Viele Tänzer – ein Körper!

Ailey II’s Khalia Campbell, Kyle H. Martin, Photo Kyle Froman

Die Nachwuchs-Stars der Alvin Ailey Company haben in Neuss wieder eine überzeugende Leistung ihres Könnens auf die Bühne gebracht. Die jungen Tänzer gehören zu den Besten in New York und den USA.

Sind schon die Bilder ihrer außergewöhnlichen Bewegungen sehenswert, geht auf der Bühne eine Explosion ihrer tänzerischen Leistungen ab. Kraft und Dynamik gehören ebenso zu ihrem Spektrum wie Eleganz und Harmonie: die Tänzer bewegen sich in der Gruppe wie ein Körper. Die Synchronisation ist im Ensemble ebenso perfekt wie in Pas-de-deux.

Unterstrichen werden die Choreographien, die Ailey II mit nach Deutschland gebracht hat, durch die Zusammenstellung dynamischer, meist perkussiver Klänge. Voller Energie beginnt die Show mit Road To One, einer Choreographie von Darrel Grand Moultrie. Motive und Themen berühren die Weitergabe von Erfahrungen an die nachfolgende Generation, aber auch den Weg zu sich selbst, den jeder Mensch durchlaufen muss: eine choreographische und tänzerische Meisterleistung.

Wer sind wir? Und wie bleiben wir wir selbst? Dieses Fragen könnten hinter Juel D. Lanes Touch & Agree stehen. Homosexualität ist etwas Natürliches, Liebe ein Grundbedürfnis. Aber wie weit dürfen wir in unserer Anpassung an das geliebte Wesen gehen? Wo sollen und müssen wir unsere Grenzen setzen? Lane bringt hier sicherlich eigene Erfahrungen in die Choreographie ein.

Ailey II in Juel D. Lanes Touch & Agree, Photo Kyle Froman

Die musikalische Vielfalt und tänzerische Ausdruckskraft reicht von Bildern der musikalisch-harmonischen Ausdrucksweise der 1950er Jahre bis hin zur afrikanischen Hip-Hop-Szene. Der Betrachter wird auf eine lustvolle Reise in ganz persönliche Tiefen mitgenommen.

Breaking Point: rituell, archaisch. Renee I. McDonald bringt in ihrer Choreographie Tänzer – und mit ihnen das Publikum – an ihre Grenzen. Denn es geht der Jamaikanerin um den Wunsch unserer Herzen, wie der auch immer sei, ob Freundschaft oder Liebe oder Sehnsucht. Intensive Gefühle können uns an unsere ganz persönlichen Grenzen bringen, an den Punkt an dem Willensstärke in Wahnsinn umschlägt.
Wie sehr McDonald dabei die Gefühle des Publikums anspricht, schlägt sich im frenetischen Applaus des Publikums nieder, das durch Musik und Tanz emotional aufgepeitscht ist.

Der Auftritt von Ailey II in Neuss bei den Internationalen Tanzwochen war ein absoluter Erfolg. Wer ihn verpasst hat oder ihn ein zweites Mal genießen möchte, hat die Möglichkeit am 19. Januar 2019 in Leverkusen.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © repor-tal

Informationen: www.tanzwochen.de, www.forum-leverkusen.de

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