„Das können Sie ja lesen!“

LesebrilleSind Sie Brillenträger oder haben Kontaktlinsen? Dann gehen Sie vermutlich regelmäßig zum Augenarzt. Zumindest sollten Sie das. Aber ob dort tatsächlich immer die richtige, verantwortungsvolle Diagnose gestellt wird, erscheint leider allzu oft fraglich. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Erstberatung in Augenarztpraxen überprüft und ist zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen: nur zwei von 30 Augenärzten sind ’sehr gut‘.

Wer seine Augen regelmäßig testen lässt und den Augenarzt auch schon wechseln musste, kennt das ‚übliche Schnellverfahren‘. Es geht ruckzuck: „Sehen Sie so besser? – oder so? Nicht? Schon fertig.“ So schnell kann man als Patient kaum beurtelen, ob etwas eventuell verschwommener zu entziffern war oder aber nicht. Ohnehin wenden gute Optiker für diese Tests mehr Zeit und Sorgfalt auf.

Der Augenarzt sollte sich mehr Zeit für die medizinische Untersuchung nehmen, die leider oft zu kurz kommt, wie zum Beispiel die Augenhintergrund-Untersuchung, die Sichtfeld-Analyse oder auch den Glaukom-Test.

Die Verbraucherzentrale Hamburg kam zu dem Schluss: Beim Erstkontakt mit Anamnese, Untersuchung, Diagnose sowie Beratung zur weiteren Behandlung schneiden Augenärzte mit der Durchschnittsnote 3,5 nur mittelmäßig ab. Bei einem Check von 30 Augenarztpraxen gab es insgesamt nur zweimal die Note ‘sehr gut’, viermal ein ‘gut’, elfmal ein ‘befriedigend’, viermal die Note ‘ausreichend’ und neunmal ein ‘mangelhaft’.

Für die Überprüfung suchte eine Patientin wegen tränender Augen und Kopfschmerzen direkt hinter den Augäpfeln zufällig ausgewählte Hamburger Fachärzte für Augenheilkunde auf. Zwölf der 30 konsultierten Mediziner ignorierten die Kopfschmerzen der Patientin, obwohl sie die Hauptbeschwerde und der Grund ihres Besuchs waren. Lediglich drei Augenärzte machten eine gezielte Anamnese in Bezug auf die Kopfschmerzen, die weichenstellend für den weiteren Verlauf der Behandlung war.

Die gesamte Erstberatung war nur bei zwei Medizinern sehr gut. Die beiden Ärzte nahmen die Krankengeschichte der Patientin gewissenhaft auf, machten eine sehr gute Anamnese, stellten schnell die richtige Diagnose und kommunizierten dabei verständlich und einfühlsam.

„Es ist also durchaus möglich, als Augenarzt nach den offiziellen Leitlinien zu handeln und die Beschwerden der Patienten ernst zu nehmen“, sagt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg. Immerhin neun der 30 besuchten Augenärzte und damit fast ein Drittel bestanden den Praxis-Check nicht; sie fielen mit ‘mangelhaft’ durch.

Die schlechten Gesamtnoten vieler Augenärzte ergaben sich vor allem durch eine mangelhafte Aufklärung und Beratung der Patientin. Insbesondere die Ungeduld mancher Ärzte wurde als sehr negativ empfunden. Viele Mediziner wirkten gestresst, untersuchten hektisch und stellten beispielsweise beim Sehtest Suggestivfragen wie “Das können Sie ja lesen” statt “Können Sie das lesen?”.

Die ausführlichen Ergebnisse der Untersuchung sowie Erläuterungen zum Kriterienkatalog des Augenarzt-Checks sind auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlicht.

Text: repor-tal

Photos: © repor-tal

Informationen: www.vzhh.de

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