Es kann noch nicht ‚App‘ sagen

Eine Schweizer Software-Firma hat eine App entwickelt, mit der Eltern ihre Kinder während des Aufenthaltes in der Kita beobachten können. ‚Nubana‘ dokumentiert sogar den Stuhlgang, heißt es in der ‚Neuen Zürcher Zeitung‘.

‚Nubana‘ wird nicht allein bleiben. Wie einfach ist es, den Kleinen ein Bändchen umzubinden, wie es sie für Hunde und Katzen längst gibt. Das Bändchen für Menschenkinder darf ruhig mehr Daten liefern als nur die GPS-Position: Puls, Blutdruck, Temperatur, Hautwiderstand, Umgebungsgeräusche… da ist vieles denkbar. Jedes Baby wird damit unwissend zur Überwachungskamera, die das Kind selbst und andere in der Nähe beobachtet. Wir werden nicht verwanzt, wir werden selbst zu Wanzen.

Für Helikopter-Eltern ist dieses Gerät natürlich eine große Entlastung; denn sie müssen nicht mehr ständig präsent sein, um das Wohl ihres Sprösslings zu bewachen. Ähnlich wie eine unbemannte Drohne ihre Beobachtungs- oder auch Kampf-Aufträge ferngesteuert übernimmt, muss auch dank der App am Baby kein Elternteil mehr an die Front. Helikopter-Eltern werden zu Drohnen-Eltern.

Bevor wir ‚App‘ sagen können, sind wir schon als Datensammler unterwegs – Daten über uns selbst eingeschlossen. Vom umgeschnallten Bändchen bis zum Implantat ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Der nächste kleine Schritt führt von der Überwachung durch die eigenen Eltern zur Überwachung durch den Staat oder jedes Unternehmen, das bereit und in der Lage ist, den Preis zu zahlen.

Wir Menschen werden Wanzenware.

Schorsch Bonks

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