„Das also war das Leben?“

Hedwig Dohm: eine Frau, die selbst in der heutigen Zeit kaum noch bekannt ist, der wir Frauen aber vieles verdanken, zum Beispiel das Frauenwahlrecht in Deutschland. Vor 150 Jahren, viel eher als die britischen und amerikanischen Suffragetten, forderte Dohm die Gleichberechtigung. Isabel Rohner nimmt uns mit auf eine Spurensuche nach dem Leben dieser außergewöhnlichen Frau.

Isabel Rohner gehört wohl zu den wenigen Expertinnen für das Leben und Werk Hedwig Dohms. Mit ihrem Buch Spuren ins Jetzt. Hedwig Dohm – eine Biografie hat sie sich auf die Fahne geschrieben, dem Leben und Wirken der Schriftstellerin und Publizistin akribisch nachzugehen. Wichtigste Voraussetzung dazu ist für sie, Hedwig Dohms Biographie nicht mit dem Erleben der Protagonistinnen in deren Romanen gleichzusetzen. Dies beginnt schon mit dem Geburtsdatum, das  allgemein oft auf das Jahr 1833 datiert wird. Warum? Ganz einfach: ein Recherche-Fehler anderer Autoren, die über Dohm geschrieben haben, und das Datum einer ihrer Romanfiguren als autobiographisch angesehen haben. Dieser Fauxpas passierte schon zu Dohms Lebzeiten, die ihn aber selbst offensichtlich, warum auch immer, nie korrigiert hat.

Hedwig Dohm wurde also 1831 in eine gutbürgerliche Berliner Familie hineingeboren. Doch im Gegensatz zu ihren Brüdern konnte und durfte das aufgeweckte Mädchen keine höhere Schule besuchen. Nur das Lehrerinnenseminar konnte sie ihren Eltern abtrotzen, das nach nur einem Jahr abgeschlossen war und damit das gesamte Wissen, das Mädchen zu der Zeit vermittelt wurde, für deren Unterricht vermittelte.

Als sie jedoch den zwölf Jahre älteren Ernst Dohm kennenlernt, führt sie der Redakteur des Satire-Magazins Kladderadatsch und Autor in eine andere Welt ein. Die Chance läßt Hedwig Dohm nicht ungenutzt verstreichen.

Isabel Rohner © Christian Kruppa

Rohner kritisiert andere Biographen, die von einer schlechten Ehe berichten. Auch diese Darstellung beruhe mehr auf den Romanfiguren Dohms. Und auch, dass Hedwig Dohm zufällig die Schwiegeroma von Thomas Mann war, bezeichnet nicht ihren Charakter oder ihre Intentionen. Im Gegenteil: ihr Schwiegerenkel hätte viel von ihr lernen können.

Es gibt nur sehr sehr wenig Zeugnisse wie Briefe oder Zeitzeugen-Nachweise, die das Leben der Dohms beschreiben. Vielleicht hat Hedwig Dohm viel Wert auf ihre Privatsphäre gelegt? Immerhin wurde sie in den 1860er Jahren, als sie erstmalig öffentlich die vollkommene Gleichberechtigung der Frau forderte, extrem angefeindet.
Isabel Rohner beschreitet mit ihrer Darstellung anderes Terrain. Um der Person Hedwig Dohm näher zu kommen, verfolgt sie auch den Lebensweg Ernst Dohms und den der vier Dohm-Töchter. Rohner besucht Lebensstationen und verfolgt die Wege ihres Studienobjektes aus ganz persönlicher Sicht. Diese Vorgehensweise erschließt einen neuen und authentischeren Blickwinkel auf das Leben von Hedwig Dohm.

Wer mehr über das Leben der Frau, die sich für unsere Gleichberechtigung bedingungslos eingesetzt hat, erfahren möchte, kommt an dem Buch Rohners nicht vorbei.

Hedwig Dohm starb am 1.Juni 1919. Ihre letzten Worte sollen gewesen sein: „Das war also das Leben?“

Text: Ruth Hoffmann

Cover mit freundlicher Genehmigung vom Ulrike Helmer Verlag

Informationen: www.ulrike-helmer-verlag.de

Isabel Rohner: Spuren ins Jetzt. Hedwig Dohm – eine Biografie
u. Helmer Verlag, 160 Seiten, Paperback
20 Euro
ISBN 978-3-89741-299-6

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *