Warum wir erst recht
Journalisten brauchen

Laszlo Trankovits, Journalist und Manager der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat ein Buch über ‚Qualitätsjournalismus‘ vorgelegt. Das Probem ist: Niemand weiß, was darunter genau zu verstehen ist. Dennoch lohnt es sich, dieses Buch zu lesen – nicht nur für Journalisten.

Macht das Internet die klassischen Medien überflüssig – und damit auch die Berufsgruppe der Journalisten, die mit einer guten Ausbildung und hoher Kompetenz dem Publikum die undurchsichtigen Vorgänge in Politik und Wirtschaft vermitteln? Und die davon auch leben können? Denn heute kann jeder in die Welt hinaus senden, was er will, und jeder kann alles empfangen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Verlage und Sender wie Schleusenwärter bestimmen konnten, was an die Öffentlichkeit gelangte – und vor allem auch, was nicht. Wir erleben eine ähnliche Revolution wie zu Zeiten Gutenbergs. Damals verlor die Kirche – und es gab bis dahin nur ‚die‘ Kirche – die Kontrolle über den Inhalt der Bibel. Wenig später war die katholische Kirche nur noch eine von vielen.

die_nachrichtenprofis_dpa_9783956011122_3d_4c_mWährend die Presselandschaft langsam schrumpft, Fernsehen und Radio allmählich von Streaming-Diensten abgelöst werden, schlägt der Wandel bei den Nachrichten-Agenturen noch härter zu: Jede Neuigkeit, die einmal in der Welt ist, verbreitet sich binnen Sekunden via Twitter, Facebook, Google News usw. Damit lässt sie sich aber nicht mehr verkaufen. Wer würde noch Geld ausgeben für eine Agentur, wenn es höchstens Minuten dauert, bis man das Gleiche auch kostenlos erfährt?

Die unbegrenzte Freiheit der Kommunikation hat allerdings einen Haken: Ohne besondere Kenntnisse kann niemand mehr Information von Propaganda, Wahrheit von Lüge, Tacheles von Schmonzes unterscheiden. Dies ist das erklärte Thema des neuen Buches von Laszlo Trankovits: ‚Die Nachrichtenprofis – Warum Qualitätsjournalismus für unsere Demokratie unverzichtbar ist (dpa)‘. Das Kürzel ‚dpa‘ am Ende des Untertitels legt offen, aus welchem Haus der Autor kommt: Trankovits gehört zu den Spitzen-Journalisten der Deutschen Presse-Agentur und leitet zur Zeit deren Vertretung in den USA. Und es macht auch schon auf dem Titel klar: Das Wort ‚Qualitätsjournalismus‘ ist für Trankovits nahezu gleichbedeutend mit ‚dpa‘.

Es geht weniger um die allgemeine Frage: Wie kann journalistische Qualität künftig aussehen, erkennbar werden, sich finanzieren? Darauf kann allerdings heute auch sonst niemand eine belastbare Prognose abgeben. Was dieses Buch lesenswert und spannend macht, ist die kenntnisreiche Analyse eines Insiders über die Vorgänge hinter den Kulissen bei den großen Verlagen und Agenturen. Der Bereich der öffentlich-rechtlichen Medien bleibt komplett ausgeblendet, quasi als ob sie nicht existierten.

Laszlo Trankovits © Frankfurter Societäts-Medien GmbH
Laszlo Trankovits
© Frankfurter Societäts-Medien GmbH

Die vielen offenen Fragen, die der Medienwandel aufwirft, kann dieses Buch ebensowenig eindeutig beantworten wie die vielen anderen zum selben Thema. Dank der genauen Branchen-Kenntnisse des Insiders Trankovits liefert es aber eine ausgezeichnete Diagnose des Zustandes zumindest der großen Medien, die als Wirtschaftsunternehmen organisiert sind.

Text: Jan-Peder Lödorfer

Titelbild: © Michael Kappeler/dpa/picture alliance, mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Medien GmbH

Informationen: www.fazbuch.de

Laszlo Trankovits: +++ Die Nachrichtenprofis +++ Warum Qualitätsjournalismus für unsere Demokratie unverzichtbar ist (dpa)
Frankfurter Allgemeine Buch
304 Seiten, Hardcover, mit Fotos und Infografiken
Preis: 24,90 €
ISBN 978-3-95601-112-2
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