Feuerwerk lebendiger Lichtbilder

Ailey II in Jae Man Joo’s Circular. Photo by Kyle Froman

Ailey II ‚The Next Generation of Dance‘ ist weit mehr als die Nachwuchs-Company des New Yorker Alvin Ailey American Dance Theatre. In Ailey II tanzen die Stars von morgen. Bewiesen haben das die jungen Leute wieder einmal bei den Internationalen Tanzwochen in Neuss. Sie zeigten mit ihren Performances ein Feuerwerk ihres Könnens.

Außergewöhnlich breit ist die Varianz der Musik der ersten Performance Circular. „12 Töne“ von Ėdison Denisov, eine Cembalo-Suite von Georg Friedrich Händel und dessen Rinaldo-Arie, gesungen vom kanadischen Counter-Tenor David DQ Lee, lauter Kompositionen die auf den ersten Blick nicht tanzbar erscheinen, ebenso wie die Auswahl von Nico Muhly und Richard Reed Parry. Dennoch hat der koreanische Choreograph Jae Man Joo außergewöhnliche Bilder geschaffen, die das ganze Können der jungen Tänzer fordern. Im Licht von Rob Ross lösen sich Körper in formidable Bilder auf. Ein Fuß, ein Arm, Rümpfe schlängeln sich in Wellen, ein Kopf weit unten, während das Bein in der Luft darüber zu schweben scheint. Emotion bestimmt die Bilder, die sich in weichen Übergängen immer wieder neu zusammensetzen.

Ailey II’s Courtney Celeste Spears and Khalia Campbell in Leila Da Rocha’s Meika. Photo by Kyle Froman

Im Kontrast dazu erscheint die Duett-Choreographie Meika der Französin Leila Da Rocha fast klassisch zwischen Schleiertanz und Schwanensee. Die zwei Tänzerinnen Celeste Spears und Khalia Campbell gehen in der spannungsgeladenen Musik von Max Richter und Isaac Albéniz auf. Konfrontation löst sich in Versöhnung auf, um sich im nächsten Moment der Auseinandersetzung wieder zu stellen. Identische Parallel-Bewegungen finden sich im gemeinsamen Tanz zusammen , um sich wieder zu lösen.

Ailey II in Robert Battle’s The Hunt. Photo by Eduardo Patino, NYC

The Hunt, eine Choreographie von Robert Battle für sechs Tänzer, steckt voller aufpeitschender Dynamik. Die aufpeitschenden, hämmernden Rhythmen der Tambours du Bronx erinnern an japanische Kodo-Performances, treiben die Tänzer an, ihre Machtkämpfe auszutragen. Kampf gegeneinander und ritueller Kriegstanz wechseln sich ab: ein Kräftemessen unter jungen Männern. Die Kostüme von Mia McSwain sind von der Hakama inspiriert, der weiten Faltenröcke, die etwa in einigen japanischen Kampfsportarten getragen wird.

Ailey II in Ray Mercer’s Something Tangible. Photo Eduardo Patino

Etwas Greifbares, Something Tangible hat Choreograph Ray Mercer geschaffen. Zwölf Tänzer bewegen sich zwischen Einheit und Isolation, Ausgrenzung und Gruppenzwang. Die Choreographie umfasst das ganze Spektrum einer Gruppendynamik zur Musik von Max Richter, Ólafur Armalds, Geoff Bennett und Bongi Duma. Immer wieder bilden sich neue Konstellationen, arbeiten mit- oder auch gegeneinander, das Leben umfassend.
Seit Mitte September 2016 wirbelt die aktuelle Welttournee der New Yorker Company Ailey II von der Neuen in die Alte Welt: Nach Auftritten in Rochester, Kansas City und Honolulu folgte zunächst ein Abstecher auf die Bahamas, bevor die phänomenale Junioren-Truppe des legendären Ailey in Deutschland und Frankreich gastiert.

Ailey II’s Courtney Celeste Spears and Gabriel Hyman in Ray Mercer’s Something Tangible. Photo Eduardo Patino

Ihren Namen hat die 1974 gegründete Truppe von Alvin Ailey (1939-89). Er wurde in Texas geboren, zog 1943 mit seiner Mutter, einer Baumwollpflückerin, nach Los Angeles und nahm Unterricht bei Lester Morton, einem der Pioniere des Modern Dance. 1954 in New York lernte er die Arbeit von Martha Graham kennen. Vier Jahre später gründete er in New York sein Alvin Ailey American Dance Theater. Außergewöhnlich für diese Ära war, dass er überwiegend schwarze Tänzer beschäftigte. Hieraus entstand Ailey II als Juniorcompany.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics

Informationen: www.tanzwochen.de

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