Tanz zwischen Himmel und Hölle

Das Scottish Dance Theatre hat bei den Internationalen Tanzwochen in Neuss hat ganz großes Können präsentiert – aber auch eine Herausforderung an das Publikum. Mit den extrem verschiedenen Stücken Dreamers und Process Day brachte das Ensemble seine mehr als 30-jährige Erfahrung auf die Bühne.

Scottish Dance Theatre/Dreamers, Foto NN

Dreamers ist eine Choreographie von Anton Lachky. Der Slowake lässt seine Tänzer Klänge von Bach, Verdi, Haydn, Vanhal und Chopin in flackernd und wirbelnd schnelle, ja akrobatische Bewegungen umsetzen. Träumer auf der Bühne zwischen Wachzustand und Schlaf, Träume mit offenen Augen lebend, sich selbst inszenierend. Moderner Tanz interpretiert klassische Musik und zieht den Betrachter in das Bild hinein. Bloßes Zuschauen ist dabei nicht mehr möglich. Wer sich darauf einlässt, geht in der Choreographie auf.
Höhepunkt der Schluss, der ohne Musik, surreale Handlungen auf die Bühne zaubert, die den Zuschauer lächeln lassen. Glück pur.

Scottish Dance Theatre/Process Day, Foto Brian Hartley

Krass anders die Choreographie der Israelin Sharon Eyal in Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten und Techno-DJ Gai Behar. Dies Musik, monoton dröhnend wie eine riesige Maschine, wäre ohne die Choreographie unerträglich – sie wurde auch eigens dafür komponiert und realisiert – der Tanz ohne die Musik sinnlos. Beides gehört unweigerlich zusammen –  eine Symbiose. Die Bewegungen der Tänzer minimalistisch präzise, sie schweben zwischen Himmel und Hölle. Choreographie und Musik sind eine Einheit, die aber ohne das Lichtdesign von Alon Cohen nicht wirken würden. Die gesamte Choreographie findet im nebelhaften Schatten statt. Ein Spiel in Schall und Rauch.
Das Duo Sharon Eyal und Gai Behar arbeitet seit 2005 zusammen und gehört bestimmt ganz oben auf die Liste internationaler Tanzkunst.

Von den Machern der Internationalen Tanzwochen war es mutig, dieses Stück seinem Publikum ‚zuzumuten‘. Einige Zuschauer fanden die düstere Inszenierung offenbar zu wenig unterhaltsam und verließen die Vorstellung vor der Zeit. Doch der Applaus in der immer noch gut gefüllten Stadthalle bewies: Die Begeisterung überwog bei weitem im Publikum.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.tanzwochen.de

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sind Sie ein Mensch? *