IGeL pro und contra

Wenn der Arzt etwas empfiehlt, aber die Kassen es nicht bezahlen, dann geht es oft um sogenannte individuelle Gesundheitsleitungen – kurz IGeL. Da fühlt sich mancher Patient vom Arzt – seines bisherigen Vertrauens – überfordert. Denn natürlich möchte jeder die beste medizinische Vorsorge. Doch manche dieser Leistungen können sogar schaden, so der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS).

Fotolia © Doris Heinrichs

Jeder Zweite bekommt beim Arztbesuch Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die privat zu bezahlen sind. Doch häufig angebotene IGeL widersprechen medizinischen Empfehlungen und können schaden, sagt der IGeL-Report des MDS.

Der IGeL-Monitor hat in einer repräsentativen Umfrage erstmals die Top 10 der meistverkauften IGeL ermittelt. Fazit: In den Praxen werden häufig Früherkennungsuntersuchungen wie Ultraschall, Augeninnendruckmessung und Ähnliches verkauft. Viele der Topseller widersprechen Empfehlungen medizinischer Fachverbände, weil ihr Schaden den Nutzen überwiegt. Auch die neue Bewertung ‘MRT zur Früherkennung von Brustkrebs’ erhält von den Wissenschaftlern des IGeL-Monitors die Bewertung ‘tendenziell negativ’.

IGeL sind gut bekannt und sie werden auch oft in Anspruch genommen. Zu den am häufigsten angebotenen und angenommen Leistungen gehört die Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung. Diese Leistung wurde jedem fünften Versicherten (22 Prozent), der mit IGeL beim Praxisbesuch in Kontakt kam, angeboten und landete auf Platz 1 der Top 10-Liste. Die zweithäufigste und bei den Frauen (30 Prozent) am meisten angebotene Leistung war der Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung. Weitere Topseller sind der Ultraschall des Bauchraums und der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs bei Männern. 

Die Top 10-Liste wurde im Auftrag des MDS vom Marktforschungsinstitut aserto durch eine repräsentative Umfrage bei 2.072 gesetzlich Versicherten ermittelt. Die Liste deckt über die Hälfte aller angebotenen Leistungen ab (53 Prozent).

Quelle: IGeL-Monitor

Ausgerechnet die Top 10 werden von Leistungen angeführt, die vom IGeL-Monitor als ‘negativ’ oder ‘tendenziell negativ’ bewertet worden sind. Beim Ultraschall der Eierstöcke handelt es sich sogar um eine Leistung, von der die Fachgesellschaft der Frauenärzte abrät, da in Studien kein Nutzen gezeigt werden konnte und es durch Überdiagnosen zu erheblichen Schäden kommen kann. 

“Unser Fazit ist: Die IGeL-Angebote orientieren sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen, sondern an den Vorlieben einzelner Arztgruppen und an den Umsatzinteressen der Praxen. Zum Teil werden Patienten unter Druck gesetzt, damit sie solche Leistungen annehmen. Das ist nicht hinnehmbar”, fasst Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS, die zentralen Ergebnisse zusammen. 

In der Umfrage wurden die Patienten auch gefragt, ob sie selbst IGeL nachgefragt haben. Nur bei vier Prozent der erbrachten IGeL ging die Initiative von Patienten aus. “Wenn Ärzte IGeL anbieten, dann geschieht das nur in seltenen Fällen auf Wunsch der Patienten”, sagt Dr. Christian Weymayr, freier Medizinjournalist und Projektleiter des IGeL-Monitors. Nur 68 Prozent der Befragten sind mit der Reaktion des Arztes zufrieden, wenn sie eine IGeL angeboten kommen und diese auch annehmen. “Mehr als jeder dritte Patient gab sogar an, dass er sich bedrängt oder unter Druck gesetzt fühlte. Das bestätigt sich auch in den Zuschriften, die wir von Nutzern des IGeL-Monitors erhalten.” 

Text: MDS / repor-tal

Graphik mit freundlicher Genehmigung des MDS
Artikelbild Fotolia © psdesign1

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