Hier kriegt der Ton
den hellen Klang

Das Kannenbäckerland ist eine Ton-reiche Region im Westerwald. Hier siedelten und arbeiteten seit Jahrhunderten Töpfer. Noch heute gibt es einige Betriebe, die das alte Handwerk aufrecht erhalten. Dazu gehört die Töpferei von Bolko Peltner. Er übernahm den Betrieb von seinen Eltern.

Töpferei-Museum, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-talVater Georg Peltner hatte schon 1962 in seinem historischen Brennhaus ein Museum eingerichtet. Der alte Ofen hatte 1960 zum letzten Mal gebrannt. Seit den 80er Jahren ist der Brennofen zum Technischen Denkmal erklärt worden. Um 1900 gab es dort etwa 80 davon. Über dem Ort lag damals oft eine dichte Rauchschicht. Doch als die alten Brennhäuser nicht mehr benötigt wurden, wurden viele abgerissen. Aber einige sind auch sich selbst zum Opfer geworden und sind abgebrannt. Nur drei Exemplare sind noch in Höhr-Grenzhausen übergeblieben.

Töpferei-Museum, Bunzlauer Braunware, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-tal
Bunzlauer Braunware

Das Kannenbäckerland ist die einzige Region mit dieser Art von Brennofen in einem kompletten Haus. Haushalts- und Gebrauchsgeschirr wurde hier hauptsächlich hergestellt. Die schlesischen Töpfer, die nach dem Zweiten Weltkrieg einwanderten, stellten dann auch Koch- und Backgeschirr her. Die ‚Bunzlauer Braunware‘, wie diese Keramik nach ihrem Ursprungsort heißt, ist ein feuerfestes Gebrauchsgeschirr.

Eingang Brennhaus, Keramik-Ofen, Töpferei-Museum, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-tal
„Wenn der Ofen gefüllt war, wurde der Eingang zugemauert“, erklärt Bolko Peltner.

Damit sich der Brennvorgang lohnt, wurde der zimmergroße Ofen bis zur Decke mit Tongefäßen gefüllt. War jeder Winkel ausgenutzt, wurde der Eingang zugemauert. Auf 1.250 Grad musste der Ofen gebracht werden. Das ist die Temperatur, bei der die Keramik ‚gebacken‘ wird. Das bedeutet: die mineralischen Körner verschmelzen miteinander und werden zu einem steinharten Material, dem sogenannten ‚Scherben‘. Rund 40 Quadratmeter Buchenholz wurden für einen Brennvorgang benötigt. Nach dem Brand musste man eine Woche warten, damit der Ofen langsam abkühlte.

Der Brennvorgang benötigte damals eine ständige Kontrolle. „Daran hat sich auch bis heute nichts geändert“, erklärt Bolko Peltner. „Selbst Computer-gesteuerte Öfen müssen ständig kontrolliert werden.“ Doch wie kontrolliert man, ob der Ofen 1.250 Grad erreicht hat? Ein findiger Keramiker löste das Problem. Hermann Seger (1839–1893) erfand einen kleinen Kegel aus Ton, der so im Ofen aufgestellt wird, dass man ihn durch ein kleines Glasfenster beobachten kann. Sobald die richtige Hitze erreicht ist, kippt der ‚Seger-Kegel‘ um.

Töpferei-Museum, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-tal
Typische Salzglasuren

Typisch für die Westerwälder Keramik ist die Salzglasur, die vor etwa 500 Jahren im Kannenbäckerland erfunden wurde. Man schaufelte etwa 250 Kilo Salz in den erhitzten Ofen. Bei 1.250 Grad wird es gasförmig und legt sich auf die Glasur. Typische Salzglasur-Gefäße sind zum Beispiel die ‚Bembel‘ im Hessischen. Die Peltnerschen Sammlung kann etliche Bembel präsentieren, darunter auch solche mit dem ‚Blauen Bock‘.

Malhorn, Malhörnchen, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-tal
Malhörnchen

Für die Bemalung werden Metalloxide verwandt. Aufgemalt werden sie mit Borstenpinseln und Pipetten. „Früher wurde mit Kuhhörnern und Gänsekielen gearbeitet“, erklärt Bolko Peltner. „Danach heißen die Linienmuster auch Malhorn-Malerei.“ Im Unterschied dazu gibt es zum Beispiel auch die Schwamm-Technik.

Töpferei-Museum, Ton-Drehscheibe, Töpferscheibe, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-tal
Bolko Peltner an einer seiner alten Drehscheiben im Brennhaus.

