So süß kann Kulturgeschichte schmecken

Das Clemens Sels Museum in Neuss ist immer für außergewöhnliche Ideen zu haben. Diesmal dreht sich alles um Süßkram – Naschen in Neuss. Wer kennt nicht noch die berühmte Novesia Goldnuss, die dort am Rhein produziert wurde?

Nicht nur für Naschkatzen und Lokalpatrioten ist die laufende Ausstellung des Clemens Sels Museums interessant. Es zeigt auch die Geschichte und Entwicklung des Süßkrams seit dem 17. und 18. Jahrhundert. Damals war Zucker teuer und damit nur den Adeligen vorbehalten. 

Mehr als 300 Objekte hat der Kurator der Ausstellung, Dr. Carl Pause, zusammengetragen. Darunter das Neusser Süßwarengeschäft Mayser aus den 1920er Jahren, historische Bonbonmaschinen oder eine Kuchenbackform aus der Römerzeit. 

Das Highlight der Schau ist aber das Zuckerbankett von 1585 – eine originalgetreue Replik; denn das Original wurde damals verspeist von den Gästen, die Wilhelm V. Herzog von Jülich-Kleve-Berg zur Vermählung seines Sohnes Johann Wilhelm mit der Markgräfin Jakobe von Baden geladen hatte. Georg Maushagen aus Düsseldorf erstellte eine Rekonstruktion nach einem Kupferstich von Franz Hogenberg. Die gesamte prächtig angerichtete Tafel ist en Miniature dargestellt, und alles ist aus Zucker von den Speisen und Dekorationen bis hin zu den Tellern, Gabeln und Messern.

Adel verpflichtet: alles aus Zucker vom Schloss bis zur Gabel.

Wie immer haben sich die Macher des Clemens Sels Museums auch Besonderheiten einfallen lassen. So gibt es eigens für die Ausstellung hergestellte Bonbons und Römer-Kekse nach einem Rezept von Cato dem Älteren (234 – 149 v.Chr.). Probieren lohnt sich: die Kekse sind eher herzhaft mit einer Note Parmesan und Basilikum.

Natürlich darf in der Sammlung auch die berühmte Novesia Goldnuss – „nur echt mit 27 ganzen Haselnüssen“ – nicht fehlen. Sie wurde Anfang des 19. Jahrhunderts nur von Apothekern verkauft und erst mit der industriellen Herstellung zum Massenprodukt. 1927 entstand die einmalige Fenster-Schokoladen-Verpackung.

Ältere Besucher der Ausstellung werden sich auch an die Süßwaren der Zuckerwarenfabrik Otto Mayser erinnern, insbesondere an die Hustenbriketts. Das Geschäft besteht bis heute noch in Neuss – die Hustenbriketts sind dort immer noch zu haben -, allerdings hat die Firma 1993 ihre Eigenproduktion einstellen müssen.

Für interessierte Naschkatzen ist auch ein Katalog zur Schau erschienen, der aufschlussreich über die Geschichte des Süßkrams in und um Neuss aufklärt.

Die Schau ist noch bis zum 13. Oktober 2019 zu sehen.

Text: Ruth Hoffmann

Photos mit freundlicher Genehmigung von Pro Classics , © repor-tal

Informationen: www.clemens-sels-museum-neuss.de

Adresse: Clemens Sels Museum, Am Obertor, 41460 Neuss

Telefon: 02131 / 90 41 41

Öffnungszeiten: dienstags bis samstags 11 – 17 Uhr, sonn- und feiertags 11 – 18 Uhr

Eintritt: 5 Euro, an jedem ersten Sonntag iim Monat frei!

Katalog:
Clemens Sels Museum Neuss: Süßkram – Naschen in Neuss
180 Seiten, Paperback
16,95 Euro
ISBN  978-3-936542-92-9

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