Mit Mozart vom Balkan in die Karibik

 

Fetzig von Barock bis Balkan: Uwaga! Ein Quartett ohne musikalische Limits

Mozart ist bekanntlich nur 35 Jahre alt geworden. Trotzdem hat er es geschafft, die Musikszene aufzurütteln. Das barocke Musik-Ideal mit seinen Uhrwerks-Rhythmen und seiner Stufendynamik wird abgelöst von einem Klangbild mit lebendigem Puls und emotional-stufenlosem Wechsel zwischen laut und leise. Dabei kommen neue Instrumente ins Spiel, die allein schon auf den Einfluss hinweisen, den der Kontakt mit der Musikkultur des Ostens hatte.

Die Eingangstreppe von Haus Hall in Hückelhoven wurde zur Bühne.

Man stelle sich vor, Mozart hätte weitere Jahrzehnte gelebt, hätte Reisen durch den Balkan und in den Orient unternehmen können. Welche musikalischen Revolutionen hätte er noch vom Zaun gebrochen! Vier Musiker machen diese Imagination erlebbar: Uwaga! heißt das Ensemble, und das bedeutet ‚Achtung!‘ oder auch ‚Vorsicht!‘ und steht, wie Ensemble-Sprecher und Violinist Maurice Maurer gern erzählt – in Polen an jeder Baustelle und an jedem zweiten Gartenzaun. „Wir fanden: das passt zu uns. Außerdem spart es die Werbeplakate bei unserer nächsten Konzert-Reise. Das war vor zwölf Jahren. Leider waren wir noch nicht wieder in Polen.“

Ständige Bewegung in der Musik und auf dem Podium

Den vier Künstlern merkt man die Freude an ihrer Musik an. Die Arrangements stammen zumeist von Maurice Maurer und Christoph König, dem anderen Violin- und Viola-Virtuosen. Mozartović heißt das aktuelle Programm, dass sie auch an den Niederrhein mitgebracht haben. Freiherr Max Spies von Büllesheim und seine Frau Verena waren die Gastgeber an diesem Abend auf Haus Hall. Der Lions Club Selfkant unterstützt mit den Einnahmen ein Projekt, das Kindern erlaubt, regelmäßig zu frühstücken.

Das Barocke Wasserschloss in Hückelhoven war erstmals Schauplatz eines der Konzerte beim Niederrhein-Musikfestival unter der Leitung der Flöten-Solistin Anette Maiburg

Uwaga! reist imaginär und musikalisch mit Mozart auf den Balkan und interpretiert seine Werke jazzig und folkig zugleich. Das Rondo Alla Turca „ist in unserer Version ein bisschen türkischer als bei Mozart“, so Maurer. Im Kontrast dazu groovt das Lacrimosa aus dem Requiem auf einer sehr ruhigen Ebene. Und Tschaikowskis Nussknacker jazzt und swingt wie im Paris der 1950er Jahre. Kontrabassist Matthias Hacker beherrscht alle Spielarten vom klassischen Bogenstrich bis zum Jazz-Pizzicato.

Auch der gestrenge Johann Sebastian Bach erfährt bei Uwaga! eine Verjüngungskur. Sein Doppelkonzert für zwei Violinen kommt in einer Gipsy-Version daher und à la Django Reinhardt spielt das Quartett Zwei Gitarren, in dem auch die Violinen zu Zupf- und Percussion-Instrumenten werden.

Kurzweilig auch die Moderation von Maurice Maurer

Bei der Balkanisierung der Mozart-Klaviersonate KV 331 zeigt Miroslav Nisic die ganze Kunst seines virtuosen Akkordeon-Spiels. Doch mit Uwaga! kann Mozart noch weit über Balkan und Orient hinaus reisen – in Raum und Zeit: Das ‚Wolferl‘ begegnet sogar Bob Marley auf Jamaica…

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal

Informationen: www.niederrhein-musikfestival.de, www.uwagaquartett.de

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