Der Beruf verlangt den Töpfern viel ab. Das Brennen der Tonwaren ist ein heikles Geschäft; denn der Verlust soll möglichst gering gehalten werden. Langsam geht es vor sich. Zwölf Stunden muss der Ofen aufgeheizt werden, aber dann muss er fast dreimal so lange wieder abkühlen. Dann ist der sogenannte Bisquit-Brand fertig, und die Quarz-Feldspat-Glasur kann aufgetragen werden. Nun muss der Ofen wieder 14 Stunden aufheizen und anschließend 30 Stunden abkühlen. Erst dann ist die transparent wirkende Glasur fertig.

„Nach dem Brand machen wir eine Klangprobe“, erklärt Peltner. Die fertige Schüssel muss hell klingen wie eine Glocke. Andernfalls muss es irgendwo einen Schaden geben. Die Oberfläche ist absolut dicht, beständig gegen Säuren und Laugen, verträgt extreme Temperaturen und ist so hart, dass sie nur mit einem Diamanten geritzt werden kann.

Töpferei-Museum, Keramik-Wasserflaschen, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-tal

Die Peltners haben eine beeindruckende Keramik-Sammlung. Sie reicht von alten Mineralwasserflaschen bis zu modernen Geschirr. Die Mineralwasserflaschen wurden früher in alle Welt verschifft. Einmalig macht sie der Stempel, mit dem der Hersteller den Krug signierte. „Die Krugbäckerei kam aber schon um 1900 zum Erliegen“, so Bolko Peltner. „Das Handwerk war sehr Personal-intensiv und die Tonflaschen mussten absolut dicht sein, damit sie kein Wasser verloren.“

Töpferei-Museum, Bartkrug, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-tal
Ein antiker Bartmanns-Krug

Georg Peltner hatte schon vor mehr als 50 Jahren den Kulturwert der Keramik erkannt. Seine Sammel-Leidenschaft legte die Grundlage verschiedener Sammlungen und zu einem kleinen privaten Museum. „Leider ist es mir aber nicht möglich, hier alles zu zeigen“, sagt Sohn Bolko. „Denn dafür fehlen einfach die Mittel.“ Ein Teil der Sammlung wurde berets von der Bundesrepublik Deutschland angekauft und ist heute im ‚Schlesischen Museum‘ in Görlitz zu sehen. Weitere Stücke sind als Dauerleihgaben* in anderen Museen zu sehen.

Töpferei-Museum, Bolko Peltner, Kannenbäckerland © repor-talKeramiken gehören zu den ersten Spuren menschlicher Kultur überhaupt. und auch bis in jüngste Zeit waren Teller und Krüge beliebte Andenken und Ehrengaben. So kann eine Sammlung wie ein Bilderbuch der Geschichte gelesen werden. Es gibt Bilder von Krönungen und Monarchen, Sinnsprüche jeder Couleur vom ‚Hoch‘ auf den Kaiser bis ‚Rot Front‘, auch Karikaturen wie Bismarck als Dogge. „Keramiken sind Zeitdokumente, die bestehen bleiben und nicht gefälscht werden können“, sagt Bolko Peltner.

Die Sammlung umfasst keineswegs nur Stücke aus dem Westerwald oder Bunzlau. Zu sehen sind unter anderem auch viele Objekte zur Geschichte Schlesiens, darunter Fayencen und Porzellan vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert sowie Karten, Städteansichten und Bücher.

Bodo Peltner bietet ausgezeichnete Frührungen an, inklusive Vorführungen an der Töpferscheibe. Es dürfte schwer sein, jemanden zu finden, der mehr als er weiß über die kunsthistorischen, wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Zusammenhänge der Keramik-Industrie im Kannenbäckerland in Vergangenheit und Gegenwart.

Keramik-Museum, Bolko Peltner, Kannenbäckerland, © repor-talText: Ruth Hoffmann

Photos: © repor-tal

Adresse: Töpferei und Museum ‚Im Kannenofen‘, Kleine Emser Straße 4, 56203 Höhr-Grenzhausen

Telefon: 02624 / 72 51
E-Mail: bolko.peltner@gmx.de

Öffnungszeiten: montags bis samstags 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr, sonntags 13 bis 17 Uhr

* Hessisches Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach im dortigen Haus Sterzhausen sowie Museum für schlesische Landeskunde im Haus Schlesien in Königswinter

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