankfurter nicht. Auch die beiden Türme des Südbaus haben ihre eigenen Namen: der ‚Lange Franz‘ nach dem Oberbürgermeister Franz Adickes (14. Oktober 1890 bis 1. Oktober 1912) und der ‚Kleine Cohn‘ nach einem Schlager der Zeit.
Sieben dieser eigenständigen Bauten sind bis heute erhalten. Vier Fachwerkbauten wurden aber während des zweiten Weltkrieges zerstört und in den 1950er Jahren durch historisierende Neubauten ersetzt, die von kritischen Zungen als ‚Disneyland‘ verspottet werden. Wie dem auch sei: Der Römer zählt zu den Orten der meisten deutschen Königswahlen und –krönungen. Damit ist er eines der bedeutendsten historischen Gebäuden Deutschlands.

Justitia-Brunnen

Ein Wahrzeichen von Frankfurt ist der Gerechtigkeitsbrunnen. Er wurde 1611 erbaut, heute ist er aber eine Kopie aus dem 19. Jahrhundert. Aber bereits im 16. Jahrhundert stand ein Brunnen an selber Stelle.
Schon dieser erste Brunnen spielt eine Rolle bei der Krönungsfeier von Kaiser Maximilian II. (1562).  Da diente er nämlich als Weinquelle. Nach einer feierlichen Zeremonie bei der der frisch gekrönte Kaiser einen Becher Wein erhielt, durfte das Volk den Brunnen ‚zapfen‘, was oft zu großem Gedränge führte. Dieser Brauch wurde bei den folgenden Kaiserkrönungen beibehalten.

St. Nikolai-Kirche Am Römerberg Frankfurt © repor-tal
Die St. Nikolai-Kirche ist fester Bestandteil des Römerbergs.

St. Nikolai-Kirche

Zum historischen Ensemble rund um den Römerberg gehört die spätgotische Kirche St. Nikolai. Ihren Namen hat sie vom Heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Fischer; denn sie liegt in unmittelbarer Nähe des Mains. Schon im 12. Jahrhundert stand sie an dieser Stelle. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie aber im 15. Jahrhundert.

 

Paulskirche Frankfurt © repor-tal
Ort großer Festakte: die Paulskirche

Paulskirche

Neben dem historischen Ort zahlreicher Königs- und Kaiserwahlen hat Frankfurt am Main aber auch einen Ort zu bieten, der als Denkmal der demokratischen Tradition auf deutschem Boden gelten darf: die Paulskirche. In dem geräumigen, schlichten Saalbau im protestantischen Stil traten nach der März-Revolution des Jahres 1848 die Deputierten des Reiches zur ersten, verfassunggebenden Nationalversammlung zusammen.
Der historische Bau existiert allerdings nicht mehr. Auch die Paulskirche wurde in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges zerstört. Kurz zuvor fand hier der letzte Gottesdienst statt. Denn nach dem Wiederaufbau, der 1947 begonnen wurde, ist der Bau keine Kirche mehr, sondern ein reiner Versammlungsort. Bis heute finden hier große kulturelle und Staatsakte statt.

Text: Ruth Hoffmann

Photos: © repor-tal

* Ein ‚Bembel‘ ist ein Steingutkrug und das ‚Geribbde‘ ist ein Glas mit in Rauten geriffelter Oberfläche.

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