Zauberhafte Dynamik

Zauberhafte Welt mit einfachen, aber eindrucksvollen Mitteln. © Dominic Clemence
Zauberhafte Welt mit einfachen, aber eindrucksvollen Mitteln. © Dominic Clemence

Die ganze Palette der Schauspielkunst – Shakespeares Sprache im O-Ton, Mimik und Gestik in Perfektion, Aktion und Tanz bis zur Akrobatik, hoch differenzierte musikalische live-Darbietung mit Instrumenten und Gesang, die Kunst der Inszenierung: mit betont wenigen Mitteln die eindrucksvollsten Effekte zu erreichen – das ist die ‚Propeller Theatre Company‘ aus London. Und mit dem Globe-Theater in Neuss fanden sie den idealen Aufführungsort für ihren ‚Midsummer Night’s Dream‘.

Schlichte Basis-Kostüme ermöglichen schnelle Verwandlung. © Dominic Clemence
Schlichte Basis-Kostüme ermöglichen schnelle Verwandlung. © Dominic Clemence

Shakespeares ‚Sommernachtstraum‚ ist ein Stoff, er auf extrem unterschiedliche Weise interpretiert werden kenn. Die Inszenierung der ‚Propeller Company‘ sprüht von gebündelter Energie und Lebensfreude. Jeder Schauspieler strahlt aus, wie viel Freude ihm das Stück macht. Eine Besonderheit der Propeller Truppe ist, dass sie ausschließlich aus Männern besteht, wie die Schauspielertruppen zu Shakespeares Zeiten. in Frauenrollen treten sie nie wie ‚Transvestiten‘ auf, sondern sind als Männer deutlich erkennbar. Nur angeheftete oder übergestülpte Kostümteile markieren die Akteure als weibliche Figuren.

Oberon (Darrell Brockis, 5.v.l.) und Titania (James Tucker, 6.v.l.) verzaubern das Publikum mit ihrer Magie. © Dominic Clemence
Oberon (Darrell Brockis, 5.v.l.) und Titania (James Tucker, 6.v.l.)
verzaubern das Publikum mit ihrer Magie. © Dominic Clemence

Alle Mitglieder des Ensembles wechseln in atemberaubendem Tempo die Rollen. Matthew McPherson zum Beispiel gelingt es, in der einen Minute die verliebte Hermia zu charakterisieren und im nächsten Augenblick den ‚reißenden‘ Löwen darzustellen, eine Rolle des leicht vertrottelten Schreiners Snug. Alasdair Craig, der als Blasebalg-Flicker Francis Flute die Thisbe darstellt, trippelt wie schwebend und dennoch mit zur Schau getragenem Widerwillen als Frau mit Perücke und Gummi-Busen über die Bühne – köstlich! Den schnellen Rollenwechsel ermöglichen die Kostüme von Laura Rushton.

Joseph Chance verkörpert einen quirligen und graziösen Puck. © Dominic Clemence
Joseph Chance verkörpert einen quirligen und graziösen Puck.
© Dominic Clemence

Die ‚Propeller Company‘ versteht ihr Handwerk aus dem Effeff. Sie beherrschen Instrumente, können singen, tanzen und springen. Als der allgegenwärtige Puck versteht es Joseph Chance, überall wie aus dem Nichts aufzutauchen. Ein Lachen, ein ballettöser Sprung, und Robin Goodfellow, wie er im Original auch genannt wird, steht im Mittelpunkt des Geschehens. Die Körperarbeit und Mimik von Joseph Chance erinnert an die ‚Jellicle-Cats‘ aus Andrew Lloyd Webbers Musical. Besonders gelungen bei der Figur ist auch die Spannung zwischen den grazilen Bewegungen des Kobolds und seiner rauen Stimme.

Schlichte Bühne und effektvolles Licht: perfekt! © Dominic Clemence
Schlichte Bühne und effektvolles Licht: perfekt!
© Dominic Clemence

Ohne viel Schnickschnack präsentiert sich die Bühnen-Ausstattung. Michael Pavelka schafft aus einem extrem schlichten Basis-Bühnenbild immer wieder neue und sehr wirkungsvolle Bilder zu erzeugen. Dazu braucht er wenig mehr als eine Klappkiste und ein leicht gewebtes Tuch, das für Sekunden in der Luft schweben kann. Es wird durch die raffinierte Beleuchtung von Ben Ormerod unterstützt, an der auch die Schauspieler selbst mit Taschenlampen mitwirken.

