Altes Städtchen, plattes Land

Das Städtchen Dornum liegt gerade mal gute fünf Kilometer von der Nordsee entfernt im Binnenland zwischen Norden und Esens. Enge Gässchen im Ortskern laden zum beschaulichen Schlendern und Entdecken ein. Wahrzeichen Dornums ist die einzige erhaltene Bockwindmühle Ostfrieslands. (Die Mühle steht auf einem massiven Bock aus Holzbalken und kann im Ganzen in Windrichtung gedreht werden.) Sie gilt als die erste Windmühle der Region. Am 23. März 1626 begann sie zu arbeiten. Das ist im Mühlenstock eingekerbt.

Wappen am Schloss

Während anderswo im Mittelalter längst Könige und Kaiser herrschten, war Ostfriesland noch eine ‚demokratische’ Oase. Zum Erobern war die Region zu unwirtlich und bot nicht genug Ausbeute. Vertreter der Stämme trafen sich einmal pro Jahr an der Thingstätte ‚Upstalsboom’ nahe dem heutigen Aurich. Im 14. Jahrhundert übernahmen dann Häuptlingsdynastien die Macht. Sie hielten sich zwar nur ein gutes Jahrhundert und gingen dann in Kriegen unter, aber ihre Häuptlingssitze waren oft der Grundstein für spätere ostfriesischen Schlösser. So auch in Dornum.

 

Das Dornumer Schloss

Im 15. Jahrhundert gab es in Dornum drei befestigte Plätze, die Westerburg, die Norderburg und die Osterburg. Die Westerburg existiert nicht mehr. Die Osterburg, auch Beningaburg genannt, ist heute ein Hotel und Restaurant.

Prächtig, das Dornumer Schloss

Die Norderburg baute Haro von Closter 1700 zu einem prächtigen Barockschloss aus. Es kann sich zwar nicht mit Barockschlössern in Bayern messen, aber für ostfriesische Verhältnisse erstrahlt es in ungewöhnlicher Pracht. Im inneren Torbogen ließ Haro von Closter den Spruch anbringen ‚Neid ist mir lieber als Mitleid‘. Das Schloss ist heute eine Realschule. Ein so nobles Unterkommen dürften wohl die wenigsten Schüler in Deutschland genießen.

Schutzschild: das Torhaus

Heute werden die Schüler durch den Wassergraben rund um das Schlossgelände vor neugierigen Touristen ‚geschützt‘. Aber angelegt wurde er natürlich, um Feinde in früheren Zeiten davon abzuhalten, ungesehen auf das Schlossgelände vorzudringen. Ein Zugang ist über das Torhaus möglich, in das die Schloss-Straße mündet, die direkt aus dem Ortskern dorthin führt. Das Torhaus wurde schon 1678 erbaut. Seinen 30 Meter hohen Glockenturm erhielt es aber erst 1707.

 

Grimmige Löwen bewachen das Schloss.

Eine hölzerne Brücke führt über den Wassergraben zum Schlossportal, das von zwei grimmigen Löwen flankiert wird. Am Giebel prangt darüber Pallas Athene, die griechische Göttin der Weisheit und Kriegskunst. Das Innere des Schlosses ist nur im Rahmen von Führungen außerhalb der Schulzeit zu besichtigen. Der Rittersaal soll besonders prächtig sein, mit Galerie und barocken Deckengemälden.

 

 

 

St. Bartholomäus

St. Bartholomäus mit Glockenturm (links)

Die Backsteinkirche wurde etwa um 1270 bis 1280 auf einer Warft, einem aufgeschütteten Erdhügel errichtet, um der Bevölkerung bei Sturmfluten Schutz zu bieten. Granitsteine bilden den Sockel. Der wuchtige, gedrungene Glockenturm steht frei an der Nordseite. Eine mächtige etwa 350 Jahre alte Rotbuche beschattet den Vorplatz und die alten Gräber auf dem Friedhof.

Der Altar von 1683

Das schlichte Äußere der Kirche steht im Kontrast zum reichen, im Barockstil gehaltenen Innenraum. Das älteste Stück ist ein gotischer Taufstein von 1270. Im Boden der Kirche sind elf ostfriesische Häuptlinge bestattet. Die Kanzel aus dem Jahr 1660 zeigt vier Evangelisten und Paulus; weitere acht Apostel zieren den Aufgang. Der Altar stammt aus dem Jahr 1683.
St. Bartholomäus beherbergt auch die zweitgrößte Orgel Ostfrieslands. Sie wurde 1711 gebaut, hat 1887 Pfeifen und gilt als nationales Denkmal.

 

Die Synagoge und der Judenfriedhof

Die Dornumer Synagoge

Nach dem 30-jährigen Krieg holte siedelten sich die ersten Juden in Dornum an. Anfang des 18. Jahrhunderts dann warb Haro von Closter viele jüdische Handwerker und Kaufleute an, um die Wirtschaft anzukurbeln. Bis 1763 lebten die Juden gleichrangig mit der christlichen Bevölkerung zusammen. Dann gab es die ersten Ausschreitungen in der Region gegen Juden.
Die Gewaltakte während der Nazi-Zeit hat die Synagoge in Dornum als Gebäude überstanden, vermutlich weil sie 1938 bereits an einen nichtjüdischen Besitzer verkauft war. In der sogenannten Reichskristallnacht wurden aber die Fenster eingeschlagen und die noch im Haus befindlichen Kultgegenstände wie die Thorarolle auf dem Marktplatz verbrannt.
Heute ist die ehemalige Synagoge Gedenkstätte mit einer ständigen Ausstellung, die Gegenstände aus dem jüdischen Alltagsleben zeigt. Sie ist freitags, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Jüdischer Friedhof

Auf dem nicht weit von der Synagoge gelegenen jüdischen Friedhof existieren noch 35 Grabsteine. Sie sind in hebräisch und deutsch beschriftet. Der älteste Stein stammt aus dem Jahr 1721. Der Friedhof sollte nicht am Samstag, dem jüdischen Feiertag Schabbat betreten werden.

Ruth Hoffmann (Text)

repor-tal (Photos)

 

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