Der Chef und
die Zimmerpflanze

Der Arbeitsplatz darf nicht in einen Dschungel verwandelt werden.
Der Arbeitsplatz darf nicht in einen Dschungel verwandelt werden. © repor-tal

Viel Zeit verbringen wir in unseren Büros und an unseren Arbeitsplätzen. Lebenszeit! Deshalb ist es nur verständlich, dass man sich das Umfeld dort so nett wie möglich schaffen möchte – einerseits! Aber nicht immer ist das so einfach, denn auch der Chef hat hier ein Wörtchen mitzureden – andererseits!
Was erlaubt ist und was eher nicht, erklärt auf fifty2go Dr. jur. Stephan Pauly, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Bonn.

Zunächst gilt generell: Der Chef darf den Mitarbeitern verbieten, Pflanzen auf die Schreibtische zu stellen.Es gibt keinen individuellen Rechtsanspruch darauf, private Gegenstände am Arbeitsplatz aufzustellen. Erlaubt der Arbeitgeber Pflanzen am Arbeitsplatz oder duldet er es jahrelang, gilt aber Folgendes:

Dr. Stephan Pauly
Dr. Stephan Pauly

Einen Cannabis-Baum wird man nicht aufstellen dürfen. Eine Regel ‚Kaktus geht immer – tropische Palme geht nimmer‘ gibt es auch nicht. Das ist individuell mit dem Arbeitgeber abzusprechen.
Eine Grenze ist dann zu ziehen, wenn die Einrichtung des Arbeitgebers geschädigt werden könnte. Also nicht zu schwere Töpfe auf dünne Regale stellen oder Töpfe, aus denen das Wasser auslaufen kann.

Sie dürfen ihr Büro auch nicht in einen Dschungel verwandeln. Muss der Chef zur Machete greifen, ist der Bogen bestimmt überspannt.

An Arbeitsplätzen, wo Maschinen laufen, zum Beispiel in der Fabrik, kann die Pflanze am Arbeitsplatz gegen Arbeitsschutzbestimmungen verstoßen. Ganz sicher gilt dies in allen sensiblen Bereichen der Medizin oder von Labors.

Es macht auch einen Unterschied, ob die Mitarbeiter in Einzelbüros oder in einem Großraumbüro arbeiten. Sicher wird der Arbeitgeber gegen Blümchen im ’stillen Kämmerlein‘ in der Regel nichts einzuwenden haben, wenn die oben genannten Regeln eingehalten werden. Teilt man das Zimmer mit Kollegen, muss zunächst Konsens untereinander geschaffen werden. Und in Großraumbüros entscheidet auch nicht eine Mehrheit, wenn ein Kollege etwa unter einer Allergie leidet. Der Chef hat eine Fürsorgepflicht für alle Mitarbeiter.
Eine Rolle spielt auch, ob Sie in den Räumen Kunden empfangen und daher die Firma repräsentieren. Hier darf das Gesamtbild, das ‚Corporate Design‘ des Unternehmens zum Beispiel nicht gestört werden. Da hat der Arbeitgeber das Recht zu sagen: „Ich wünsche ein einheitliches Erscheinungsbild“, und dann kann er die Vorgabe machen, dass es keine Blumen am Arbeitsplatz gibt.

Auch kleinere Topfpflanzen sind nicht immer zulässig.
Auch kleinere Topfpflanzen sind nicht immer zulässig.

Grundsätzlich haben Mitarbeiter in Einzelbüros ohne Kundenkontakt größere Gestaltungsspielräume als die, die in ihren Räumen Kunden empfangen müssen bzw. in Großraumbüros arbeiten. Aber auch dann gilt: Sie dürfen ihr Büro nicht in einen Dschungel verwandeln.

Fazit des Experten:

  1. Der Mitarbeiter hat keinen Anspruch darauf, eine Pflanze auf den Schreibtisch zu stellen.
  2. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber anderen Mitarbeitern kann ein Verbot rechtfertigen, zum Beispiel bei Allergien anderer Mitarbeiter im Großraumbüro. 
  3. Aus Arbeitsschutzgründen können Pflanzen am Arbeitsplatz verboten sein, zum Beispiel bei laufenden Maschinen.
  4. Der Arbeitgeber hat ein Hausrecht und einen Anspruch darauf, dass Büros, insbesondere dann, wenn sie betriebsfremden Dritten zugänglich gemacht werden, einheitlich aussehen.

Ein offenes Gespräch mit dem Arbeitgeber und gegenseitiges Verständnis führt aber meist zu einer Lösung, die allen Beteiligten entgegenkommt.

Informationen: www.paulypartner.de

Anschrift:
Sozietät Pauly & Partner
Kurt-Schumacher-Straße 16
53113 Bonn.
Telefon: 0228 / 62 09 010

Photo: © Dr. Stephan Pauly

 

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