Bauten, Bürger und Barbaren

Das Grauen im Grünen: Haus der Wannsee-Konferenz in Berlin

Die Ufer unserer Binnengewässer sind von den luxuriösen Behausungen der Reichen weitgehend besetzt. Doch weder am Starnberger See noch etwa an der Hamburger Binnenalster werden die Extreme unserer Kultur- und Kriminalgeschichte so drastisch deutlich wie am Großen Wannsee in Berlin. 

Nehmen Sie sich das härteste Thema für den Anfang vor: Haus Nummer 56 ist der Ort, an dem am 20. Januar 1942 eine Konferenz hochkarätiger Vertreter der NS-Reichsregierung unter dem Vorsitz von Reinhard Heydrich, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, bis ins Detail die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas beschlossen wurde, pingelig protokolliert von Adolph Eichmann, dem Zerrbild eines gewissenhaften Staatsdieners. Es hat 50 Jahre gedauert, bis das Haus als Gedenkstätte eröffnet wurde.

Villa Liebermann von der Seeseite mit Terrasse, im Vordergrund der ‚Otter-Brunnen‘

Sich an dieses staatlich organisierte Mega-Verbrechen zu erinnern, verändert den Blick auf die anderen Häuser in der Umgebung. Die meisten sind in der sogenannten Gründerzeit entstanden, als die Industrie in Berlin florierte und das Geld bei Großbürgern reichlich floss. Gebildete Kreise hatten auch welches übrig für die Kultur, bevor die kleinbürgerliche Nazi-Bewegung alles wieder kaputtmachte.

Von der buchstäblichen Blüte der Berliner Kultur zeugt die hübsch wieder hergestellte Villa des Malers Max Liebermann, Colomierstraße Nummer 3, mit ihrem Doppelgarten. Ein kleines Team von Kunsthistorikern und viele ehrenamtliche Mitarbeiter unterhalten sie als Museum und Denkmal der Gartenkunst. Max Liebermann, avantgardistischen Künstler und Kunst-Professor der Weimarer Zeit, wurde von den Nazis gemobbt und verfemt.

Liebermanns Strand mit Bootssteg

Das Innere des Hauses ist heute eine Gedenkstätte und Bildergalerie. Der Garten aber ist neu erstanden, fast als wäre er nie verwüstet worden.

Vom Pavillon am Ende des Bootssteges am Seeufer führt eine große Rasenfläche zur Terrasse, die heute vom hauseigenen Café genutzt wird. Der Rasen wird gesäumt von einem reizvollen Heckengarten auf der einen und einem Birkenweg auf der anderen Seite.

Berühmt durch etliche Gemälde: der Birkenweg

Viele Blicke machen bekannte Bildmotive Liebermanns wieder lebendig. Das gilt auch für den Nutzgarten auf der anderen Seite der eine Fülle von Stauden und auch Gemüsepflanzen zeigt.

Wenn noch Zeit bleibt, bietet sich als Kontrast ein Ausflug übers Wasser auf die Pfaueninsel an. Kurios ist die ‚Ruine‘, ein Lustschlösschen, das im 18. Jahrhundert der Preußenkönig für eine Gespielin eigens als fertige Ruine errichten ließ – ein Luxus-Gebäude aus einer anderen Epoche.

Zum Ausspannen nach einem anregenden, aber auch anstrengenden Besuch der Wannsee-Villen empfehlen wir eine Einkehr bei einem der urig-berlinerischen Biergärten am Bootshafen, etwa Bolle oder Seehase, mit Blick auf das Strandbad am Ostufer, eines der größten seiner Art. Typisch Berlin eben.

Der Garten ist wieder voller malerischer Motive.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Photos: © repor-tal

Haus der Wannsee-Konferenz, Am Großen Wannsee 56-58, D-14109 Berlin
Öffnungszeiten täglich 10-18 Uhr außer an gesetzlichen Feiertagen
Eintritt frei

Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstr. 3, 14109 Berlin

Öffnungszeiten täglich außer dienstags 10-18 Uhr (Okt-März 11-17 Uhr), auch an Feiertagen außer 24. u. 31. Dezember

Informationen: www.ghwk.de, www.liebermann-villa.de, www.wikipedia.org/Berlin-Wannsee, www.wikipedia.org/Kulturdenkmale, www.tagesspiegel.de

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