Propeller 006
Zauberhafte Titania (James Tucker): hervorgerufen durch Bühnenbild und Beleuchtung. © Christoph Krey

Wesentlicher Faktor für die Inszenierung der sommerlich ‚verrückten‘ Märchenwelt ist auch die Musik der ‚Propeller Company‘. Schon zu Beginn holen die sphärischen Klänge, von den Elfen auf Mundharmonikas erzeugt, die Zuschauer in eine andere Welt. Dazu trägt auch der dynamische Tanz der Elfen bei, die klassisch ballettös aus dem Stand in die Luft springen.

Puck alias Robin Goodfellow (Joseph Chance) im Kreis der Elfen. © Christoph Krey
Puck alias Robin Goodfellow (Joseph Chance) im Kreis der Elfen. © Christoph Krey

Zu Shakespeares Zeiten war es üblich, dass es nur männliche Schauspieler gab, die auch die Frauen-Rollen übernehmen mussten. Hieraus hat Edward Hall, Gründer der ‚Propeller Company‘, aber kein unantastbares Relikt gemacht, sondern gibt seiner Inszenierung den ‚freien‘ Lauf der puren Spiellust. Er sagt: „Wir wollen Shakespeare wieder entdecken, indem wir die Stücke einfach so spielen, wie wir es für richtig halten: sehr klar, temporeich und so phantasievoll wie möglich im Bühnenspiel.“*
1997 gründete er die Propeller-Company mehr aus Spaß. Damit gelang ihm der große Coup. Die Truppe tourt inzwischen durch die ganze Welt. Die Verbindung zu Shakespeare besteht bei Edward Hall seit frühester Kindheit. Der 1966 geborene Regisseur und Theater-Direktor ist der Sohn von Sir Peter Hall, einem der renommiertesten Shakespeare-Darsteller und Gründer der ‚Royal Shakespeare Company‘ in London.

Puck bringt Chaos in die Schauspieltruppe: Peter Quince (David Acton), Robin Starveling (Matthew Pearson), Puck (Joseph Chance), und 'Esel' (Chris Myles) (v.l.n.r. © Christoph Krey
Puck bringt Chaos in die Schauspieltruppe: Peter Quince (David Acton), Robin Starveling (Matthew Pearson), Puck (Joseph Chance), und ‚Esel‘ (Chris Myles) (v.l.n.r.)
© Christoph Krey

Shakespeares ‚Sommernachtstraum‚ bietet besonders viele Möglichkeiten für ein Schauspiel-Ensemble, seine Vielseitigkeit zu beweisen, schon allein weil die Handlung aus vier miteinander verflochtenen Strängen besteht:

  • Der Herzog von Athen Theseus will seine geliebte Hippolyta heiraten. Egeus, Vater von Hermia, sucht Hilfe bei ihm, um seine widerspenstige Tochter mit Demetrius zu verheiraten.
  • Der Elfenkönig Oberon ist eifersüchtig auf seine Königin Titania wegen eines indischen Jünglings
  • Deswegen werden die Pärchen Hermia – Lysander und Helena – Demetrius durch Zauberei des Kobolds Puck in Verwirrungen verwickelt.
  • Dazwischen gerät eine Truppe von Laienspielern, die vor dem Herzog eine Tragödie aufführen will.
In der Pause spielt die Propeller Company auf und sammelt für einen guten Zweck: vorbildlich! © repor-tal
In der Pause spielt die Propeller Company auf und sammelt für einen guten Zweck: vorbildlich! © repor-tal

Weitere Aufführungen des ‚Sommernachtstraums‘ der ‚Propeller Company‘ beim Shakespeare Festival in Neuss finden am 26. und 27. Juni, jeweils um 20 Uhr und am 28. Juni um 15 Uhr statt (in englischer Sprache). Außerdem sind sie mit der ‚Comedy of Errors‘ am 25. Juni (heute) und 28. Juni, jeweils um 20 Uhr und am 26. Juni um 15 Uhr zu sehen. – Und Shakespeare-Freunde sollten die Propeller Company einmal gesehen haben!

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

* „We want to rediscover Shakespeare simply by doing the plays as we believe they should be done: with great clarity, speed and full of as much imagination in the staging as possible.“

Informationen zu weiteren Aufführungen: propeller.org.uk

Informationen und Vorverkauf zum Neusser Festival: www.shakespeare-festival.de

 

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