‚Der Klang meiner Heimat‘

Tango Argentino hat längst auch in Deutschland Wurzeln geschlagen. Doch niemand verkörpert ihn authentischer als Nicole Nau und Luis Pereyra. Das deutsch-argentinische Paar zeigt den Tanz der Leidenschaft nicht nur in Vollendung. Die Beiden leben den Tango, und dieses Leben fließt in ihren Tanz ein.

Luis Pereyra und Nicole Nau
Luis Pereyra und Nicole Nau

Dabei ist Nicole Nau gebürtige Düsseldorferin. Ihre Leidenschaft für den südamerikanischen Tanz zog sie schon vor dreißig Jahren nach Argentinien. Die hochtalentierte junge Frau brachte sich durch Disziplin und Fleiß an die Spitze der argentinischen Tänzer und damit an die Seite des wahrscheinlich besten Tango-Tänzers unserer Zeit. „Durch Luis habe ich erst den Tango richtig verstehen gelernt“, sagt Nicole Nau, die ihrem Tanzpartner und Ehemann heute in nichts nachsteht.

Tango-Show 011
Drei Paare – dreimal Tango in Perfektion

Luis Pereyra wurde schon als ‚Fred Astaire des Tango‘ bezeichnet. Erinnern Sie sich vielleicht an die Szene in dem Film ‚Ziegfeld Follies‘, in der Gene Kelly und Fred Astaire im Duett tanzen? Beide tanzen perfekt – aber während Kelly erdverbunden bleibt, scheint Astaire zu fliegen.

Ähnlich heben sich Nau und Pereyra von den anderen beiden Paaren ihres Show-Ensembles ab: Emilse Martinez und Dabel Zanabria sowie Jimena Cardoso und Eduardo Teves, die die Superstars des Tangos auf ihre Deutschland-Tournee begleiten, sind ausgezeichnete Tänzer. Es macht Freude den Vieren zuzusehen – aber … bei Luis Pereyra ist jeder Schritt Perfektion in Leichtigkeit. Seine perfekte Führung findet sein Pendant in der sensiblen Folge und dennoch eigenständigem Auftritt seiner Partnerin. Zusammen mit Nicole Nau interpretiert er seine Musikauswahl und Choreographie in einer Weise, die das Publikum in eine andere Welt entführt.

Die Malambo
Die Malambo

 

Mit der Show ‚El Sonido de mit Tierra‘ (‚Der Klang meiner Erde‘) bringt die ganze Truppe ein Stück Argentinien in die Welt. Luis Pereyra liegt außerdem sehr viel daran, viel mehr als den Tango zu zeigen. Er möchte die künstlerische Vielfalt seiner Heimat präsentieren. Dazu gehört die musikalische Improvisation mit vielen perkussiven Elementen und auch bei uns wenig bekannte Tänze wie Chacarera, Zamba, Arunguita, Huayno oder Malambo, ein Tanz der Männer, bei dem mit erschreckender Geschwindigkeit die Füße immer wieder auf die Seite abgeknickt werden. Ein Kunststück, das jedem Normalmenschen einen Knöchelbruch bescheren würde. Diese folkloristische Vielfalt hat Luis Pereyra in einem atemberaubenden und faszinierenden Ablauf choreographiert.

Der Höhepunkt aber ist das Spiel von Luis Pereyra mit den Boleadoras*. Die ursprüngliche Jagdwaffe wird von ihm als Instrument genutzt. In atemberaubenden Wirbel schlägt Pereyra die Kugeln rhythmisch auf den Boden während seine Füße den Rhythmus begleiten. Ein unglaubliches Schauspiel!

'El Sonido de mi Tierra' ist pure Lebensfreude.
‚El Sonido de mi Tierra‘ ist pure Lebensfreude.

Begleitet werden die Tänzer von drei wunderbaren Musikern. Quique Ponce bringt das Bandoneon zum Lachen und zum Weinen. Virtuos beherrscht er jede Nuance dieses dem Tango so eng verbundenen Instruments. Der Gitarrist Tony Gallo und der junge Sänger Claudio Pereyra (nicht verwandt mit Luis) interpretieren Tango-Lieder auf sanfte und berührende Weise.

‚El Sonido de mi Tierra‘ ist nicht nur eine Show für Tango-Begeisterte, sondern für jeden, der sich für die Kultur anderer Länder interessiert. Bis zum 18. Dezember 2013 touren die Künstler noch durch Deutschland.

Text: Ruth Hoffmann

Photos: © Arndt Gockisch, mit freundlicher Genehmigung von Nicole Nau

Informationen: www.the-great-dance-of-argentina.de

* Die Boleadora wird auf spanisch auch Bola genannt und bedeutet Kugel. Ursprünglich war sie in Argentinien eine Wurfwaffe der Gauchos und Jäger. Am Ende einer Leine hängt ein Gewicht. Dieses Gewicht wird an der Leine über dem Kopf gewirbelt und dem Jagdwild um die Beine geworfen, so dass es stürzt.

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