Das Licht am Ende
des Rummels

Der ‚City-Manager‘ von Solingen ist ein liberaler Mann. Mit seiner Idee, bei der Weihnachtsbeleuchtung der Innenstadt auf christliche Symbole zu verzichten, hat er einen Sturm der Empörung ausgelöst, nicht nur bei Kirchenvertretern, sondern auch bei Parteien bis ganz rechts außen.

Dabei hat der Mann vollkommen recht! Es ist nur konsequent, dass wir den ganzen Weihnachtsrummel komplett auf Multikulti umstellen! Denn wenn man es recht betrachtet, ist das meiste schon längst erledigt. So hat zum Beispiel der heilige Nikolaus dem rotgekleideten Mega-Wichtel aus der Coca-Cola-Reklame Platz gemacht, der angeblich mit einem Rentiergespann vom Nordpol heranrauscht wie weiland Wotan und Kollegen. Wenn zwischen ‚Toys’R’Us‘ und Glühweinbuden künftig nur noch ‚Jingle Bells‘ im Wechsel mit ‚Rudolph Rotnase‘ dudelt und nicht mehr ‚Stille Nacht‘ – wer würde es vermissen?

Der Tannenbaum war sowieso nie wirklich ein christliches Symbol. Eher schon ein mühsam christianisierter Winterbrauch aus heidnischen Zeiten. Engel oder ähnliches Geflügel kommt in verschiedenen Religionen vor. Möglicherweise gibt es jedoch überhaupt Probleme mit sogenannten Bilderverboten. In dem Fall könnte man sich damit helfen, auf figürliche Darstellungen ganz zu verzichten.

Es gibt im übrigen auch keinen Grund, auf das Datum 25. Dezember weiter besonders Rücksicht zu nehmen. Da es mittlerweile üblich ist, gleich nach den Schul-Sommerferien mit dem Verkauf von Christstollen und dergleichen zu beginnen, muss man damit auch nicht nach Weihnachten aufhören. Sicher wird demnächst jemand vorschlagen, die Christstollen künftig unter einer politisch korrekten Handelsbezeichnung zu vermarkten. Das Wort ‚Winterstollen‘, das sich auf den ersten Blick anbietet, könnte allerdings mit Schuhsohlen assoziiert werden.

Freilich sollten wir dann konsequenterweise auch nicht mehr von ‚Weihnachtsbeleuchtung‘ reden. Denn in Wirklichkeit ist sie nie eine gewesen. Es ging immer nur um Konsum und Kommerz. Man könnte, in Anlehnung an eine berühmte DDR-Wortprägung, ‚Jahresendverkaufsbeleuchtung‘ sagen oder, ja – warum nicht gleich: ‚Jahresverkaufs-Schlusslicht‘!

Schorsch Bonks

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