Der krasse Kontrast
der nackten Artefakte

Red Dot - 1 (2)Die Relikte der Ruhr-Industrie sind riesenhaft – titanisch, stehen für Arbeit und Anstrengung, Schweiß und Schmutz, Krach und Klassenkampf. Auf dem Gelände der Zeche Zollverein sind sie beispielhaft zu besichtigen – hundert Hektar UNESCO-Welterbe. Eingebaut in die klotzigen Gebäude und das Gelände sind etliche Ausstellungen und Ateliers, die neues Leben auf die stillgelegte Zeche bringen. Wohl kaum ein Ort zeigt den Kontrast zwischen der Zeit der Kohle und der Industrie des 21. Jahrhunderts extremer als das ‚Red Dot Design Museum‘.

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Auch das ist Design: Kesselhaus von 1929

Halle A 7 auf ‚Zollverein‘ ist das ‚Kesselhaus‘ der Zeche. Seine ehemalige Funktion, den Förderrädern ordentlich ‚Dampf‘ zu machen, zeigt in konzentrierter Form das Kirchturmuhr-große Manometer hoch über dem Fußboden der zentralen Halle. Links und rechts türmen sich die mächtigen Aggregate zu haushohen, rostigen Labyrinthen. Doch mitten im Raum zwischen den stumpfrot-staubigen Ungetümen schwebt eine Audi-Karosserie in makellosem Metallglanz. Und wenn man sich weiter umschaut in den Winkeln und Höhlen zwischen den Maschinen und Röhren aus den 1920er Jahren, dann entdeckt man überall leuchtende Objekte, als hätte sie der Osterhase hier versteckt: lauter ausgezeichnetes Industrie-Design.

Futuristische Möbel in historischer Maschinerie
Futuristische Möbel in historischer Maschinerie

Es sind insgesamt rund 2.000 Exponate, vom Flaschenöffner bis zum Hubschrauber, die hier zu sehen sind, und viele davon darf man gern auch anfassen oder – wie etwa Sitzmöbel oder Fahrräder, auch mal ausprobieren. Das Museum möchte ausdrücklich die Qualität der Sachen erlebbar machen, die mit dem ‚Red Dot Award‘ ausgezeichnet wurden.

Der 'Gyrokopter' im Raum zwischen den Etagen
Der ‚Gyrokopter‘ im Raum zwischen den Etagen

Das Qualitätssiegel mit der roten Spiralkugel ist das Logo eines schon 1955 gestarteten Produktwettbewerbs, dessen Jury aus internationalen Design-Experten besteht. Neben dem Essener Haus, das 1966 fertig wurde, gibt es mittlerweile Partner-Museen in Singapore (seit 2005) und in Taipei (seit 2013).

 

'Spacewalker' heißen diese drolligen Leuchten.
‚Spacewalker‘ heißen diese drolligen Leuchten.

Auf fünf Ebenen kann man zugleich die Monumente der Industriegeschichte und die Schau der aktuellen Spitzen-Produkte durchwandern. Immer wieder öffnen sich neue Perspektiven auch auf die anderen Ebenen. Die Auswahl der Exponate ändert sich laufend, weil jeweils die neu ausgezeichneten Produkte gezeigt werden. Daneben gibt es Sonder-Ausstellungen, zur Zeit eine Schau mit dem Titel ‚Produkte für Generationen: 90 Jahre Philips Design‘. Die Firma im niederländischen Eindhoven hat inzwischen 184mal den roten Punkt auf ihre Produkte kleben dürfen. Allein der ‚Philishave‘ Rasierer mit den charakteristischen rotierenden Scherköpfen steht für mehrere Generationen Männer-Kosmetik oder, wie man heute sagt ‚Personal Care‘. Es gibt übrigens auch einen ‚Red Dot‘ für ‚Communication Design‘. Denn die verstehen offenbar was davon, wie man Produkte und Ideen effektvoll präsentiert.

Der Förderturm ist das Wahrzeichen des Welterbes Zollverein
Der Förderturm ist das Wahrzeichen des Welterbes Zollverein

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal, mit freundlicher Genehmigung des Red Dot Design Museums

Informationen: www.red-dot-design-museum.de

Adresse: Welterbe Zollverein, Areal A (Schacht XII), Kesselhaus (A7)
Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen

Telefon: 0201 30104-0

Öffnungszeiten: Di – So und Feiertage 11 – 18 Uhr (letzter Eintritt 17 Uhr)

Eintritt: 6,- Euro

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