Macbeth minimalistisch und kariert

Der Todesstoß – mit dem Mikrophon-Ständer – einfach genial

Ein Lebensmittel eher trockenen Typs aus Nordeuropa hat in Portugal kulinarische Karriere gemacht: der Stockfisch. Jetzt ist es einer Tragödie Shakespeares ähnlich ergangen: Die Companhia do Chapitô aus Lissabon bringt ‚Macbeth‘ als Komödie, und das Publikum im Neusser ‚Globe‘ ist begeistert – obwohl nur ein Teil den Dialog auf Portugiesisch versteht.

Jorge Cruz, Durate Grilo und Tiago Viegas (v.l.n.r.) ziehen das Publikum als Hexen in ihren Bann.

Macbeth, das ’schottische‘ Drama Shakespeares, ist eine Tragödie voller Blut und Leichen. Ganz anders sehen das die Regisseure John Mowat und José Carlos Garcia. Drei Schauspieler und ein Minimum an Requisiten reichen aus, um das Publikum für fünf Viertelstunden zu faszinieren und immer neu zu amüsieren.

Durate Grilo, Jorge Cruz und Tiago Viegas bringen eine künstlerische Höchstleistung. Sie spielen alle Personen des Dramas. Aber keiner ist auf eine  festgelegt. Blitzschnell schlüpfen sie in eine andere Rolle, ohne die Bühne zu verlassen. Beispiel: Lady Macbeth (Viegas) und Macbeth (Grilo) streiten sich darum, wer König Duncan ermorden soll. Keine Einigung – also tauschen sie die Rollen; der Streit geht weiter, also kommt Cruz dazu: „Dann mache ich es.“ Die Verwirrung ist perfekt, das Publikum lacht sich schief.

Mal Frau, mal Mann – Rollenwechsel in Sekundenschnelle

Genial auch das Kostümdesign von Glória Mendes. Ein Schottenrock und ein karierter Schal können alles bedeuten: Den Schal über den Kopf gelegt, erkennt man gleich die Hexen, um den Hals gelegt, steht ein Kardinal vor uns. Dazu kommt der Klangeffekt, der den Monolog des Priesters in die hallige Atmosphäre einer Kathedrale versetzt. Und wenn der Schottenrock bis unter die Arme gezogen wird, erkennt man trotz haariger Männerbeine und Bärten sofort Lady Macbeth, die bezirzen will, oder Macduffs Frau. Alles auf einer nahezu leeren Bühne. Denn Requisiten würden dieses rasante Spiel nur behindern.

Mikrophonständer und eifache Tafelmesser als Waffen

Mikrophonständer können ausreichen, um alles darstellen: Pferde, Schwerter, eine Schaukel oder einen Dudelsack, sogar den Wald von Benham. Und das Mikrophon selbst: Warum nicht die Klangeffekte moderner Technik nutzen, um Stimmen zu verfremden und Geräusche zu vervielfältigen?

Die Ideen sind spritzig, Gags überraschend. Die Companhia do Chapitô tourt international mit diesem urkomischen Stück. Und wer doch vor einer portugiesischen Aufführung zurückschreckt, der sei getröstet, es gibt auch eine englische Version.

So wird ein Mikrophonständer zur Schaukel.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © Christoph Krey

Informationen: www.shakespeare-festival.de

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