Die Shakes-Biker

Das Globe in Neuss schien gerade noch so eben standzuhalten, als der frenetische Applaus für die Aufführung der HandleBards durch den Holzbau donnerte. Die vier Männer aus London hatten eine rasante Show von Shakespeares Twelfth Night auf die Bühne gebracht.

Unschlagbare Show: The HandleBards!

Ihr Markenzeichen: Bermudas, farbige Strümpfe und Hosenträger. Daran sind auch die Schauspieler zu identifizieren: Mark Collier (blau), Will Fawcett (rot; weiteres Markenzeichen: Frisur und Bart nach Shakespeare), Ross Ford (grün) und Luke Wilson (violett). 

Die Leistung der Vier ist unglaublich, jeder gewandt, schnell spritzig. Hinter einem simplen, kleinen Vorhang auf der Bühne variieren sie durch kleine Details ihre Kostüme, die den jeweiligen Protagonisten versinnbildlichen. Jeder Schauspieler trägt am Finger eine kleine Fahrradklingel, die Schnitte im Ablauf ankündigen. Folgen die Blicke der Zuschauer dem Abgang einer Figur auf der einen Seite des Vorhangs, wird ihre Aufmerksamkeit sofort durch ein kleines Ping auf die andere Seite gelenkt, wo die nächste Szene beginnt. 

Malvolio ausgetrickst

Ping! Das Spiel ist tempogeladen, ganz im Rhythmus des originalgetreuen Textes. Auch wenn das Englisch aus Shakespeares Zeit nicht jedem verständlich ist, kann jeder durch das ausdrucksstarke Spiel der HandleBards die Story leicht verfolgen. Selbst wenn man durch die Rollenwechsel innerhalb der Komödie schon mal die Figuren durcheinanderwirft.

Denn der Titel Twelfth Night bezieht sich auf die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Dies war nicht nur in Großbritannien eine Zeit, in der vieles durcheinanderwirbelte. Entsprechend wirbelt die Interpretation der HandleBards das Shakespeare-Stück durcheinander und puzzelt es auf charmante Weise wieder zusammen.

Eine der eingebauten Verwirrungen des Stückes: Ein Schauspieler spielt eine Frau, die sich im Stück wiederum als Mann ausgibt, der sich dann wiederum als Frau verkleiden muss. Die vier HandleBards wechseln die Rollen im Nu: raus aus der Jacke, zwei Schritte weiter unter einen Hut, Dialogwechsel, wieder in die Jacke und so fort. Und das alles im Rhythmus der Shakespeare’schen Verse.

Ross Ford, Will Fawcett, Mark Collier und Luke Wilson ziehen das Publikum sofort in ihren Bann.

The HandleBards bringen ein neues Shakespeare-Gefühl auf die Bühne, geradezu genial im kleinen Neusser Globe, immer dicht am Publikum, das intensiv in das Stück einbezogen wird. Doch jeder spielt bei den sympathischen Schauspielern gerne mit, die dafür sorgen, dass erst gar keine Verlegenheit aufkommt.

Muss man sehen! Wo auch immer!

Handlebar bedeutet Fahrradlenker und bard Dichter. Die Truppe hat sich auf die Fahnen geschrieben zu ihren Aufführungen per Fahrrad zu kommen. Seit 2013 strampeln die Schauspieler zu ihren Aufführungen rund um die Welt. Mehr als 7.000 Meilen haben sie so schon hinter sich gebracht. – Übrigens The HandleBards hat auch eine Girls-Truppe. Vielleicht bekommen wir die ja auch einmal beim Shakespeare-Festival zu sehen!?

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics, © Christopher Krey

Informationen: www.shakespeare-festival.de, www.handlebards.com

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