Die Dichterin und ihre Stadt

Das Ensemble bei der Besichtigung der historischen Bandweberei:<br/f> Uwe Dreysel, Philippine Pachl, Tinka Fürst, Stefan Walz, Miko Greza, Konstantin Shklyar, Anuk Ens, Nelly Politt und Julia Reznik (v.l.n.r.)
Das Ensemble bei der Besichtigung der historischen Bandweberei: Uwe Dreysel, Philippine Pachl, Tinka Fürst, Stefan Walz, Miko Greza, Konstantin Shklyar, Anuk Ens, Nelly Politt und Julia Reznik (v.l.n.r.)

Die Wuppertaler Bühnen planen ein Experiment: Das Schauspiel ‚Die Wupper‘ der Dichterin Else Lasker-Schüler wird inszeniert als reale Reise durch die Stadt, in der die Handlung spielt. Das offizielle Wuppertal hatte sich lange eher schwer getan mit seiner berühmten Tochter, die im Exil starb.

Als in Wuppertal 1966 das neue Schauspielhaus mit dem Stück ‘Die Wupper’ eingeweiht werden sollte, bekamen die Verantwortlichen kalte Füße. “Sie befürchteten, dass dem damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke, der seinen Besuch angekündigt hatte, das freizügige Stück von Else Lasker-Schüler nicht zusagen könnte” erinnert sich Hajo Jahn, Gründer und Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft in Wuppertal. “Schnell wechselte man zum Bewährten und eröffnete das neue Haus mit Gottlieb Ephraim Lessing. ‘Die Wupper’ feierte dann erst am nächsten Tag Premiere.” Diese Haltung der Wuppertaler ist nicht neu. So springen sie gerne mit den Künstlern ihrer Stadt um. So wurde Pina Bausch mit ihrem Tanztheater anfangs ausgepfiffen und ausgebuht. “Dieses Projekt ist eine Art Heimholung der Lasker-Schüler in ihre Heimatstadt”, sagt Jahn.

Nachdem die Welt aber die Kunst von Else Lasker-Schüler und später von Pina erkannte und würdigte, entschieden sich auch die Wuppertaler Offiziellen dafür. Immerhin inszenieren die Bühnen jetzt das Stück, für das Wuppertal eigentlich der erste Spielort sein sollte. Und dafür haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht: “Diese Stadtballade von Else Lasker-Schüler ist hier zu einem Stadtprojekt geworden”, sagt Susanne Abbrederis, die Schauspielintendantin, nicht ohne Stolz. “Unsere Inszenierung bietet eine neue Sicht auf das Stück. Es geht sowohl auf die Gegensätze der Stadt als auch auf ihre Menschen ein. Die Spielorte sollen diesen Gegensatz ebenfalls verkörpern: Industrieanlagen stehen Villen gegenüber wie das Proletariat den reichen Unternehmern.” Es ist ein Zwei-Klassen-Stück.

Denn die Inszenierung ist eine wirkliche Reise durch die Stadt. Die Zuschauer werden in zwei Bussen am Theater abgeholt. Während der Fahrt zum ersten Spielort, einer historischen Bandweberei, hören sie im Bus den ersten Akt. In der alten Weberei wird der zweite Akt aufgeführt. Danach geht die Fahrt weiter zum Zoo. Begleitet werden die Zuschauer hierbei von Experten, darunter auch Hajo Jahn, die Hintergründe zu Else Lasker-Schüler und ihrem Stück liefern. Die Experten fungieren als eine Art Reiseführer in Bezug auf das Stück.
Im Zoo wird der dritte Akt in der Musikmuschel aufgeführt. In der darauffolgenden Pause können die Zuschauer Erfrischungen im Zoo-Restaurant ‘Okavango’ genießen. Nach zwanzig Minuten heißt es wieder Abfahrt, es geht zur Kirche der Niederländisch-Reformierten Gemeinde. Hier spielt der fünfte Akt, der auch den Friedhof einbeziehen soll.
Nach der Aufführung und der Rundreise werden die Zuschauer zu ihrem Ausgangspunkt zurückgebracht.

In dieser Form hat es noch keine Inszenierung in Wuppertal gegeben. “Allerdings hat die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft vor einigen Jahren Stadtführungen angeboten bei denen an verschiedenen Orten Auszüge aus ‘Die Wupper’ vorgetragen wurden”, erinnert sich Hajo Jahn.

Ziel von Abbrederis und ihren Mitstreitern ist es, das Stück so zu präsentieren, dass es “explizit mit der Stadt verwoben ist”. Neben den zehn Akteuren in 17 Rollen gehören auch noch etliche Statisten zu der Truppe. So wird die Aufführung auch zu einer logistischen Herausforderung. Doch es sei “ein Projekt, um eine Stadt nach vorne zu bringen!” gibt sich Susanne Abbrederis zuversichtlich.

Geplant sind 14 Aufführungen. Die Premiere ist am 28. März. Der Vorverkauf  hat begonnen.

Text: Ruth Hoffmann

Photo mit freundlicher Genehmigung der Wuppertakler Bühnen, © Christoph Sebastian

Informationen: www.wuppertaler-buehnen.de

Adresse: Kurt-Drees-Straße 4, 42283 Wuppertal

Eintritt: 29 Euro

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