Ausgebrannt.
Und wie weiter?

Die Herausgeberinnen Angela Gatterburg* und Annette Großbongardt** haben in ihrem Buch ‚Diagnose Burnout – Hilfe für das erschöpfte Ich’ Beiträge zusammengestellt, die ursprünglich in der Reihe ‚Spiegel-Wissen’ erschienen sind. Insgesamt beleuchten sie viele Themen rund um das erschöpfte Ich. Viele dieser körperlichen und seelischen Leiden können Symptome eines Burnouts sein, müssen es aber nicht.

Angela Gatterburg

Gleich im zweiten Beitrag des Buches wird dies deutlich. Der Psychiater und Psychotherapeut Dr. Hans-Peter Unger streicht in seinem Interview klar heraus: Burnout kann in einer Depression enden, muss es aber nicht; und nicht jede Depression entspringt einem Burnout. Es komme auf die richtige Diagnose an: „Das Problem ist, dass die Behandlung falsch sein kann. Ich sehe Patienten, die haben eine klassische Depression, werden aber wochenlang auf Burnout behandelt, ohne dass sich etwas bessert. … Daher ist eine genaue Anamnese so wichtig.“

Hierin liegt der Schlüssel für viele der anderen Beiträge in diesem Buch. Wovon ist die Rede: vom Burnout oder von einer klassischen Depression?

Annette Grossbongardt

Unter den Begriffen Stress, psychovegetative Erschöpfung, Getriebensein, Depression oder emotionale Erschöpfung wird das Thema ‚Burnout’ in allen Beiträgen gestreift, steht aber nicht immer im Mittelpunkt. Die Burnout-Spirale hat viele Facetten. Das macht die Diagnose so schwierig. Für den Betroffnen bedeutet dies oft eine Odyssee von Arzt zu Arzt, um ernst genommen und nicht in eine Schublade ‚Depression’ gesteckt zu werden.

Hierbei kann das Buch ‚Diagnose Burnout’ durchaus helfen. Es zeigt die Facetten von Burnout, aber auch von ‚einfachem’ Stress und schweren Depressionen auf. Wer eines dieser Krankheitsbilder – auch wenn Burnout bis heute nicht als eigentliche Krankheit anerkannt ist – aufweist, kann durch die unterschiedlichen Sichtweisen und Einordnungen in dem Buch vielleicht sich selbst besser einordnen.

Es kommt darauf an, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen und den Bann des Burnouts zu durchbrechen. Das gelingt nur wenigen isoliert. Unterstützung muss sein, durch Familie oder durch Freunde. Wenn man es aber allein nicht mehr schafft, ist kompetente Hilfe gefragt. Und auch viele Patienten, die sich einer Behandlung unterziehen, schaffen es erst im zweiten oder dritten Anlauf.

Besonders wertvoll ist der kleine Burnout-Test am Schluss des Buches. Er wird so manchen Leser mit seinem Resultat überraschen!

Text: Ruth Hoffmann

Cover: © DVA Sachbuch
Photo Angela Gatterburg: © Wolfgang Maria Weber
Photo Annette Großbongardt: © Sandra Wolf

Informationen: www.dva.de

Angela Gatterburg (Hrsg.), Annette Großbongardt (Hrsg.): Diagnose Burnout – Hilfe für das erschöpfte Ich
DVA Sachbuch, Paperback, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-421-04563-8
14,99 Euro

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*Angela Gatterburg, geboren 1957, arbeitet seit 1987 beim ‚Spiegel’ in den Bereichen Kultur und Gesellschaft. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich im Ressort Sonderthemen mit den Themen Soziologie, Neurobiologie, Erziehung und Bildung.

**Annette Großbongardt, geboren 1961, studierte Romanistik und Germanistik und arbeitet seit 1993 für den ‚Spiegel’, zunächst als Redakteurin im Deutschlandressort, dann von 1998 bis 2005 als Korrespondentin in Jerusalem und bis Ende 2007 in Istanbul. Heute ist sie stellvertretende Ressortleiterin für Sonderthemen.

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