Geheimnisvolle Ewigkeit

Älter als jedes menschliche Leben in der Region ist das Ewige Meer in Ostfriesland. Mitten in einem unter Naturschutz stehenden Hochmoor liegt der geheimnisvoll wirkende See. Die Anfahrt führt über kleine Straßen zwischen Wiesen, Weiden und Äckern hindurch. Erst in Eversmeer, einem kleinen Ort zwischen Aurich und Norden, findet sich der erste Wegweiser. Der letzte Weg endet auf einem kleinen Parkplatz. Von dort aus führt ein Wanderweg zum Ewigen Meer.

Der typische Holzbohlenweg im Moor führt an windschiefen Bäumen vorbei.

Über den traditionellen Holzbohlenweg, eine von Alters her überlieferte Wegebauart im Moor, führt der Pfad an Tümpeln und wilden Wiesen vorbei. Der älteste Weg dieser Art wurde in der Nähe von Aurich gefunden. Hier entdeckten die Forscher auch Teile eines hölzernen Wagens, die mindestens aus der Zeit 2.500 vor Christus stammen.

Rechts und links des hölzernen Stegs wächst Schilf und Pfeifengras -‚Bähnt‘, heißt es auf Platt – das kleine Inselchen bildet. Junge Birken versuchen, in dem Moorgrund Fuß zu fassen. Undenkbar, dass man hier den Weg verlassen könnte: Das würde nicht nur Unruhe und Zerstörung für Flora und Fauna bedeuten, sondern auch Lebensgefahr. Neben dem sicheren Steg schmatzt und gurgelt es hin und wieder verdächtig.

Karge Landschaft als Schutzraum für Tiere

In dieser karg-romantischen Landschaft sind noch Tiere heimisch, die anderswo kaum noch zu finden sind. Der Ruf des Großen Brachvogels ertönt hier oft. Wer Glück hat, sieht ihn auch über den Bohlenweg huschen. Und hier brüten auch noch die letzten streng geschützten Trauerseeschwalben Ostfrieslands. Wer es ganz genau wissen möchte, kann auch an einer Führung teilnehmen. Das Ewige Meer zeigt sich zu allen Jahreszeiten als interessantes und schönes Terrain für Naturliebhaber.

Schaurig-schöne Bilder beschreibt die Moorlandschaft.

Schon Anette von Droste-Hülshoff besang die schaurige Atmosphäre des Moores in ihrem Gedicht ‚Der Knabe im Moor’. Hierin beschreibt sie die Opfer, die das Moor im Laufe der Jahrtausende aufnahm. Das Moor wurde für Bestattungen genutzt, aber auch Kranke wurden so getötet. Außerdem fanden ihr Grab hier Unfall- und Mordopfer und auch Selbstmörder. In prähistorischen Zeiten fanden hier sogar kultische Menschenopfer statt.

Pilze sprießen auf dem kargen Grund.

Das saure und fast sterile Moor konserviert organische Stoffe. Jahrtausend alte Baumstämme, aber auch menschliche Körper. Die berühmteste ostfriesische Moorleiche wurde unweit des Ewigen Meeres gefunden. In ganz Europa wurden bisher rund 1.500 Moorleichen gefunden, zwei Drittel davon im Küstenraum der Nordsee.

Der knapp zwei Kilometer langer Rundweg führt zum Nordufer des Ewigen Meeres. Die offene Wasserfläche ist mit 91 Hektar der größte Hochmoorsee Deutschlands: 1675 Meter lang, 837 Meter breit und bis zu 3,50 Meter tief, im Durchschnitt aber nur 1,20 Meter.

Das 'wimpernlose Auge'

Es wird auch als ‚wimpernloses Auge’ des umliegenden Hochmoorgebietes bezeichnet, weil es kaum Schilf- und Röhrichtpflanzen an seinen Ufern gibt. Dafür ist sein dunkles Wasser zu sauer und nährstoffarm.

Erstmals taucht der Name ‚Ewiges Meer’ in einem Schriftstück aus dem 17. Jahrhundert auf. Das Ewige Meer liegt auf dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Geestrücken in der Kernzone eines 33 Quadratkilometern großen Moorgebietes. 1939 wurde es unter Naturschutz gestellt.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Fotos)

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